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Big Waves - Short Boards

Veröffentlicht: 07.10.2026

Wir reisen entlang der asturischen Atlantikküste. Noch etwa tausend Kilometer trennen uns von Andalusien und die Zeit läuft schnell davon. 
Also haben wir entschieden, dass die Sierra Nevada mit unserem Reisemobil unbezwingbar, die Costa del Sol zu überlaufen und die Orangen noch nicht reif genug sind.
Asturische Atlanktikküste
Auch im spanischen Norden gibt es einiges zu entdecken. Hier und da kreuzen wir den Camino del Norte, ein sehr anspruchsvoller Jakobsweg, der über viele Kilometer direkt an der Küste entlang läuft. 
Am Pilgerweg
An Pilgerstrecken gibt es häufig Trinkwasserquellen, die auch wir gern dazu nutzen, unsere Kanister aufzufüllen.
Auf den Hahn nahe der Capilla de los Dolores muss ich mit roher Gewalt draufhauen und dann kommt der Schwall mit so viel Karamba herausgeschossen, dass es mir die Flasche aus der Hand donnert.
Wasser!
Der Held spaziert daraufhin mit dem großen Vorratsbehälter über die Straße und ist binnen kürzester Zeit wieder da. Der Feuerwehrstrahl hat den Kanister in Sekunden gefüllt.
Glücklich setzen wir unsere Reise fort, denn direkt am Meer ist das Übernachten auf Parkplätzen PRO-HI-BI-DO! In Spanien hat man sogar vier Silben zur Verfügung, um vehement ein Verbot auszudrücken und dabei mit der Faust auf den Tisch zu hauen.
Übernachten VER-BO-TEN!
Wir kurven in die nahen Berge und bringen den Kangoo damit wieder an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.
Oben angekommen genehmige ich mir ein großes Glas frisches Wasser und kann das Geschmackserlebnis kaum in Worte fassen! Ich habe das Gefühl, ein ganzes öffentliches Bad auszutrinken. Sentimentale Kindheitserinnerungen an Fahrten in die Schwimmhalle nach Fürstenwalde werden wach und hastig und tapfer schlucke ich das kostbare Nass herunter.
Iglesia de Nuestra Señora de los Dolores am Camino del Norte
Zappa tröstet mich und weiß zu berichten, dass sich der Chlorgehalt mit dem Geschüttel im Wohnwagen bald verflüchtigen wird.
Wir nächtigen in einem ehemaligen Steinbruch knapp dreihundert Meter über dem Meer und werden von klingenden Glöckchen der in den Felsen herumturnenden Spukziegen geweckt.
Asturische Atlanktikküste
Doch als der Kaffee am Morgen einen reichlich merkwürdigen Geschmack aufweist und das Wasser auch noch Tage später nach Hallenbad riecht, fragen wir uns schon, was der Jakobspilger davon halten soll.
Wenigstens sind die Wasserleitungen und Vorratstanks im Wohnwagen jetzt mal gründlich desinfiziert, kann ja auch nicht schaden.
Asturische Atlanktikküste
Inzwischen wird das Wetter herbstlicher und zeigt sich von seiner durchwachsenen Seite. Wir sind an der wilden Küste Galiziens angelangt und staunen über grüne Berge, tiefe Flussmündungen und lange weiße Sandstrände. Die zahlreichen Eukalyptuswälder verströmen einen intensiven Waschmittelgeruch, der Wind wackelt am mobilen Heim, der späte Sonnenaufgang ist um 8:30 Uhr.
Mirador de Paraño
Der Held entnimmt dem Internet, dass wir uns in der Nähe eines der besten Surfspots Europas befinden. Wellen von bis zu vier Metern Höhe werden vorhergesagt und versprechen einen aufregenden Nachmittag. Gut, die Praia Pantin ist nicht Nazaré, aber bis dahin sind es noch gute sechshundert Kilometer und die Wellen steigen morgen dort auch nicht höher.
Praia de Pantín
Also mischen wir uns guter Dinge unter die Surfervans am strandnahen Parkplatz und warten auf die Flut.
Und wir werden nicht enttäuscht! Pünktlich um 17:00 Uhr türmen sich die Wellen auf. Riesige dunkle Wände stürmen, tosen, donnern und lärmen, dass man kaum sein eigenes Wort versteht, brechen und laufen mit blendend weißen Schaumkronen auf den menschenleeren Strand. Beeindruckt stehen wir am Wasser und halten den gebührend respektvollen Abstand. Schlauer als das Gringopärchen, das staunend mit den Füßen im Wasser steht und wie aus dem Nichts von einer kalten Welle überrascht wird. Die Höschen sind nass, Spaß haben sie trotzdem, sind aber nun vorsichtiger.
Uns wird das volle Programm geboten. Nur die Surfer fehlen für die ganz große Show. 
Obacht!
Wir erfahren, dass Pantin bei dieser Wellenhöhe nur für Profis geeignet ist und eine extreme Herausforderung darstellt. Die Eingeweihten fachsimpeln, dass der exponierte Beachbreak als Wellenmaschine gilt und bei diesem beachtlichen Swell mit Triple Overhead an seine Grenzen stößt. Die erfahrenen Locals weichen bei einem solchen close out auf benachbarte Spots aus.
Aha. Wir fanden es auch ohne Wellenreiter mega.
Vier Meter hohe Wellen
Und interessant: das Auge der spanischen Ordnungshüter ist auch in der Nebensaison wachsam. Alle Wavespotter, die die PRO-HI-BI-DO-Schilder für Wohnmobile und Caravans in der ersten Reihe des kostenlosen Parkplatzes missachten, werden am frühen Abend von Señor Reglamento auf die hinteren Standorte verwiesen. Und dann heißt es schnell sein, sonst sind alle Plätze vergeben. 
Obacht!
Erkenntnis des Tages: wer Schilder ernst nimmt, ist manchmal klar im Vorteil!
Obacht!


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Antworten (1)

châteaugeschichtenvon châteaugeschichtenvor 8 Minuten
🏄‍♂️🌊

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