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Reiseblog von Dési und Rezi

Patagonien und Feuerland

Nationalpark Los Alerces

Auf der Wanderung zum Gipfel des Laníns gab uns ein Typ den Ratschlag, den Berg Dedal in der Nähe seines Wohnortes Trevelin zu besteigen. Übrigens war es der gleiche Bergsteiger, der seine vier Liter eigenegebrautes Ale auf den Berg schleppte und uns zu probieren gab. Wir befolgten seinen Tipp und fragten im Parkzentrum nach, welche Möglichkeiten es zum Wandern gäbe. Leider war der besagte Berg geperrt, jedoch hatten wir viele weitere Möglichkeiten zum Geniessen, Spazieren und Staunen. Diesen Park hätten wir ohne die Begegnung auf dem Lanín wahrscheinlich gar nicht entdeckt. Es war ein Geheimtipp – wenige Touristen und noch kein Parkeintritt, da es kurz vor der eigentlichen Saison war. Die zurückweichenden Gletscher der Andengipfel im Nationalpark, die kaum 2300 Meter Höhe erreichen, haben urtümliche Seen und Bäche hinterlassen. Wir unternahmen verschiedene Spaziergänge und waren fasziniert von der unberührten Natur. Bei der letzten Wanderung vor der Weiterreise wurde an unseren Nerven gezerrt. Désis Nerven wurden schon fast überstrapaziet. Ein Insekt, eine Art Stechbremse, verfolgte uns nämlich auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt bis hin zu einem versteckten See. Mit Fuchteln versuchten wir diese zu vertreiben. Es nützte nichts. Wir rannten durch den Wald. Auch das imponierte diesen kleinen nervigen Insekten nicht. Sie summten und schwirrten weiter um uns herum. Wir beide fluchten. Es klang so, als wären wir mitten in einem Streit mit unserem ärgsten Feind verwickelt. Fünf weitere Spaziergänger passierten uns. Wir hofften, diese Mistviehe wechselten ihre Opfer. Fehlalarm. Sie klebten immer noch an uns. Diese Dinger trieben uns so schnell voran, dass wir in der Hälfte der angegebenen Zeit wieder im Auto sassen und uns ohne summendes Geräusch auf die Weiterreise machen konnten.


Fitz Roy und seine Kumpanen

Nach einer monotonen Fahrt durch die Wüste kamen wir in El Chaltén an. Dieses Dorf hatte mehr Bergsteigertouristen als Einheimische. Es scheint ein Hippieort mit Kletter- und Trekkingcharakter zu sein. Das Alpinismusgefühl kam nicht nur deshalb auf, weil das Dorf von Bergen umhüllt wird, sondern auch, weil die Leute mit bester Funktionswäsche und neusten Modellen von Rucksäcken im Dorf herumspazieren. Alle kommen an diesen Ort, um zu wandern, bouldern, klettern, campen und Party zu machen. Wir taten es auch so. Zwei Tage waren wir in den Bergen unterwegs und waren unter anderem am Fusse des beliebten Kletterberges Fitz Roy. Es waren zwei eindrückliche Tage. Die Sonne zeigte sich leider nur selten. Das Wetter war so wechselhaft wie die Laune eines pubertierenden Teenagers. Schneegestöber, Sonne, Regen und kalten Wind spürten wir innert zehn Minuten. Es war sozusagen kaltes Aprilwetter Mitte Dezember. Patagonien ist eben nicht immer ein Zuckerschlecken. Oft verkrochen wir uns abends und in der Nacht ins Auto. Das Schlafen im Hilux war zwar kein Viersternhotel, jedoch isolierte unsere Kutsche ideal und verschaffte uns eine angenehme Temperatur. Sobald der Morgen nahte, war uns die Bequemlichkeit der Übernachtungsstätte sowieso egal. In Chaltén gönnten wir uns eine Nacht in einem Hostel. Wir waren in einem Kunstkaffee mit Lounge und buchten über „Booking“ unsere Bleibe für eine Nacht. Als wir im reservierten Hostel ankamen, hiess es, dass jemand zur gleichen Zeit das gewünschte Zimmer gebucht habe. Wir hatten Glück, bekamen ein „Upgrade“ und landeten im schicken Hotel nebenan. Wir nahmen den Wäscheservice in Anspruch und genossen den Komfort. Nach so vielen Tagen in der Wildnis freuten wir uns über jede Kleinigkeit. Besonders die samtig weiche Decke war unbeschreiblich schön.

Sobald wir uns eine Weile ausserhalb der Komfortzone bewegen, wissen wir die Gemütlichkeit wieder auf eine ganz andere und noch viel intensivere Art zu schätzen.


Eis soweit das Auge reicht

In Calafate stürzten wir uns als erstes in ein Reisebüro. Wir wollten eine Gletschertour auf und eine Bootstour am eindrücklichen Perito Moreno buchen. Der Preis dieser Touren schockierte uns, weshalb wir von dieser Idee abkamen. Wir erkundeten den Nationalpark der massiven Eismasse selbst und waren sehr froh, diese Pesos nicht unnötig für eine Touritour ausgegeben zu haben. Auch wenn der Park von Touristen beinahe überrannt wird, war es ein toller Tag, den wir nicht so schnell wieder vergessen werden. Wir spazierten auf den Metallstegen, beobachteten Peritos Pracht aus verschiedenen Perspektiven und hörten immer wieder ein lautes Krachen eines Eisblocks. Die können so gross sein wie ein Auto. Manchmal sahen wir auch nur kleine Eisblöcke, die jedoch einen höllischen Lärm von sich gaben. Die Eisspitzen ragen bis 70 Meter aus dem Lago Argentino. Das sind allerdings nur gerade 10 Prozent der gesamten Eishöhe. Bis an den Grund beträgt die Dicke nämlich 700 Meter. Es ist kaum zu fassen.

Das Thema Gletscher ist hochaktuell und lässt uns an den Klimawandel errinnern. Prognosen besagen in der Schweiz, dass der fortschreitende Gletscherschwund so gross ist, dass in 50 Jahren nichts mehr davon übrig sein wird. Perito Moreno zeigt sich hingegen als stabil. Herzlichen Dank dem lieben Perito und dem fast windstillen, in der Nähe gelegenen Schlafplatz.


Weihnachten auf der Südhalbkugel

Die Vorfreude auf Weihnachten war riesig. Einerseits freuten wir uns auf unser gebuchtes Hostel und andererseits auf das reservierte Weihnachtsessen.

Um 21.00 Uhr begann unser Festessen auf einem „Campo“, Bauernhof. Als wir in der Festremise ankamen, wurden wir mit einem süssen Weisswein begrüsst. Mit Empanada zur Vorspeise, Salatbüffet, viel Fleisch vom Holzfeuer und einem ausgiebigen Desserbüffet schlugen wir uns die Bäuche voll. Am Schluss schienen wir vor Völle fast zu platzen. Hai, war das lecker. Nach dem eigentlichen Dessert wurde ein reichhaltiges Buffet mit noch mehr Süssem eröffnet. Da wir nach dem servierten Dessert keine süssen Überraschungen erwarteten, konnten wir da leider nur sehr spärlich zugreifen. Den spendierten Prosecco hiessen wir wärmstens willkommen und stiessen direkt damit an. Um Mitternacht taten dies auch alle andern. Upps, so läuft das hier also. Nicht nur an Silvester, sondern auch an Heiligabend wird bis zwölf Uhr nachts mit Anstossen gewartet. Begleitet wurde der Schmaus mit einer passenden argentinischen Folklore-Show. Die Stepptänzer imponierten uns besonders. Während Weihnachten waren wir in Gedanken oft bei unseren Familien. Wir freuen uns bereits aufs nächste Jahr. Feliz Navidad.


Vom Winde verweht

Auf der Weiterreise überquerten wir ein letztes Mal die chilenische Grenze. Wie wir diese gehasst haben auf unserer Reise. Die strikte Kontrolle von all den Frischwaren war ein Graus. Dieses Mal war es jedoch eine schnelle Sache. Erstens hatte es am 25. Dezember keine anderen Leute, die den Zoll überquerten und zweitens waren die Beamten ziemlich angenehm. Der Zöllner konnte es kaum fassen, dass wir ein halbes Jahr unterwegs sein können, ohne zu arbeiten.

Unser Ziel vor unserer Abgabe des Autos war der bekannte Nationalpark „Torres del Paine“. Das Wahrzeichen dieses Nationalparks sind die drei nadelartigen Granitberge - ein echter Hingucker. Diese sind so bekannt, dass sie bei der Eingabe des Begriffs „Patagonien“ in der Suchmaschine nach Perito Moreno an zweiter Stelle erscheinen.

Grosse Teile des Parks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der „Grey-Gletscher“, der in den Lago Grey kalbt.

Der Nationalpark ziert sich mit vielen toten Bäumen. Unachtsame Touristen werden für diesen Zustand verantwortlich gemacht. Im Jahre 2005 brach ein verheerender Waldbrand aus. Dabei wurden mehr als 15'000 Hektare Wald vernichtet. Ein weiteres Feuer Ende Dezember 2011, Anfang 2012 zerstörte 14'000 Hektare Wald.

Während unseren Tagestouren peitschte der Wind intensiv um unsere Ohren. Teilweise stellten wir uns fast selbst das Bein, weil die Windböen so stark waren.

Im Park lernten wir eine Gruppe von vier lustigen Sportlern aus Réunion kennen. Mit diesen teilten wir schliessliche ein „AirBnB“ in Puerto Natales.


Abschied vom heissgeliebten „Hilüxli“

Am 29. Dezember kamen wir schliesslich in Punta Arenas, Chile an. Dort gaben wir unser Auto ab, das uns sehr viele schöne Stunden bescherte. Es war ein nicht ganz schmerzfreier Moment – ein grosses Stück Freiheit nahm ein Ende und ein neues Abenteuer begann. Beim Ausladen vom heissgeliebten „Hilüxli“ merkten wir, wie viel Material sich in unserem Pick-up eigentlich versteckte. Ach, es war wunderschön in und mit dieser 4x4-Kutsche zu reisen. Wir legten insgesamt 9600 Kilometer in sechs Wochen zurück.


Ein Hoch auf das Jahr 2017

Das Jahr 2017 hatte es in sich. So viel Abenteuer und schöne Momente, die wir in diesem Jahr zusammen erleben durften – es war genial! Das war für uns Grund genug, um in unserer Unterkunft gemeinsam mit anderen Reisenden leckeres Essen zu kochen, guten Wein zu trinken, mit einem auf der Reise gekauften Champagner anzustossen und ein lustiges Fest an Silvester zu veranstalten.

Wir wünschen euch allen gute Gesundheit und viel „Gfreuts“. Feliz nuevo año und Happy New Year.


Am Ende der Welt

Wir starteten mit einem Brummschädel und einer elfstündigen Busreise ins neue Jahr. Die Reise führte uns nach Ushuaia. Sie ist die südlichste Stadt der Welt. Es ist für die Argentinier und Chilener ein steter Kampf, wer die südlichere Stadt hat. Noch weiter südlich von Ushuaia liegt nämlich das chilenische Puerto Williams – nur ist diese Siedlung laut Argentiniern ein Dorf und keine Stadt. So bleibt Ushuaia bis auf Weiteres die südlichste Stadt der Welt. Wir steckten mitten im Feuerland. Das ist die Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist Feuerland durch die Magellanstrasse getrennt. Bei der Erkundung der Magellanstrasse im Jahre 1520 fanden Kapitän Magellan und seine Segelmänner keine Siedlungen, doch im Süden der Meerenge erblickten sie in der Nacht vom Schiff aus viele Feuer. Der Generalkapitän Magellan nannte das Land entsprechend „Feuerland“. Die Ureinwohner der Inseln nutzten einerseits das Lagerfeuer und andererseits das Eincrèmen von Seelöwenfett, um sich warm zu halten.

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