Day-X

2 Jungs, eine Bestimmung. 183 Tage. von Neuseeland nach Argentinien. Einmal um den halben Erdball.

Safari in Argentinien

Tag 143


Immer wenn einiges passiert ist in den letzten Tagen, frage ich mich wie ich das ganze hier anfangen soll. Soll ich chronologisch vorgehen? Oder erst mal meine Umgebung beschreiben? Das hab ich schon so oft gemacht. Heute ist der 25. Februar und es hat sich schon ordentlich abgekühlt. 42 Grad müssen wir also nicht mehr ertragen. Nur noch das unfähige Busunternehmen Central Argentino, welches uns vor ein paar Tagen in den Wahnsinn getrieben hat.

Im letzten Eintrag lobte ich die argentinischen Busse noch vollkommen überzeugt in den höchsten Tönen und behauptete, dass wir hier noch nie eine Busverspätung zu ertragen hatten und nur eine Woche später ereignete sich genau dies im unschönstem Ausmaß. Wir kamen pünktlich um 14:00 an, zu welcher Zeit der Bus fahren sollte und nach ein wenig Gewarte, wurde uns von einer unfreundlichen und völlig desinteressierten Mitarbeiterin mitgeteilt, dass der Bus wegen eines „problema mechanica“ erst um 17:00 abfahren würde, und wir bis dahin warten müssten. Als wir dann um 17:00 wieder auftauchten, wurde uns gesagt, dass der Bus erst um 19:00 kommen würde, dann aber auf jeden Fall. Da wir aber die Unterkunft im nächsten Ort schon gebucht hatten und auf jeden Fall am gleichen Tag die Stadt verlassen wollten, fragten wir mehrmals nach, ob der Bus dann auch wirklich heute um sieben fahren würde. Uns wurde das dann auch ganz selbstverständlich versichert und so waren wir um 19:00 wieder am Busterminal. Als es dann hieß, dass er ungefähr um 20:30 da sein würde, wurde es uns zu doof und wir sahen zu, dass wir noch eine Unterkunft fanden, um einen Bus am nächsten Tag zu nehmen. Diese fanden wir dann auch zum Glück und konnten die Stadt einen Tag später endlich verlassen. Eine finanzielle Entschädigung, nach welcher wir freundlich fragten, gab es nach einem stumpfen „No“ auch nicht, und die Mitarbeiterin sah uns durch ihre Fensterscheibe hindurch nur gelangweilt an, als wollte sie einfach, dass wir verschwinden. Das taten wir dann auch. Wer also in Zukunft plant nach Argentinien zu reisen und dort mit dem Bus zu fahren, tut es nicht mit Central Argentino.

Die Zeit auf der Peninsula Valdes, einer zum UNESCO Weltnaturerbe gehörigen Halbinsel, die wir einige Tage vorher hatten, konnte uns das allerdings trotzdem nicht verderben. Wir hatten einen ganztägigen Trip in das Naturreservat auf der Halbinsel an der Atlantikküste gebucht und um 8:00 morgens holte uns ein Mann namens Daníel mit seinem Auto von unserem Hostel ab. Er war voller Energie und redete, sobald wir in das Auto eingestiegen waren, munter auf uns übermüdeten Spaßbremsen ein. Wir fuhren noch zu einem anderen Hostel in der Stadt, wo wir zwei Italienerinnen abholten, und dann ging es zu viert zusammen mit Daníel in einem halbfunktionierendem Auto auf die zwei Stunden entfernt gelegene Halbinsel. Daníel war etwa Ende vierzig, sah aus wie man sich einen Argentinier vorstellt und redete die gesamte Fahrt. Ohne Pause erzählte er über alles mögliche, sodass man sich sorgen machen musste, dass er zwischendurch das Atmen vergisst. Wir und die zwei Italienerinnen sagten am Anfang kaum was, sondern blickten einfach aus dem Fenster und hörten ab und zu hin, was Daníel so plauderte. Er war voll in seinem Element und während wir am Anfang noch ein wenig genervt waren, schlossen wir ihn den Tag über mit seiner leidenschaftlichen und begeisterten Art immer mehr ins Herz. Auf der Halbinsel sahen wir Guanakos, Lama ähnliche Tiere; Nandus; kleine witzige Gürteltiere; eine Menge Pinguine und besonders beeindruckend; Orcas. Wir fuhren gerade über die staubigen Pisten inmitten der weiten steppenartigen Landschaft und Daníel erklärte irgendwas über die bedeutende Ölindustrie seiner Heimatstadt, als uns am Straßenrand jemand aufgeregt mit den Armen wedelnd anhielt. Er und Daníel tauschten sich in unverständlich schnellem spanisch aus, wir fuhren weiter und wenige Sekunden später sah Daníel uns an und sagte glücklich „We will see orcas“. Er hielt an einer Stelle am Wasser, wo schon ein paar andere Leute aufs Meer blickten und wir konnten es nicht fassen. Das war für die Tour nicht geplant und Orcas lassen sich an den Küsten dieser Halbinsel eigentlich nur im November blicken. Wir stiegen aus und gingen zu den anderen, die weit in die Ferne schauten und etwas fotografierten, was mehrere hundert Meter entfernt lag und eigentlich nur mit dem Fernglas so richtig zu erkennen war. Eine Orcaflosse konnte ich auch erhaschen. Da wir mit nichts gerechnet hatten, freuten wir uns trotzdem, auch wenn die Tiere sehr weit weg waren, doch dann kam Daníel ganz stolz auf uns zu und behauptete, dass die Orcas zu uns kommen würden und wir nur ein bisschen warten müssten. Linus und ich glaubten nicht so richtig daran, aber nach einer halben Stunde etwa schwammen die Orcas tatsächlich in unsere Richtung, sodass man sie weitere zehn Minuten später aus nächster Nähe beobachten konnte. Wahnsinn. Wir hatten wahnsinniges Glück und das merkte man auch allen anderen Leuten um uns herum an, von denen jeder ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Es waren drei Stück und sie schwammen direkt an der Wasseroberfläche. Solche riesigen Geschöpfe einmal sehen zu dürfen ist definitiv etwas ganz besonderes und das werden wir nicht vergessen. Später ging es noch zu einer Bucht, an der sich Seelöwen und See-Elefanten sonnten. Als es Abends nach einem langen Tag mit dem Auto wieder zurück ging, waren wir alle ziemlich erschöpft und Daníel versprach uns, dass er kein einziges Wort mehr sagen würde, was er auch nicht mehr tat. Der sympathische Guide, der sich grinsend auf die Zehnspitzen stellte, als wir mit ihm zum Schluss ein Foto machten, wird uns trotzdem in Erinnerung bleiben. Die zwei Italienerinnen waren ungefähr in unserem Alter und machen eine ähnliche Route durch Argentinien, wie wir. In Mar del Plata, einem Badeort, in dem wir bald sind, reisen sie allerdings genau an dem Tag ab, an dem wir ankommen. Reisen tun sie insgesamt glaube ich zwei Monate, bevor es zurück nach Mailand geht. Für Daníel geht es nicht weiter. So begeistert und fasziniert, wie er von seiner Peninsula Valdés ist, wird er wahrscheinlich bis zum Ende seines Lebens mit dem Auto dorthin fahren. Zum Glück aller Touristen, die er dorthin mitnimmt.

Wir für unseren Teil sind jetzt schon mehrere hundert Kilometer von diesem Fleckchen entfernt und sind in einer neuen Provinz, die jetzt auch endgültig nicht mehr zu Patagonien gehört. Hier gibt es wieder grüne Wiesen und Bäume und Pflanzen, was uns mal wieder ganz gut gefällt. Auf der Busfahrt gestern, hat man sich mit den saftigen Wiesen, den Vögeln und den Feldern für einen klitzekleinen Moment wie in Norddeutschland gefühlt. 

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