Jambo Kenya
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Raus aus Auckland - Rein ins Vergnügen

Veröffentlicht: 14.10.2018

Tag 11

Endlich raus aus Auckland. Nichts gegen Auckland, die größte Stadt Neuseelands hat durchaus seine Reize. Gerade das Umland, welches wir leider nur selten erkunden konnten, ist unfassbar vielseitig und sinnbildlich für die Vielfalt, die Neuseeland zu bieten hat. Für uns war Auckland allerdings nicht mehr, als der Beginn und das Schaffen aller Voraussetzungen unserer Reise und somit eigentlich eine Woche Bürokratie, Planung und herumgehetze. Queenstreet rauf, Queenstreet runter (die bergige Straßenführung erinnert übrigens an San Francisco), hin und her von Vodafone Shop, über Versicherung, über Finanzamt bis zu verschiedenen Autohändlern. Apropos Auto. Ham jetzt eins. Und zwar einen wunderbaren 1992er Toyoto Campervan, in dem wir die nächsten 3 Monate also nächtigen und generell wohl wohnen werden.

Dazu passt auch schon die erste Anekdote, die ich eigentlich niemandem vorenthalten kann.

Wir kaufen also am Freitag dieses Auto, sind natürlich erstmal mega stolz und glücklich, dass beim nun zweiten Anlauf alles geklappt hat. Wir fahren raus aus Auckland, sind beide zu Tode angespannt uns mit nem alten, neuen Auto im Linksverkehr durch den Feierabendverkehr Aucklands zu schleppen („WO MUSS ICH LANG“ – „LINKS!!!“ – „JETZT LINKS??“) und suchen uns außerhalb den erst besten Campingplatz. Da wir einen Selfcontained Campervan haben, mit eigenem Waschbecken und einklappbarer Toilette haben wir das Privileg auch auf Campingplätzen zu übernachten, die eigentlich meist nur ein Parkplatz sind, dafür aber an den schönsten Ecken und mitten in der Natur liegen. So einer war das in dem Fall auch. Wir kommen da also an, umgeben von atemberaubender Natur und hätten wirklich jeden Grund, wunschlos glücklich zu sein. Wären da nicht die Rücklichter gewesen. Die gingen als wir das Auto verlassen haben, um uns mal umzusehen nämlich nicht aus. Nun standen wir da also. 19:00, irgendwo im Nirgendwo, allein auf einem Parkplatz im Neuseeländischen Dschungel, ohne Netz, ohne Aussicht auf Zivilisation, aber mit kaputten Rücklichtern, und auf dem besten Weg morgen eine neue Batterie kaufen zu müssen, weil die Lichter die ganze Nacht brennen würden.

Hoffnungslos. Könnte man denken. Wären da nicht die hilfsbereiten Kiwis. 

Linus meinte er würde gucken, ob hier irgendjemand wohnt, der vielleicht Netz hat und kam 20 Minuten später im Auto eines Ende 30 jährigen Mannes wieder, der die darauffolgenden 90 Minuten seines Lebens verschwendete, nur um uns ahnungslosen, und beschämend naiven, deutschen Jugendlichen aus der Patsche zu helfen. Er schraubte, und stöhnte und rätselte bis irgendwann alle Lampen vorübergehend aus waren und wir um 21:30 in der absoluten Dunkelheit unsere Betten herrichten konnten und entspannt schlafen konnten. Er empfahl uns dann auch noch eine Werkstatt im Ort zu der wir morgen fahren könnten, um das Problem endgültig zu lösen.

Als wir am nächsten Tag pünktlich um 8:00 in dieser „Werkstatt“ auftauchten, merkten wir, als wir bei der Tankstelle nebenan fragten, ob die Werkstatt heute auf habe und die Mitarbeiterin nur meinte, John würde schon kommen, dass wir hier in sehr guten Händen waren. Nach erneutem Rumgeschraube und vier Stunden später war das Problem dann allerdings tatsächlich gelöst und wir konnten uns aufmachen zum nächsten Campingplatz.

Dieser lag in Watamata, direkt an einem traumhaften, menschenleeren Strand. Abendbrot bestand allerdings nur aus Brötchen, da wir das falsche Gas für unseren Gasherd gekauft hatten. Das Frühstück am nächsten Tag, also heute, sah mit Erdnussbuttertoast und Kakao unter wolkenlosem Himmel, in unseren Campingstühlen sitzend mit Blick auf den wunderbar glitzerndem Pazifik schon deutlich besser aus. Danach hat Linus mir dann die Haare abgeschnitten und jetzt hab ich ne Glatze. Das sag ich zumindest immer, eigentlich sind es 9mm. Aber für so eine Reise sicherlich praktisch. Nach einer dreistündigen Fahrt durch die unglaubliche Flora der „Bay of Plenty“ sind wir vorhin in Tauranga angekommen, mit 120.000 Einwohnern eine der größeren Städte in Neuseeland. Hier war es das Ziel, unseren ersten Job fix zu machen, um mal wieder ein paar Moneten in die Tasche zu kriegen. Wir fuhren also zu der Adresse aus der Jobanzeige und landeten in einem Hostel, dass die Jobs in der Umgebung von Tauranga vermittelt. Wir würden morgen früh anfangen und dann für zwei Wochen auf einer Kiwifarm arbeiten. Schlafen könnten wir in unserem Auto. Die einzige Bedingung für den Deal war, dass wir eine Nacht in diesem Hostel übernachten müssten, weil das Hostel und die Job Agentur irgendwie kooperieren. So richtig verstanden haben wir das beide auch nicht. Naja man soll ja nicht so viel nachdenken, sondern machen.

Zumindest sitzen wir jetzt hier in diesem Hostel auf einem Sofa im Aufenthaltsraum und schreiben. Es ist 21:05. Gleich erwartet uns ein Achtbettzimmer. Für mich ist es die erste Nacht in einem solchen Hostel, für Linus nach zweimaliger Interrailerfahrung nichts Neues.

Ab morgen arbeiten wir dann sechs Tage die Woche 8-10 Stunden auf dieser Farm und müssen so weit ich weiß nix anderes tun, als die ganze Zeit die Knospen der Pflanzen zu öffnen, damit diese im Sommer Früchte tragen können.

Wird sicherlich hart. Es kann gut sein, dass ich dann in dieser Zeit erstmal kein Internet habe und es somit schwer wird Einträge hochzuladen. Ist also schwierig zu sagen wann ich mich mal wieder melden kann. Bis dahin bin ich also Geld verdienen.

Und gleich in einem Zimmer mit Linus und 6 anderen Reisenden. Es ist 21:15. Ich gehe gleich duschen und dann schlafen. Morgen wird’s früh!

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