6. Tag: Winter is back
Es ist ziemlich kalt in meinem Zimmer, und ich bleibe noch ein wenig im Bett liegen. Um 6:00 Uhr morgens muss man ja auch noch nicht raus. Als ich mich endlich aufraffe zu...


Veröffentlicht: 25.05.2024
Um 4 Uhr morgens klingelt mein Wecker. Und wie eintrainiert, schnappe ich mir mein Handy und mustere die Wettervorhersage für den Grand Teton Nationalpark. Und tatsächlich ist klare Sicht angesagt.
25 Minuten später sitze ich bei Dunkelheit in meinem Auto und hoffe, dass kein Elch auf der Strecke schlafwandelt. Die eineinhalb Stunden Fahrzeit vergehen aber ohne jegliche tierische Zwischenfälle und natürlich ist der Verkehr ziemlich sparsam. Als ich am Schild ankomme, stehen schon ein paar Frühaufsteher mit mir da, und ich lasse mich auch gleich ablichten. Diesmal mit Bergen im Hintergrund.
Wo gestern noch keine Sicht war, erstrahlt heute das Massiv trotz einiger Wolken in voller Pracht. Der Sonnenaufgang lässt die Gipfel golden erscheinen, und ein Foto davon wird auf immer eines meiner Favoriten sein.
Und auch wenn noch Dunst vorhanden ist, so sind ganz viele Lockouts im Gegensatz zu gestern eine wahre Pracht. Der Park hat sich inzwischen auch ganz gut gefüllt, ich bin nicht der einzige, der so früh raus ging. Ein paar Stationen weiter ist dann die Einfahrt in den Park, die dann auch Geld kostet. Es ist ganz schön, dass man auch ohne zu zahlen einen tollen Blick auf die Berge vorher haben konnte.
Ich frage an der Kasse nach, ob ich noch America the Beautiful, einen Jahrespass für die Nationalparks in Anrechnung meines Eintritts in den Petrified Forest Nationalpark erstehen könnte. Es ist kein Problem, und so zieht sie 25 $ von den 80 $ ab und ich zahle 55 $. Ab drei Nationalparks lohnt sich das Ganze, insgesamt werde ich mir wohl vier anschauen.
An den verschiedenen Stationen, wo man einen guten Blick auf die Bergwelt hat, stehen jetzt immer mehrere Menschen und warten, ob manche Wolke sich verzieht. Und das tun sie gelegentlich auch, so dass sich das Motiv ständig ändert. Insgesamt 4 Stunden verbringe ich in dieser wunderbaren Natur, und kann meine Augen kaum von der Verbindung von Bergen und sehen und Wäldern lassen. Bilder können dieses nur ansatzweise darstellen.
Um 10:00 Uhr. Schließlich mache ich mich dann auf den langen Weg zu meiner nächsten Unterkunft, die nun 150 km weiter entfernt ist als geplant. Plus die 150 heute Morgen und den Loop im Park sind das mehr als 700 km die ich heute zurücklege. Das ist selbst für mich eine ganze Menge. Ich fahre also den Weg wieder zurück nach Pine Dale und von dort aus immer weiter Richtung Süden. Am Anfang ist die Landschaft noch genauso wie bei der Hinfahrt, bis sie dann deutlich hügeliger wird und auch weniger gerade.
Schon kurz vor dem Grenzübergang nach Utah ist das ein völlig anderes Wyoming als auf der Hinfahrt. Und stetig hat man im Hintergrund schneebedeckte Bergketten. Da ich sehr müde bin, mache ich kurz Station bei einem Walmart und lass mich von einem älteren Amerikaner über Beef Turkey aufklären. Irre witzig. Er kann den ganzen neuen Geschmäckern wie Teriyaki oder Limette überhaupt nichts abgewinnen. Plain muss es sein.
Eine Verkäuferin frage ich, wo sie ihr Sushi haben, und sie verzieht das Gesicht. Sushi vom Walmart - das wäre ja nicht mein Ernst, so wie das schmeckt. Sie empfiehlt mir einen Laden in der Stadt. Das nenne ich mal Identifikation mit dem Arbeitgeber.
Gut gelaunt und nicht mehr so müde mache ich mich auf die letzten 200 km. Und landschaftlich sind die besonders schön. Große Ebenen wechseln sich mit Wäldern und Hügeln ab. Die Vegetation ist hier sehr üppig, im Unterschied zu den roten Felsen, die oft Utah repräsentieren.
Kurz vor meinem Ziel auf einer Strecke mit kleineren Serpentinen nach unten folgt mir ein Polizeiwagen und schaltet die Sirene ein. Das erste Mal überhaupt. Ich bin mir eigentlich keiner Schuld bewusst, und der nette Sheriff erklärt mir, dass ich zu schnell gefahren bin. So ganz verstehe ich das nicht - mein GPS zeigt 55 an Uhr Bin mir eigentlich keine Schuld bewusst und der nette Sheriff erklärt mir, dass ich zu schnell gefahren bin. So ganz verstehe ich das nicht, so ganz verstehe ich das nicht. Mein GPS zeigt 55 auf der Karte an und schneller war ich nicht. Dummerweise sind es aber 40. An der Schild konnte ich mich nicht mehr erinnern, aber da später noch einige folgen, mein GPS aber beharrlich 55 Speed Limit anzeigt, ist das sehr dumm gelaufen. Er empfiehlt mir, mich nicht nach dem GPS zu richten, da das oft fehlerhaft wäre. Vielen Dank aber auch. Strafe muss ich nicht gleich bezahlen, das macht man nach fünf Tagen online anhand eines Codes. Ich fürchte ja, das wird teuer.
Ein wenig hat mir das diesen tollen Tag getrübt, denn ich fahre hier generell nie zu schnell, aber letztendlich kann ich es nicht mehr ändern. Mein Motel ist auch ziemlich abgewrackt und so beschließe ich, den Ort Vernal in Zukunft gänzlich zu meiden. Obwohl - nett war er der Polizist. Und immerhin kannte er meinen Geburtsort Stuttgart. Ticket gab es aber trotzdem. Und mein Leben wurde durch eine neue Erfahrung bereichert: von der US Polizei verfolgt zu werden.
