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Tag 36: Rhein aufwärts

Veröffentlicht: 17.08.2023

Beschwingt vom gestrigen Tag steige ich aufs Rad, doch irgendwas stimmt nicht. Schon vorgestern hatte ich das Gefühl, dass sich die Neigung meines Sattels verstellt hat. Wie auch immer das passiert ist - daheim habe ich noch alle Schrauben usw. überprüft - so geht das nicht wirklich. Ich bitte meine Frau, mit mir die Augen offen zu halten, ob wir an einem Fahrradladen vorbeikommen. Jetzt einen hier zu suchen, erachte ich nicht für notwendig, schließlich halten echte Männer was aus! Gestern hatte Simone Jahn mir mitgegeben: Keine Gnade für die Wade! Aber beim Sattel geht es halt doch um andere Körperteile...

Wir radeln über die Brücke am Hauptbahnhof (Name fällt mir gerade nicht ein - Hohenzollernbrücke?), wo die vielen Schlösser hängen, deren Schlüssel am Grunde des Rheins liegen. Wie viele der Versprechungen haben wohl gehalten? Rechtsrheinisch geht es weiter, mal mehr, mal weniger am Fluss entlang. In Porz dann der Radhändler, mit dem ich folgenden Dialog hatte: Mit meinem Sattel stimmt was nicht - Watt brauchse - Inbus - Größe? - Hmmh, 6 oder 8 - Da nimm. So sind wir Männer halt... Es war dann ein 4er und ein 6er, Sattel repariert mit dem 4er, zurück geben, Trinkgeld dazu, "wäre doch nicht nötig gewesen", "trotzdem, danke", "gerne und gute Fahrt".

Wir begleiten wieder ein Schiff, die Landschaft ist überraschend abwechslungsreich (es gibt auch langweilige Flussradwege) - mir macht es richtig Spaß. Der Untergrund ist meist gut, wir kommen voran. In Bonn fahren wir über die Friedrich-Ebert-Brücke und machen am Rheinpavillon Pause, eine Reminiszenz an die Besuche bei unserer Tochter, als die vor ein paar Jahren ein Praktikum in Bonn machte. Quasi zur Probe bin ich damals von meinem Wohnort Dachau nach Bonn geradelt, allein. Die Probe habe ich bestanden! Am Flussufer zu sitzen, ganz entspannt aufs Wasser und auf die vorübergehenden Leute schaun - einfach schön. Listen to what the river says (meine Übersetzung im Allianz Englisch Unterricht frei nach Hermann Hesses Siddharta).

Auf der Rheinaue-Brücke geht es wieder hinüber und weiter über Königswinter mit dem Drachenfelsen, Remagen mit der Brücke nach Linz mit pittoresker Altstadt. Beim Lindwurm genießen wir eine Fassbrause, die Hermine Mende mir überreicht hatte. Man kann sie auch warm trinken, schmeckt lecker (die Fassbrause). Durch Weinberge und entlang einer stark befahrenen Straße radeln wir noch bis Neuwied, denn es war den ganzen Tag trocken und angenehm temperiert, nur am Schluss kam die Sonne noch raus und hat uns eingeheizt auf den letzten der gut 90 km. Das Hotel Imota nimmt uns auf, wir finden einen Biergarten direkt am Rhein, essen was (mein einziger Fehler heute: der bestellte Kartoffelsalat war mit Mayo, und davon bin ich wahrlich kein Fan), trinken was. Meine Frau stellt mich vor die Wahl: Lieber 2.000 Höhenmeter bis Frankfurt oder weiter am Rhein und dann den Main hoch. Meine Entscheidung fällt schnell und wird morgen gebloggt...

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