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Vollmond und Raureif am Monte Scaletta

Veröffentlicht: 10.09.2025

Radtour
Bersezio → … → Lago di Roburent
Italy
Tour
Monte Scaletta
Wanderung
Attraktion
Monte Scaletta
Italy
Unterkunft
Lago di Roburent
1 Nacht · Zelt
Sehenswert
Lago di Roburent
Italy

Das angekündigte Gewitter kam zwar erst sehr spät aber dafür umso heftiger. Mir blies es beinah das Zelt weg. Und der Donnerschlag folgte unmittelbar auf die Blitze. Ich war also im Zentrum des Geschehens. Ich gewann lediglich dadurch etwas Zuversicht, dass mein Zelt immerhin der niedrigste Punkt der mich umgebenden Wohnwagenkolonie war. Nach einer halben Stunde hatte ich den Spuk Gottseidank überstanden. Freistehend auf einem Pass möchte ich so ein Spektakel jedenfalls nicht mitmachen.

Am nächsten Morgen wollte ich dann noch kurz Vorräte auffrischen und gleich weiter. Bersezio bot einfach nicht den Charme für einen längeren Aufenthalt. Pünktlich um halb neun öffnete der Supermarkt. Aber es gab noch keine Backwaren. Sind heute verspätet meinte die Verkäuferin achselzuckend. Mit heftig knurrendem Magen und zunehmend schlechter Laune wartete ich also, bis ich kurz nach neun endlich erlöst wurde. Und dann konnte es endlich losgehen.

Die nächste Etappe führte mich zuerst auf einer geschäftigen Passstraße unter penetrantem Motorradlärm auf den Col de Larche, der Grenze zu Frankreich. Nach dem gestrigen Sturm wehte noch ein eisig kalter Wind durch dieses Zugloch zwischen den Bergen. Ich zweifelte ernsthaft daran, ob es wirklich eine gute Idee ist, heute wieder auf über 2400 Metern zu übernachten. Naja, im Fall der Fälle müsste ich halt gleich ins Valle Maira abfahren. Also erstmal die Windjacke an, und einfach weiter bewegen um warm zu bleiben.

Gerade mal 300 Höhenmeter über dem Pass taucht man dann in eine andere Welt ein. Tiefblau funkelnde Gebirgsseen reihten sich aneinander, abgeschottet durch die umgebenden schroffen Bergriesen und überwacht vom alles überragenden 3000er Monte Oronaye. Eine Kulisse, beinahe zu perfekt um wahr zu sein. Am Lago di Roburent versteckte ich meine Taschen hinter einem Felsen. Ein wunderbarer Platz für ein Nachtlager. Aber es war ja erst noch Mittag, und der Monte Scaletta wollte noch bestiegen werden.

Ich hatte dazu eine Tourenbeschreibung gefunden, da wird die Überschreitung dieses Gipfels mit Bike als „verrückte Tour“ aber durchaus machbar dargestellt. Der einzige Kommentar unter diesem Bericht war, dass das lebensgefährlich sei und davon dringend abgeraten wird. Mein Interesse war also geweckt. Allerdings würde ich das nicht als Überschreitung versuchen sondern die Abfahrtsroute hoch um im Zweifel rechtzeitig abbrechen zu können.

Ohne Taschen konnte ich das Bike mit meinem Tragesystem gut buckeln, und los ging’s also. Laut Beschreibung gab es oben ausgesetzte Passagen an denen man besser immer mal wieder schiebt, und unten raus soll es aber S2-S3 sein. Mein Eindruck war ein anderer. Zwar gab es im unteren Bereich fahrbare Passagen. Diese wurden aber ständig von kleineren Murenabgängen unterbrochen über die man das Bike mühsam drüber hieven musste. Da war schon beim Hochgehen klar, dass bei der Abfahrt ganz bestimmt keine Flowgefühle aufkommen können. Es wurde auch nicht besser. Im Gegenteil, bei Höhe 2500 m steilte sich der Weg weiter auf und würde die Muren nach einer Kehre abermals kreuzen. Ich gab auf, mit dem Radel machte das so einfach keinen Sinn mehr. Zu Fuß wollte ich aber schon noch auf den Gipfel. Das war dann auch eine schöne Kraxelei in der Schwierigkeit T3, bei der auch schonmal die Hände zum Einsatz kamen, und die auch etwas luftig war. Mit den schroff-abweisenden Felsen und turmgleichen Spitzen wirkte das wie in den Dolomiten. Und da das im Grenzgebiet zu Frankreich war, überraschte es mich natürlich nicht mehr, oben auf dem Gipfel abermals einen kleinen Bunker vorzufinden. Wie auch immer man den anno dazumal und ohne Hubschrauber hat erbauen können. Und wie man das als Mountainbike-Tour veröffentlichen kann ist mir ebenso schleierhaft. Sicher, wenn man in seiner Freizeit auch aktiv an der Red Bull Rampage teilnimmt, hat man bestimmt an der ein oder anderen Stelle seinen Spaß. Für alle anderen wäre es wohl eine ziemlich sinnbefreite Mutprobe sein Bike da hoch und wieder runter zu schleppen. Zurück bei eben jenem nahm ich dann für die kurze Abfahrt statt dem Weg die Direttissma über die Geröllwiese. Ging irgendwie ganz gut.

Der Zeltplatz war dann traumhaft. Links neben mir der mächtige Monte Scaletta, dank dem Gipfelbunker mit einer kleinen Warze versehen. Vor mir kräuselte sich der Lago di Roburent, ein natürlicher Infinity Pool hoch über dem Valle Stura. Vor lauter Aufregung bei der nachmittäglichen Gipfelbesteigung hatte ich inzwischen ganz vergessen, dass es doch eigentlich kalt sein sollte. Aber die Sonne leistete in der zweiten Tageshälfte ganze Arbeit. Kurz bevor sie schon wieder verschwinden wollte, genoss ich die letzten wärmenden Strahlen. Dann wurde es frostig. Diese Nacht musste ich wirklich das ganze Arsenal an Klamotten aufbieten, das ich dabei hatte. Selbst die lange Unterhose kam zum Einsatz. Naja, bei meinem Sommerschlafsack lag die Komforttemperatur halt nur bei +5 Grad. Und diese Nacht fielen die Temperaturen erstmals so tief, dass sich Raureif an meinem Außenzelt bildete. Brrr. Aber der hell leuchtende Vollmond, der mir recht gleichgültig beim bibbern zuschaute und sich dabei im See spiegelte, war dafür äußerst spektakulär.

Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Sommer
AbenteuerlichAbseits der PfadeEntspannend
  • Col de Larche
  • Lago di Roburent
  • Monte Scaletta
  • Raureif am Zelt
  • Vollmond über dem See
ZeltBikeWindjackeSommerschlafsacklange Unterhose
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