Wo sind die vielen Roller hin?
Wieder zurück in China lassen wir den Urlaub ruhig ausklingen. Mit Xi’an und Seoul haben wir ein volles Urlaubsprogramm gehabt. Also verbringen wir ein paar entspannte Tage in...

Veröffentlicht: 18.06.2026















Für diesen Ausflug nutze ich meine Bahn-Freifahrttickets meines Arbeitgebers und wir wären auch fast pünktlich angekommen, wenn uns nicht in Hanau eine Störung eine Viertelstunde Verspätung eingebracht hätte. Unseren Schopenhauer-Tag in Frankfurt/M. beginnen wir mit einer Audienz an seinem Grab auf dem waldigen Hauptfriedhof. Ich habe vor 22 Jahren zwei Jahre lang nur 930 Meter Luftlinie vom Gab entfernt im Nordend in Frankfurt gelebt und war noch nie an seinem Grab, weil ich mich erst zehn Jahre später mit seiner Philosophie beschäftigt habe. Im parkartigen Frankfurter Hauptfriedhof hat Schopenhauer 1860 seine letzte Ruhe gefunden.
Nun geht es aber ins Museum zurück in die Innenstadt. Das Romantik-Museum ist zusammen mit dem Geburtshaus von Goethe in einem verwinkelten Museumskomplex verbunden, weshalb wir erst durch Nachfragen die Schopenhauer Ausstellung finden. Diese ist zwar enttäuschend klein, aber der Inhalt überzeugt dann doch. Die Ausstellungsmacher haben eben den kleinsten Funken Verbindung von Schopenhauer zur Romantik ausfindig gemacht (bzw. konstruiert) und vor allem seine Bibliothek dahingehend ausgewertet. Handschriftliche Aufzeichnungen und Auszüge aus einem Brief an seine Mutter und seine Flöte als Musikinstrument wurden für die Ausstellung bemüht, leider nicht im Original. Einen handschriftlichen Vers in dem Buch "Numancia" des Autors Cervantes dagegen macht einen originalen Eindruck. Schopenhauer dichtet:
Den Selbstmord einer ganzen Stadt
Cervantes hier geschildert hat
Wenn alles stürzt; so bleibt uns nur
Rückkehr zum Urquell der Natur.
Ansonsten zeigen die Ausstellungsstücke vor allem grundlegende Gedanken von Schopenhauer, besonders aus jungen Jahren, die ihn bei seiner Entwicklung zum großen Philosophen begleiteten.
Danach gehen wir hinüber ins Geburtshaus von Goethe, in dem sich die zu besichtigenden Räume auf vier Etagen erstrecken. Dem "Peking-Zimmer" mit seiner vornehmen Ausstattung war Familienfeiern oder dem Empfang von hohem Besuch vorbehalten. Ein Pyramidenflügel (Hammerklavier) von Christian Ernst Friderici schmückt das Musikzimmer. Gemütlich wirkt die Bibliothek mit den vielen Büchern und einem Lesesessel in der Ecke, über welchem ein zusätzliches kleines Seitenfenster thront und somit bestes Licht zum Lesen bietet. Schließlich gelangen wir in das Geburtszimmer von Goethe, welches ganz grün gestrichen, aber unscheinbar eingerichtet, ist. Ein Stern und eine Leier aus der Dekoration seiner Aufbahrung in Weimar vom März 1832 schließen hier den Kreis von Geburt und Tod.
In der obersten Etage befindet sich das Dichterzimmer, wo Goethe seine frühen Werke geschrieben hat. Weil er hier auch den Roman "Die Leiden des jungen Werthers" verfasst hat, steht in diesem Zimmer eine Büste von Lotte Buff aus Wetzlar. Wer meinen Reiseblog aufmerksam verfolgt, erinnert sich noch an meine Schilderungen aus Korea, wo ein dortiger großer Mischkonzern den Namen Lotte, inspiriert von Goethe, trägt (siehe Goethe in Seoul). Wie es nach dem Besuch bei Goethe mit unserem Schopenhauer-Tag in Frankfurt/M. weitergeht? Fortsetzung gibt es in einem zweiten Blogbeitrag...
