Ein Besuch in der Stadt von Momotarō
Nach dem heutigen Tag hatte ich zunächst das Gefühl, dass es nicht viel zu schreiben gibt. Der Plan war eigentlich, einfach ein paar Bilder mit kurzen Kommentaren zu posten und es...

Veröffentlicht: 24.12.2025


















Heute stand vorerst der letzte Tagesausflug an – und gleichzeitig die bisher längste Anreise für einen Tagestrip. Rund drei Stunden Zugfahrt lagen vor uns, denn wir wollten nach Kanazawa, das ein gutes Stück nördlich von Osaka liegt.
Der Plan für den Tag war klar: erst ein Ninja-Tempel und anschließend ein Museum für Ninja-Waffen. Noch bevor wir überhaupt los fuhren, kam allerdings die erste kleine Ernüchterung: Für den Tempel ist eine telefonische Reservierung nötig. Und wir hatten natürlich nicht reserviert. Unsere SIM-Karte erlaubt nur Internet und telefonieren wäre mit einer ausländischen Nummer vermutlich "etwas" teuer geworden.
Also beschlossen wir, unser Glück einfach vor Ort zu versuchen – und siehe da: Es hat funktioniert. Wir bekamen spontan einen Slot etwa 20 Minuten später.
Der Haken daran: Die Führung fand ausschließlich auf Japanisch statt, und fotografieren war strikt verboten. Trotzdem haben wir uns dafür entschieden, hineinzugehen. Drinnen bekamen wir immerhin einen Ordner mit englischen Erklärungen, sodass wir trotzdem nachvollziehen konnten, was gezeigt und erklärt wurde.
Und es war wirklich spannend. Der Tempel ist voller Geheimgänge, Falltüren und versteckter Räume – unter dem Boden, hinter doppelten Schiebetüren oder sogar seitlich in einem Kleiderschrank verborgen. Erst am Ende erfuhren wir übrigens, dass es sich offiziell gar nicht um einen Ninja-Tempel handelt. Dieser Name wurde ihm erst später – vermutlich durch Medien oder Touristen – gegeben, weil das Gebäude so voller raffinierter Sicherheits- und Täuschungsmechanismen ist.
Nach diesem Tempelbesuch ging es direkt weiter zum nächsten Ziel: einem Museum für Ninja-Waffen. Dort gab es reichlich zu sehen – und um den fehlenden Fotobeweis aus dem Tempel auszugleichen, habe ich hier natürlich umso mehr Bilder gemacht.
Nach ein paar Minuten eigenständigem Umsehen nahm sich eine Mitarbeiterin Zeit und erklärte uns viele der Ausstellungsstücke genauer, was uns zusätzliches Hintergrundwissen zu Waffen, Techniken und Einsatzmöglichkeiten verschaffte. So erzählte sie auch von einer Apparatur, mit der man wohl über Wasser laufen können sollte. Diese Apparatur wurde so aber nie gefunden, sondern nur Aufzeichnungen davon. Und so wurde sie kurzerhand einfach nachgebaut.
Da das Museum selbst nicht sehr groß ist, waren wir nicht allzu lange dort. Aber beim Eintritt hatten wir noch eine kleine zusätzliche Aktivität gebucht: das Werfen von Ninja-Nadeln (kleine angespitze Metallstäbche). Also ab zur Zielscheibe und unser Bestes gegeben. Es war ziemlich witzig – aber unser Fazit fällt eindeutig aus: Als Ninjas hätten wir wohl nicht lange überlebt.
Inzwischen war es früher Nachmittag, und eine Konstante dieses Urlaubs machte sich wieder bemerkbar: Kaffee. Also nichts wie ab zum nächsten Café.
Anschließend spazierten wir noch zu einem Schrein. Ich habe ihn wieder ordnungsgemäß geehrt – diesmal inklusive Händewaschen davor – und danach sind wir noch durch den kleinen, angeschlossenen Garten gelaufen.
Als es langsam dunkel wurde, machten wir uns auf den Weg zur letzten Station in Kanazawa: ein weiteres historisches Viertel. Wir schlenderten ein wenig durch die Gassen, mussten aber feststellen, dass vieles bereits geschlossen hatte und einige Bereiche recht dunkel waren.
Da uns noch fast drei Stunden Zugfahrt zurück nach Osaka bevorstanden, traten wir schließlich den Rückweg zum Bahnhof an – allerdings nicht, ohne vorher noch etwas essen zu gehen. Und wie so oft bewies der Kaffeenerd wieder ein gutes Gespür für die richtigen Orte: Wir landeten in einem winzigen Restaurant mit vielleicht acht bis zehn Sitzplätzen.
Dort gab es etwas, das wir im Urlaub bisher tatsächlich noch nicht gegessen hatten: Sushi. Das Essen war hervorragend, die Besitzer unglaublich freundlich und auch die drei anderen Gäste waren sehr offen, höflich und gut gelaunt. Besonders gefreut haben sie sich, als wir „lecker“ auf Japanisch gesagt haben.
Nach diesem kulinarischen Highlight wurde es dann Zeit, zum Zug zu gehen. Etwa dreieinhalb Stunden später kamen wir – nach einem weiteren gelungenen Tag – wieder im Hotel an.
Kleines Extra zum Abschluss: Am Bahnhof in Kanazawa gibt es eine Uhr. Klingt erstmal unspektakulär – wäre da nicht die Tatsache, dass sie die Zeit mit Wasser anzeigt.
