Kanazawa - Die Stadt der Ninjas
Heute stand vorerst der letzte Tagesausflug an – und gleichzeitig die bisher längste Anreise für einen Tagestrip. Rund drei Stunden Zugfahrt lagen vor uns, denn wir wollten nach...

Veröffentlicht: 25.12.2025


















Vermutlich weiß fast jeder, der sich ein wenig mit Japan beschäftigt hat – und wahrscheinlich auch viele andere – was mich heute erwartet hat, als ich nach Nara gefahren bin.
Heute war ich ausnahmsweise alleine unterwegs. Der Kaffeenerd hatte ein paar Dinge zu erledigen, und ich habe die Zeit genutzt, um spontan doch noch einen Tagesausflug zu machen. Ziel: Nara.
Ganz ohne kleine Umwege ging es allerdings nicht. Die bereits bekannte Verwirrung mit U-Bahn und Bahnlinien hat mich auch heute wieder eingeholt. Zuerst bin ich an einer Station gelandet, an der mein JR Pass nicht gültig war, sodass ich die Fahrt extra hätte bezahlen müssen. Also doch zur anderen Haltestelle, weiter zum Osaka-Bahnhof und von dort mit der JR Ring Line Richtung Nara.
Erst im Zug fiel mir auf, dass dieser exakt die Strecke fährt, aus der ich ursprünglich gekommen bin – nur eben weiter bis Nara. Ich hätte mir also den Umweg über den Osaka-Bahnhof sparen können und direkt nahe dem Hotel einsteigen können. Aber gut, so ist das eben manchmal. Ich kam trotzdem an, nur etwas später.
In Nara angekommen ging es als Erstes in den Nara-Park, denn dort sollten sich ja die berühmten Rehe aufhalten. Zu meiner Überraschung waren sie allerdings nicht nur im Park, sondern eigentlich überall.
Die Rehe sind unglaublich zutraulich. Sie schnuppern an einem, wirken ruhig und freundlich und verbeugen sich sogar – allerdings nicht aus Höflichkeit, sondern in der Hoffnung auf Shika Senbei, spezielle Reiskekse, die das einzige sind, womit man sie füttern darf. Solange man keine Kekse in der Hand hält, sind sie völlig entspannt und lassen sich sogar streicheln.
Sobald sie allerdings merken, dass man Kekse hat, ändert sich das schlagartig: Dann werden sie ziemlich frech, zupfen an Jacken oder Hosen, rempeln einen an und verfolgen einen ein Stück. Aber auch das nur so lange, bis die Kekse weg sind. Danach sind sie wieder komplett handzahm – ein sehr klar geregeltes System. Die Rehe gelten in Nara übrigens als heilige Tiere und als Boten der Götter.
Anschließend bin ich zurück zu einem Museum gegangen, das ich auf dem Weg gesehen hatte: dem National Treasure Museum des Kōfuku-ji-Tempels. Fotografieren war dort leider nicht erlaubt, aber der Besuch war extrem beeindruckend.
Zu sehen waren zahlreiche buddhistische Skulpturen, darunter etwa 1,5 Meter hohe Holzstatuen der Zehn großen Schüler Buddhas sowie der Acht himmlischen Wächter (Eight Legions). Besonders beeindruckend war, wie detailliert diese Figuren gearbeitet sind – vor allem wenn man bedenkt, dass einige von ihnen mehrere Brände überstanden haben. Mitten im Museum stand außerdem eine rund fünf Meter hohe Buddha-Statue, neben der man sich sofort sehr klein fühlt.
Nach dem Museum habe ich mir noch die Zentrale Goldene Halle (Chū-kondō) und die Östliche Goldene Halle (Tō-kondō) des Kōfuku-ji angesehen. In beiden Hallen befinden sich reich verzierte, teilweise vollständig vergoldete buddhistische Figuren. Der Name „Goldene Halle“ soll daher stammen, dass die Statuen im Kerzenlicht regelrecht golden geleuchtet haben.
Währenddessen begann es leicht zu regnen – ausnahmsweise also kein strahlender Sonnenschein. Aber darauf war ich vorbereitet, also ließ ich mich nicht davon abhalten, noch einen weiteren Tempel zu besuchen. Wieder vorbei an den überall entspannt herumliegenden Rehen ging es zum nächsten Ziel: Tōdai-ji.
Der Weg dorthin führte durch ein Tor, das so gigantisch war, dass ich schon ahnte, dass der Tempel selbst beeindruckende Dimensionen haben würde. Im Tor standen links und rechts große Holzstatuen, die buddhistische Figuren darstellten.
Vor und im Tōdai-ji habe ich dann große Augen gemacht. Ich hatte zwar einiges erwartet, doch der Tempel und seine Innenausstattung lassen sich eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: imposant. Im Inneren befindet sich der Große Buddha von Nara (Daibutsu), eine etwa 15 Meter hohe bronzene Statue des Buddha Vairocana. Und ja: der „dünne“ Buddha, nicht der dicke. Es ist eine der größten Buddha-Statuen Japans – und die Dimensionen sind selbst auf Fotos kaum zu erfassen.
Danach ging es langsam wieder zurück. Nara hat zwar noch deutlich mehr Tempel zu bieten, aber drei große Anlagen an einem Tag sind dann auch völlig ausreichend.
Zurück im Hotel wurde erst einmal entspannt, bis der Kaffeenerd ebenfalls zurück war (und dabei bin ich fast eingeschlafen). Am Abend gab es dann noch ein gemeinsames Essen – quasi Weihnachtsramen – bevor wir den Tag gemütlich im Hotelzimmer ausklingen ließen. Weihnachten selbst wird hier ja nicht wirklich gefeiert, aber Ramen gehen immer.
Ach und ganz zum Schluss: woran merkt man dass ich heute ohne den Kaffeenerd unterwegs war?
Richtig, ich habe in Nara kein Café aufgesucht um specialty Coffees zu trinken, da ich ohne den Kaffeenerd eh nicht wusste was gut ist.
