Cusco gefällt mir - sehr sogar. Die Gässchen, das Essen, die Leute, die Stimmung... alles. Nach 4 Monaten 30°+ war es am Anfang wirklich kalt für mich, obwohl die Temperaturen während dem Tag immer um 20-23° waren. In der Nacht war es dann deutlich kälter, aber es gab auch entsprechend viele Wolldecken im Schlafzimmer ;-).
Cusco liegt ja auf 3'400 Meter über Meer und das merkt man in den ersten Tagen wirklich: Schon nur ein bisschen Treppen steigen führte dazu, dass wir ganz ausser Atem waren. Uns wurde empfohlen, die ersten Tage gemächlich anzugehen, viel zu schlafen und noch mehr zu trinken. Nach ein paar Tagen Akklimatisation ging es dann immer besser. Mir zumindest: Meiner Kollegin ging es leider überhaupt nicht gut und so durften wir auch noch einen kurzen Aufenthalt im Spital buchen. Aber es verlief zum Glück alles ohne Komplikationen und nach einer Nacht durfte sie wieder nach Hause kommen. Den Lares-Trek machte ich dann aber alleine, da diese Route auf über 4'700 Meter über Meer ging.
Am Montagmorgen früh begann dann also das Trekking. Und wer hätte das gedacht: ich war alleine, also fast alleine. Unsere Gruppe bestand aus meinem Führer (Josef), dem Chefkoch (Jesus), dem Maultierflüsterer (Paulinho) und mir. Wow, was für ein Glück. Ich hatte also tatsächlich ein privates Trekking. Zuerst fuhren wir mit dem Auto zum Dörfchen Lares (3'400 m.ü.M), wo dann die eigentliche Wanderung begann: Via Wilkukasa Pass (4'400 m.ü.M.) bis zum Dörfchen Quiswarani (3'850 m.ü.M.). Dort schlugen wir unser Nachtlager auf und ich bin quasi erfroren, obwohl ich 1'000 Schichten Kleider an hatte. Ich bin wohl ein bisschen zu einem Selva-Mensch geworden und ertrug die Kälte überhaupt nicht mehr. Zum Glück gab es heissen Tee und super feines Essen. Paulinho, unser Maultierflüsterer, schien die Kälte überhaupt nicht zu spüren. Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich gesehen habe, dass er Barfuss in Sandalen unterwegs war und lediglich 3/4 Hosen anhatte...Zum Glück hatte ich einen guten Schlafsack und verbrachte so doch eine erholsame Nacht im Zelt.
Am Morgen um 5.00 Uhr wurde ich dann mit einem heissen Coca-Tee geweckt. Nach einem feinen Frühstück marschierten wir los: Via Qoyalay See (4'140 m.ü.M.) bis zum höchsten Punkt (Pachacutec Pass 4'700 m.ü.M.) und von dort wieder runter bis zum Dörfchen Cancha Cancha (3'950 m.ü.M.), wo es dann Mittagessen gab. Da wir schneller unterwegs waren als eigentlich geplant (juhui, trotz Höhe ging es mir, meiner Lunge und meinen Beinen ziemlich gut :-)), schlug Josef vor, gleich noch eine Etappe weiterzu wandern, damit wir in einer tieferen Lage übernachten können. So liefen wir weiter bis zum Dorf Huaran, welches "nur" noch auf 2'920 m.ü.M. lag. Hier war es merklich wärmer und ich musste nicht mehr frieren. Nach einem feinen Abendessen bin ich früh schlafen gegangen, da ich nach diesem Wandertag doch ziemlich k.o. war. Schlussendlich habe wir viele Höhenmeter überwunden und so manchen Kilometer zurückgelegt.
Das war bereits die letzte Nacht im Zelt. Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach Maras, um dort die Salzterrassen anzuschauen. Nach zwei Tagen alleine in der Natur (wir hatten lediglich 2 Touristen angetroffen), erschlugen mich die Menschenmassen an diesem touristischen Ort fast. Eindrücklich sind die Terrassen aber natürlich schon.
Die folgende Nacht haben wir in Ollantaytambo verbracht und sind am morgen früh dann mit dem Zug bis zum Kilometerpunkt 105 gefahren. Von dort sind wir den letzten Teil des Inka-Trails gewandert. Die Natur in dieser Gegend war wieder ganz anders als noch auf dem Lares-Trail. Während der Wanderung auf dem Lares-Trek war die Landschaft sehr karg. Hier auf dem Inka-Trail befanden wir uns bereits wieder in der Selva und entsprechend waren wir von Bäumen und Pflanzen umgeben. Nach einigen Stunden Wandern und vielen Treppen (am Ende waren wir (Guide Josef und ich) beide sehr erschöpft. Die letzten Tage haben Spuren hinterlassen und jede zusätzliche Treppenstufe war ein bisschen eine Qual ;-)) wurden wir mit einem atemberaubenden Blick auf Machu Picchu belohnt. Wow - das war wirklich eindrücklich und da hat sich jede Treppenstufe und jeden gelaufenen Kilometer mehr als gelohnt!
2-3 Anekdoten:
- Mein Guide hatte am letzten Tag während der Führung durch Machu Picchu einen Krampf in der Wade ;-). Gutes Zeichen für mich, weil ich merkte meine Waden auch bei jeder Stufe...
- In Machu Picchu hat es Lamas und Alpakas als "Dekoration" und "Rasenmäher". Ich konnte zusehen, wie ein tollpatschiges Alpaka von einer Mauer "gefallen" ist, während es sich am Kratzen war (die Mauer war nicht hoch und es hat dem Alpaka auch nichts gemacht - sah aber trotzdem herrlich aus ;-))
- In Aguas Calientes hat es sehr aggressive Mücken. Wir haben so manchen komplett zerstochenen Tourist gesehen... Falls jemand dorthin geht: Unbedingt lange Kleidung tragen oder einen sehr effektiven Mückenspray verwenden.