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Zuletzt in Marseille

Mit dem Mangel erfolgreich haushalten

Veröffentlicht: 04.09.2025

Unterkunft
B&B in Pontebernado
2 Nächte · B&B · Pontebernado
Essen
Trattoria im Nachbardorf Pietrapozio
Italian · $ · Abendessen
Essen
Alimentari in Pietraporzio
$ · Snack
Spaziergang
Pietraporzio → … → Colle di Panieris
2h
Attraktion
Parc National de Mercantour
France
Essen
Pizzeria mit kleinem Campingplatz in Pietraporzio
Italian · $$ · Abendessen
Unterkunft
Hotel im Ort
Hotel · Pietraporzio

Für den nächsten Tag war Dauerregen angekündigt. So ergab sich also schon am dritten Tag eine ungewollte Zwangspause. Ich suchte mir also eine nette Unterkunft für zwei Nächte im Minidorf Pontebernado. In dem hübsch eingerichteten B&B ließ sich das schlechte Wetter bestimmt gut aussitzen. Kaum hatte ich das Radel in der Garage abgestellt rief jemand meinen Namen. In der gleichen Unterkunft hatten sich doch glatt Bekannte eines Bekannten einquartiert mit denen ich auch schonmal eine Tour gemacht hatte. Für gute Gesellschaft war also auch gesorgt.

Der Tag tropfte dann ganz langsam ab. Es regnete tatsächlich von morgens bis abends durch. Immerhin war ein kleiner Abstecher beim Alimentari und der örtlichen Trattoria im Nachbardorf Pietrapozio drin, um sich mit den kulinarischen Köstlichkeiten des Piemonts etwas intensiver zu befassen. Unter vier Gängen geht da eigentlich gar nichts. Dem Ausgleich meines sich schon aufbauenden Kaloriendefizits stand also nichts im Wege. Eine Katastrophe war allerdings das Frühstück. Hier ringen bei typisch italienisch alle Alarmglocken im Panikmodus. Trockenes Süßgebäck mit Zwieback und Marmelade. Davon bekomme ich höchstens einen akuten Zuckerschock, aber als Kalorienpolster für eine Tour taugt das mal gar nicht.

Tags darauf kam wieder die Sonne raus. Zeit die Trails der Umgebung bei einer Tagestour zu erkunden. Nur das Frühstücksproblem musste gelöst werden. Mir blieb also nichts anderes übrig als den Alimentari gleich nach Öffnung zu plündern. Dann konnte es aber losgehen. Nach zwei Stunden bergauf erreichte ich ein schön gelegenes Rifugio im oberen Talabschluß. Eine Einkehr wäre naheliegend, scheiterte aber an meiner Unbedarftheit. Ich hatte nämlich beim Start in Cuneo gar nicht mehr auf dem Schirm mir etwas Bargeld zu holen. Dachte, da wird‘s auch in den Dörfern Geldautomaten geben. Ist aber nicht so. Der nächste Automat ist 30 Kilometer entfernt, aber in der falschen Richtung. Und die nächste Gelegenheit wird es wohl erst wieder in Barcelonette in Frankreich geben. Da werde ich erst in zwei Wochen sein. Bis dahin muss mein letzter 50 Euroschein reichen. Glücklicherweise wird beinah überall Karte akzeptiert, auch bei Kleinbeträgen. Hoffe, das bleibt so. Na, und in diesem Rifugio ist es eben nicht so. Nur bar. Also keine Einkehr.

Nach dem Rifugio erreichte ich einen alten Militärweg, der bis auf einen Vorgipfel auf 2750 Metern am Colle di Panieris führte. Es ist kaum fassbar wie viele Militärbauten von den Italienern an den unmöglichsten Stellen an den Fels geklebt und über luftig-kühn angelegte Wege zugänglich gemacht wurden. Da stelle ich mir dann so einen armen Tropf vor, der da einst bei Wind und Wetter in seinem Ausguck wacker ausharren musste nur um die Franzosen abzuschrecken. Und damals gab‘s noch nicht mal Mountainbikes um wenigstens etwas Abfahrtsspaß in den Arbeitsweg mit einzubauen. Diese Lost Places im gottverlassenen Hochgebirge hatten jedenfalls ihren ganz eigenen, morbiden Charme. Auch wenn es in der Gegend im Gegensatz zu den Dolomiten glücklicherweise wohl nie zu kämpferischen Auseinandersetzungen kam.

Nachdem ich die Gerippe von Kasernen und Bunkern sowie Unmengen an verrostetem Stacheldraht passiert hatte stand ich am Gipfelgrat an der Grenze zu Frankreich, genauer gesagt dem Parc National de Mercantour. Einer wunderbaren hochalpinen Seenlandschaft. Ärgerlicherweise herrscht in diesem Nationalpark ein absolutes Bikeverbot mit Strafen bis zu saftigen 1500 €. Und für den Trail-Einstieg musste man den zumindest kurz durchqueren. Also schnell durchflitzen und sich wieder auf die italienische Seite retten. Sehr schade, denn die Trails auf die andere Seite runter sahen auch nach viel Flow aus. Es erschließt sich mir einfach nicht warum mir da der Zugang verwehrt wird. Zurück ins Valle Stura war es dann eher recht knackig-holprig, trotzdem eine sehr spaßige Herausforderung.

Wieder unten angekommen freute ich mich auf eine gemütliche Einkehr in Pietraporzio. Aber die Trattoria hatte heute Ruhetag. Der Alimentari war auch geschlossen. Kein Problem, denn es gab ja noch die Pizzeria mit kleinem Campingplatz wo ich auch übernachten wollte. Zelt aufschlagen war dort zwar möglich, aber der Besitzer meinte mit einem Schulterzucken er macht heute um 18 Uhr dicht, und der Pizzaofen bleibt aus. Es zeigte sich mir nun allzu deutlich die eher rudimentäre Infrastruktur in diesem Teil des Piemonts. Unterkünfte, Verpflegung und generell wohl auch Touristen sind ein rares Gut. Immerhin ist das Gebiet mit zwei Einwohnern pro Quadratkilometer auch eines der am Dünnsten besiedelten Europas. Klar, hätte ich ein Auto wie jeder hier könnte ich kurz runter nach Sambuco oder noch weiter fahren bis zum nächsten geöffneten Restaurant. Aber mit Radel gestaltet sich das einigermaßen schwierig. Meine letzte Hoffnung war also das einzige Hotel im Ort. Abendessen nur exklusiv für die eigenen Hotelgäste hieß es da zuerst, wie schon von mir erwartet. Also blieb mir nix anderes übrig als den treuesten aller Hundeblicke aufzusetzen und eindringlich auf mein nicht-motorisiertes Gefährt sowie meine Notsituation kurz vor dem mutmaßlichen Hungertod zu verweisen. Das half, mir wurde dann doch Zutritt zu einem äußerst üppigen und wohlschmeckenden Vier-Gänge gewährt. Mission accomplished, und Karte wurde auch akzeptiert.

Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Herbst
Begleitung
Mit Freunden
AbenteuerlichAbseits der Pfade
  • Dauerregen und Zwangspause in Pontebernado
  • Tagestour zu Militärwegen und Colle di Panieris
  • Grenzgrat am Parc National de Mercantour
  • Bargeldmangel im Rifugio
  • Vier-Gänge-Abendessen im Hotel
RadelZelt
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