Lower Hutt - Wellington
Bevor ich nach Wellington gefahren bin, habe ich TJ in Lower Hutt besucht. Ich hatte TJ am Castlepoint kennen gelernt und als er erfahren hat, dass ich ein paar Tage später die...


Veröffentlicht: 15.12.2024
























Mit der DOC-Mitarbeiterin habe ich außerdem meine Planung für die Wanderung besprochen, da drei der vier Etappen ziemlich lang waren. Das lag daran, dass die ersten beiden Campingplätze 22km weit auseinander liegen und die Hütte dazwischen bereits ausgebucht war. Somit hatte ich die Wahl am ersten Tag 6km oder 28km zu wandern und dementsprechend wurden die anderen Etappen eben länger oder kürzer. Ich hatte mich für die kurze Etappe am ersten Tag entschieden und die DOC-Mitarbeiterin war guten Mutes, dass meine Planung passt.
Vorausschauend hatte ich mir zu Beginn der Reise in Christchurch von Rainer auch Zelt, Schlafsack und Isomatte geben lassen. Schon da war mir klar, dass die Ausrüstung nicht ideal ist, weil es sich um ein Zwei-Personen-Zelt und einen riesigen Schlafsack handelt. Aber man nimmt, was man bekommt. Einen Campingkocher hatte ich nicht, aber man kann sich ja auch mal vier Tage ohne zu kochen ernähren.
Als ich abends meinen Rucksack für die Wanderung gepackt habe, ist mir aufgefallen, dass ich vielleicht doch etwas zu optimistisch war: Mit Zelt und Schlafsack war der Rucksack nämlich schon fast voll. Die Isomatte hatte ich außen am Rucksack befestigt, dann habe ich für den Fall der Fälle noch Regensachen eingesteckt und dazu kamen noch alle Wertsachen, darunter Kamera und Tablet, und der Proviant. Am Ende musste ich neben der Isomatte auch noch einen Beutel außen am Rucksack befestigen. Aber es gab kein Zurück mehr.
Tag 1: Pünktlich 8.30 Uhr ist das Wassertaxi in Picton losgefahren und auf der Fahrt habe ich erfahren, warum man in ganz Neuseeland immer wieder Wälder mit abgestorbenen Bäumen sieht: Das sind Kiefern, die in den 1930ern für kommerzielle Zwecke gepflanz wurden. Da sie die Bäume und Pflanzen, die dort normalerweise wachsen, vertreiben und die Aussicht verändert haben, werden sie absichtlich vergiftet. So soll der ursprüngliche Ausblick wieder hergestellt werden.
Anderthalb Stunden später war ich schon am Ausgangspunkt meiner Wanderung: Ship Cove. Von dort waren es ca. 2 Stunden bis zur Schoolhouse Bay, wo ich die erste Nacht verbringen wollte. Vor allem auf den 250 Höhenmetern, die ich erst hoch und dann wieder runter wandern musste, habe ich gemerkt, dass mein Rucksack echt schwer ist.
Ziemlich fertig, auch weil ich in den Nächten zuvor sehr wenig geschlafen hatte, bin ich auf dem Campingplatz angekommen, habe mein Zelt aufgeschlagen und erstmal zwei Stunden lang geschlafen. Beim Abendessen habe ich dann zum ersten Mal Bekanntschaft mit Wekas gemacht. Das sind braune Laufvögel in der Größe von Hühnern, die unglaublich neugierig und frech sind und auf der Suche nach Futter alles ganz genau inspizieren. Selbst als ich abends im Zelt lag, habe ich immer wieder gemerkt, wie ein Weka um mein Zelt geschlichen ist und nach Fressen gesucht hat.
Tag 2: Als ich gegen 7 Uhr aufgestanden bin, waren die drei Zelte der anderen Leute, die auf der Schoolhouse Bay Campsite mit mir übernachtet hatten bereits abgebaut und die Leute über alle Berge. Zwischen mir und meinem Tagesziel Camp Bay lagen 22km und weitere 500 Höhenmeter. Da es am letzten Tag ebenfalls 20km und rund 2.000 Höhenmeter zu überwinden galt bis mich das Wassertaxi 15.30 Uhr einsammelt, habe ich während des Zusammenpackens meiner Sachen die Zeit gestoppt, damit ich weiß, wie viel Zeit ich dafür am letzten Tag einplanen muss.
Eigentlich wollte ich Camp Bay bis spätestens 15 Uhr erreichen, um zu sehen, wann ich am letzten Tag spätestens aufbrechen muss. Die Wanderung war wieder echt beschwerlich, auch weil es unglaublich heiß war und unterwegs sind mir immer wieder Leute begegnet, die "nur" eine Tagesetappe gemacht und mich bestätigend gefragt haben: "It's sooo beautiful, isn't it?" Ich habe es immer bejaht, aber ehrlich gesagt, konnte ich es nicht sehen...
Letztendlich hatte ich mit mehr Pausen als geplant erst anderthalb Stunden später das Tagesziel erreicht. Nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, habe ich mich umgezogen und bin in den Pool gehüpft, den ein kleiner Fluss in der Nähe des Campingplatzes aus dem Flussbett gehöhlt hatte. Das Wasser war echt kalt, aber unglaublich angenehm!
Tag 3: Um der Mittagshitze zu entfliehen, bin ich bereits um 6 Uhr aufgestanden und war 7 Uhr abmarschbereit, nachdem ich mich noch eine Weile mit zwei Pärchen unterhalten hatte, die ähnliche Etappen wie ich vor sich hatten. Vor mir lagen 26km und ca. 1.700 Höhenmeter bis zur Cowshed Bay. Ich hatte zwar wieder 15.30 Uhr als Ankunftszeit im Hinterkopf, dieses Mal aber eher als grobe Richtung.
Am Eatwells Lookout, für den ich extra einen kleinen Umweg gemacht hatte, habe ich zum ersten Mal gesehen, wie schön der Queen Charlotte Sound tatsächlich ist: viele schöne Buchten, klares Wasser, grüne Wälder... Heute konnte ich die Wanderung um einiges mehr genießen, vor allem ab dem Zeitpunkt, als Ken, ein Rentner aus Picton, zu mir aufgeschlossen hatte. Wenn man sich unterwegs mit jemandem unterhalten kann, der das gleiche wie man selbst durchmacht, ist der Rucksack nur noch halb so schwer, Schultern und Hüften tun nicht mehr so weh und die Blase am Fuß spürt man kaum noch.
Apropos Blase am Fuß: obwohl ich meine Schuhe schon seit einem halben Jahr fast täglich trage und sie damit als "eingelaufen" definieren würde, habe ich eine riesige Blase an der Fußsohle bekommen. Netterweise hat Ken mir die Blase aufgestochen und ich habe sie gleich zunächst im Salzwasser und dann noch mit Desinfektionsmittel desinfiziert. Trotzdem konnte ich nur humpeln, als ich abends mit Ken und Lissy zum kleinen Ort nebenan gelaufen bin, wo wir etwas essen und trinken wollten. Wenigstens kann es bis zum nächsten Morgen nicht mehr schlimmer werden.
Tag 4: Wohlgemutes konnte ich mit Ken die letzte Etappe antreten, die Blase hatte nämlich kaum noch weh getan. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat Ken mir auch noch ein bisschen Hikers' Wool (sowas ähnliches wie Watte) gegeben, die ich als Polster auf die Blase gelegt und mit der Socke fixiert habe. So waren die letzten 20km und 2.000 Höhenmeter bis Anakiwa fast kein Problem mehr und Ken und ich konnten 2,5km vor dem Ziel in Davies Bay sogar noch eine Badepause einlegen, bevor wir in Anakiwa das beste Eis der Welt gegessen haben. Es muss das beste gewesen sein, immerhin sind wir dafür extra 70km weit gelaufen!
Während wir auf das Wassertaxi gewartet haben, hat Ken mich zu sich eingeladen. Ich könne dann mal wieder duschen, Wäsche waschen und nach über einem Monat in einem richtigen Bett schlafen. Das war ein unschlagbares Angebot!
Bevor ich mich am nächsten Tag wieder auf den Weg gemacht habe, hat Ken mir einen kleineren Schlafsack und eine kleinere Isomatte ausgeliehen. Er hätte mir sogar sein Ein-Personen-Zelt gegeben, das habe ich aber nicht angenommen, weil er davon - anders als bei Schlafsack und Isomatte - nur eines hat und vielleicht spontan selbst eine Wanderung machen möchte, bevor ich ihm die Ausrüstung zurückgeben kann. Außerdem hat er mich auch noch in sein Ferienhaus in Westport an der Westküste eingeladen. Ich müsse ihm nur Bescheid sagen, wann ich da sein möchte, er sei immer für einen Roadtrip zu haben :)
