Landregen und Fallada begleiten mich durch die Feldberger Seenlandschaft
Heute habe ich Glück mit dem Wetter. Es regnet und ist bewölkt. Noch kann ich draußen frühstücken, aber es zieht sich zu.


Veröffentlicht: 12.08.2026




















Der Tag beginnt heute ganz entspannt. Nach dem gestrigen Tag habe ich das auch bitter nötig:
Die Sonne scheint auch nach dem Baden noch gnadenlos und in Oertzenhof werde ich beinahe schwach, da dieses Nest doch tatsächlich über einen Bahnhof verfügt. Ich ringe mit mir, aber 10km werden wohl auch noch zu schaffen sein.
Es werden die härtesten.
5 km vor Eichhorst erwartet mich eine Straße ohne Aussicht auf Schatten.
Ich kenne sie noch aus dem letzten Jahr, daher habe ich wirklich Respekt.
Während ich meine Überlebenschancen auslote, erreicht mich ein Anruf. Ich drücke diesen weg, schaue aber sicherheitshalber noch einmal nach, ob es nicht doch um Leben oder Tod geht.
Der Pasterhof, mein nächstes Ziel, versucht mich zu erreichen. Ich rufe also zurück und freue mich gleich mit der Besitzerin Elisabeth, die ich noch aus dem letzten Jahr kenne, zu sprechen. Nein, es ist nicht Elisabeth sondern eine Brigitte. Sie rufe eigentlich nur an, um mir mitzuteilen, dass niemand im Haus ist. Der Schlüssel liegt da und da…
„Heißt das, ich bekomme weder Abendbrot noch Frühstück?“, frage ich.
Genau, das heisst es. „Sie können aber in den nächsten Ort fahren, um dort zu essen.“
„Junge Frau, ich fahre heute keinen Meter mehr mit meinem Fahrrad.“ „Ich habe heute fast 50 km hinter mir und außerdem kann ich nicht mehr und außerdem liegen noch 5 km Weg mit 100% Sonneneinstrahlung vor mir.“
Never ever!!!
Am anderen Ende Pause, mmh…“die Conni bringt nachher noch die Tiere in den Stall, die könnte Ihnen die Zuchini Suppe rausstellen und etwas zum Frühstück.“
Ein Strahlen huscht über mein Gesicht. So machen wir das und motiviert nehme ich jetzt doch die letzten 5km auf mich.
Ich beziehe dasselbe Zimmer wie im letzten Jahr, dusche und da es draußen viel zu warm ist, mache ich es mir im Frühstückszimmer bequem.
Die Kaffeemaschine und Kaffee sind schnell gefunden.
Im ehemaligen Pastorenzimmer schmücken Regale mit Büchern eine Wand, die andere ein Klavier und in der Mitte steht ein altes Sitzmöbel mit verschnörkelter Lehne. Darüber drei schwarz/weiss Fotos ehemaliger Pastoren.
Ich genieße die Stille in diesem großen Haus und bin gar nicht mehr traurig, alleine zu sein. Schließlich kann ich mich so ganz ungezwungen in einem fremden Haus bewegen.😜
Ich lese ein paar Seiten in meinem neuen Buch und als es kurz vor 19.00 Uhr ist, macht sich mein Magen bemerkbar. Ich begebe mich in die Küche und stecke meine Nase überall rein.😀 Es stehen Unmengen von eingemachten Obstgläsern herum. Der Kühlschrank ist riesengroß und auch gut gefüllt. Eine Handvoll Eier stehen auch auf dem Küchentisch, wie lange mögen die bei der Hitze schon draußen sein?🤔
Wenn jetzt in den nächsten 10 Minuten keiner kommt, schlage ich sie mir in die Pfanne. Mein Antibiotika, welches ich zur Zeit noch nehmen muss, wird die paar Keime bestimmt abtöten.
Just in diesem Moment wird die schwere Eingangstür aufgeschlossen.
Conni, eine kleine freundliche Frau tritt ein und begrüßt mich herzlich. Sodann beginnt sie auch gleich die für mich vorgesehen Leckereien rauszulegen. Zum Abendbrot kann ich mir Gnochis mit der selbstgemachten Zuchinisuppe zubereiten. Für morgen Früh stellt sie Brötchen, Brot, Butter, Käse und natürlich selbstgemachte Himbeermarmelade bereit. Die Eier seien frisch, Kräuter und Obst im Garten. Und schon ist sie so schnell verschwunden wie sie gekommen ist.
Nach dem Regen setze ich mich in den traumhaften Garten und genieße mein selbst zubereitetes Mahl inmitten blöckender Schafe, schnatternder Enten und gackernder Hühner.
Entspannung macht sich breit und kurzerhand überkommt mich auch die Müdigkeit. Und mit den Tieren zusammen, die ihre Schlafplätze wie jeden Abend einnehmen, begebe ich mich in mein Zimmer.
Als ich nur mit meiner Pyjamahose und einem Nichts von Oberteil bekleidet das Badezimmer aufsuche, kommt mir ein Mann entgegen. 😳
Er stellt sich nicht vor, wünscht mir aber eine Gute Nacht.
Ich bin für einen kurzen Moment erschrocken. Jetzt wird mir aber klar, weshalb ein zweiter Schlüssel in der Box lag.
Da kommt Conni noch einmal reingeschneit. Sie hat etwas vergessen… ach und dann sagt sie noch „ und da gibt es noch einen Gast, bist du zum Glück nicht alleine“. 😅
Nee, das nicht, aber eine Info vorher wäre auch toll gewesen.
Ich gehe ins Bett und meinen Zimmerschlüssel drehe ich sicherheitshalber rum.
Nachts komme ich nicht so richtig in den Schlaf. Dauernd höre ich Geräusche. Der „Fremde“ geht dreimal zur Toilette. Ich auch.
Kann aber auch an den drei Tassen Kaffee gelegen haben.🤭
