Arizona and Utah 2024
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8. Tag: Colorado National Monument

Veröffentlicht: 26.05.2024

Ich werde nie verstehen, warum Menschen in einem Motelzimmer auf und ab gehen. Und normalerweise ist das ja auch kein Problem, aber wenn das über dir passiert, dann nervt es. Glücklicherweise sind meine Ohrstöpsel sehr dicht und so schlafe ich einigermaßen gut.

Am nächsten Morgen ist alles nass, es hat die Nacht geregnet und auch jetzt tröpfelt es noch ein wenig. Frühstück lasse ich wieder ausfallen, aus der Lobby hole ich mir einen Apfel, eine Banane und eine Tasse Kaffee. Der Apfel ist gut, die Banane auch, der Kaffee ist Scheiße. So ist das hier.

Ich fahre um kurz nach neun los und die erste Stunde regnet es manchmal mehr und manchmal weniger. Nach 45 Minuten überquere ich die Grenze zu Colorado und als der Regen nachlässt, wird die Strecke auch wirklich interessant. Es geht durch Waldgebiete und Höhenlagen, und ein Wahnsinnsausblick zeigt mir, wie ich bald in Serpentinen den Berg wieder runter fahre. 

Zwischendurch stockt es ein wenig, circa 50 Rindviecher werden auf der Straße in eine neue Koppel getrieben. Keiner hupt, alle sind gelassen, Viva Amerika. Hab ich schon schon mal erwähnt, wie entspannt ich das Autofahren hier finde? 

Im Tal werden aus den Wäldern ebene Flächen, die mit reichlich Wasser zum Ackerbau genutzt werden. Es ist auch deutlich wärmer geworden und von Regen ist keine Spur mehr. Im Hintergrund sieht man, dass sich wieder große rote Felswände auftun. Nach 45 Minuten erreiche ich das Colorado National Monument. Eigentlich muss ich ja Eintritt bezahlen, aber die Kasse ist nicht besetzt. Und da ich mir den Pass geleistet habe, könnte einem das vielleicht ärgern, aber angesichts des Aufwandes der hier betrieben wird, sind die Eintritte vollkommen okay.

Über zahlreiche Serpentinen geht es dann auf das Felsmassiv hoch, und rechts tut sich bald ein richtiger Abgrund auf. Gefährlich finde ich es nicht, aber man sollte schon auf der Straße bleiben. Den Leitplanken sind hier Mangelware.

Auf dem so genannten Rim gibt es zahlreiche Viewpoints, die allesamt völlig atemberaubend sind. Und so verbringe ich wieder 3 Stunden damit, mich an dieser Natur zu ergötzen. Es ist schon fast zu viel, was ich in den letzten Tagen erlebt habe. Aber natürlich beschwere ich mich nicht, denn es ist einfach großartig das hier sehen zu können.

Als ich das Hochplateau wieder runter fahre, komme ich am Kassenhäuschen vorbei und dieses ist besetzt. Ich will eine Karte von diesem Nationalpark und deshalb zeige ich meinen Pass vor. Immerhin hat es sich jetzt doch gelohnt. Mein Pass wird gescannt, und die Dame freut sich, dass ich aus Deutschland den Weg hierher gefunden habe.

Ich habe noch 1 Stunde bis zu meinem Quartier und kann so ein wenig die Eindrücke verarbeiten. Und vor dem einschicken tanke ich auch noch, mit 3,22 $ pro Gallone ist das das billigste Benzin bisher. 

Der Besitzer meines Motels kam vor mehr als 30 Jahren aus Polen und heißt Janusz. er erzählt mir, wie er nach dem Fall der Mauer nach Amerika ausgewandert ist. Als Europäer ist er viel redseliger als die meisten Asiaten, denen hier ganz oft Motels gehören. Mir gefällt das. Aber wer nicht reden will, redet eben nicht. 

Zum Abendessen fahre ich zu Arbys und hole mir mein Lieblingssandwich - ein Reuben. Warum verdammt noch mal gibt es das nicht in Deutschland? 

Da mein Zimmer nach hinten raus ist, hört man die Straße überhaupt nicht. Und das ist eine gute Voraussetzung für eine erholsame Nacht. Ich träume bestimmt von rotem Sandstein und Brot mit Sauerkraut. Heute war Halbzeit. Eine unglaubliche erste Hälfte.


 


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