Willie seine Reisen

Experimente mit einem Blog...und einem Dachzelt!

Von Nord-Norwegen und dem nebulösen Nordkap

Wir warnen euch schonmal vor: Dieser Beitrag könnte etwas länger werden. Das ist durchaus etwas Gutes für unsere Reise, denn es bedeutet, viel ist passiert, viele Erinnerungen und Fotos wurden gemacht!

Wir verließen unseren Schlafplatz mit dem Vorhaben am Polar Park nur ein paar Kilometer entfernt anzuhalten. Dort gibt es in größeren Gehegen sonst wilde nordische Tiere zu sehen. Leider ist Karsi des Lesens nicht ganz fähig, so mussten wir bei unserer Ankunft um 10Uhr feststellen, dass es noch 2 Stunden dauern würde, bis der Park öffnete. Also vertrieben wir uns die Zeit mal wieder mit Lesen. Doch es lohnte sich. Nach Einlass nahmen wir an einer kostenlosen Führung mit Fütterungen von Luchsen, Wölfen und Bären teil. Obwohl eingesperrt und dort sozialisiert sehr imposante Tiere.

Vor der Weiterfahrt erhielten wir von freundlichen Reisenden noch ein paar brauchbare Tipps für den Weg zum Nordkap, so empfahl man uns einen tollen Ort kurz hinter Tromso um den Sonnenuntergang zu beobachten, ein Spot an dem die lokalen Touri-Schuppen ihre angebotenen Fototouren enden ließen. Von dort war es nur noch ein Katzensprung zu unserem nächtlichen Standplatz unmittelbar an einem Fjord des Nordmeers. Hier planten wir den nächsten Tag und entschieden uns nach der Konsultation des Wetterberichtes für eine anspruchsvolle Wanderung. So saßen wir mit Marshmallows am Lagerfeuer, als Lotti die Polarlichter am Horizont erblickte. Ein absolut geniales Phänomen (die physikalischen Details ersparen wir euch), dass wir dank klarem Himmel und super Standplatz über mehrere Stunden und aus allen Kamerawinkeln genießen konnten. Immer wieder dachten wir, es wäre zu Ende, nur um hinter uns neue Streifen zu entdecken. Während wir freudig vor uns hin fotografierten schnaubte es neben uns im (recht flachen) Meer, wir sahen einen Buckel und ein zweites Schnauben. Wir waren unschlüssig welches Tier wir wohl im Dunkeln gesehen haben, eine kurze Recherche ergab jedoch, dass immer öfter Wale in den Buchten gesichtet werden. So wurde es ein langer erlebnisreicher Abend mit vielen Bilder und eine kurze Nacht. Lotti hatte bereits Frühstück vorbereitet und auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung schmatzten wir fröhlich unsere Frühstücksstullen. Insgesamt 6 Stunden dauerte diese 8km lange und 1000 Höhenmeter bewältigende Wanderung auf den Blamannen. Bestes Wetter und eine phänomenale Sicht auf die Stadt Tromso, die anliegenden Fjorde und Berge bekamen wir als Belohnung für unseren schweißtreibenden Aufstieg, nur um festzustellen, dass der Abstieg diesmal nicht etwa leichter oder schneller gehen sollte. In dem Geröllfeld verloren wir den ursprünglichen Pfad und kletterten querfeldein zwischen den Gesteinsbrocken und doch recht dicht an den steilen Abhängen entlang. Doch auch das schafften wir und kehrten zu unserem bekannten Schlafplatz zurück, diesmal leider bei bedecktem Himmel, dafür mit etwas mehr Schlaf, sodass wir fit waren für unseren Shopping-Tag in Tromso.

Nach leckerem Kaffee (mehrfach) und mit gefüllten Mitbringselbeuteln tippten wir Nordkap in das Navi (es antwortete mit 535km und 9h), um zu schauen, wie weit wir es wohl schaffen würden. Wir legten gut 3 Stunden zurück und fanden einen Schlafplatz zwischen Bergen, mit Blick auf ein Dörfchen im Tal. Auch diese Nacht wurden wir mit Polarlichtern beschert, allerdings etwas schwächer und mit zunehmend bedecktem Himmel. Der Blick aus dem Zelt am morgen ließ uns staunen: Die Gipfel ringsherum waren schneebedeckt.

Den Tag verbrachten wir im Wesentlichen mit Autofahren – wir wollten schließlich das Nordkap erreichen und unterwegs gab es nicht sonderlich viel, außer Rentiere und prächtiger Szenerie! Je näher wir dem Nordkap kamen, desto häufiger kreuzten Rentiere die Straße, desto grauer wurde der Himmel und desto weißer wurde die Landschaft. Die Nacht war genau so wie man sie sich an dem nördlichsten Ort des europäischen Festlandes vorstellt: kalt, verschneit und enorm windig. Mit wenig Schlaf krabbelten wir aus dem Zelt in den eisigen Wind und traten vom verschneiten Parkplatz die 18 km lange Wanderung zum ECHTEN Nordkap an, teilweise übrigens mit Sicht bis genau zum nächsten, etwa 15m entfernten Steinmännchen/Wegweiser. Mit Wind und Hagel kamen wir uns vor wie bei einem norwegischen Peeling. Am Ziel angekommen erstaunte uns das Wetter: es war (zumindest vorübergehend) trocken und geringfügig „sonnig.“ Ein Eintrag in das Gästebuch, ein Foto des unechten Nordkaps auf der gegenüberliegenden Landzunge, ein Schluck norwegischen Aquavits, um die Lebensgeister zu wecken und schon ging es zurück. Karsi opferte zu Beginn des Rückweges seinen Wanderstock dem Gott Odin, dem Allvater (Zit. nordische Mythen und Sagen). Zeitweise wurden wir von zwei neugierigen Rentieren begleitet, während wir von der Küste des peitschenden Nordmeeres zurück durch die karge Landschaft wanderten, wieder durch Hagel und Nebel. Lotti nannte es auch 4-Jahreszeiten-Wanderung.

Zurück am Parkplatz (von dem uns an diesem Tag nur ein weiterer Wanderer entgegenkam) legten wir mit Willie die 6km zum touristischen „Nordkap“ zurück. Dort ließen wir uns das Heißgetränk schmecken und besichtigten den Souvenirshop, ansonsten waren wir vom Panorama-Film und der Ausstellung eher enttäuscht, von Aussicht konnte man an dem Tag sowieso nicht sprechen. So gab es ein obligatorisches Foto und schwupps zündeten wir den Willie und drehten die Heizung auf. Wir hatten den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes besucht und somit auch den nördlichsten Punkt der Reise erreicht. Nun sollte es zurück gehen, 100km dieselbe Strecke, bis wir den Abzweig Richtung Inari, Finnland nahmen. Vor dem Grenzübertritt fanden wir unseren Schlafplatz, direkt an einem Fluss, von dem wir auf Grund einsetzender Dunkelheit und des regnerischen Wetters nicht viel hatten. Geparkt zwischen Bäumen wurde das Zelt vom Wind gebeutelt. Wir nutzten den Fluss für eine Dusche bei 1°C Außentemperatur, bevor wir uns ins Zelt zu den Wärmflaschen kuschelten, nur um am kommenden Morgen, bei immer noch viel Wind, aber auch tollem Sonnenschein die Zeltfenster zu öffnen. Auf geht es nach Finnland…

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