Veröffentlicht: 31.05.2018




















































Es ist Ramadan. Seit ca. 2 Wochen feiern Muslime auf der ganzen Welt den Fastenmonat Ramadan. Das heißt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird nicht gegessen, getrunken, geraucht oder Liebe gemacht. Das Fasten ist eine der 5 Säulen im Islam und soll den Gläubigen näher zu Gott bringen und seine Seele reinigen, v.a. durch Enthaltsamkeit, Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche. So viel zur Theorie...
Denn sobald es dämmert beginnt das große Fastenbrechen. Die Menschen treffen sich in den Moscheen, zu Hause mit der Familie oder in den Warungs und mampfen zum Teil was das Zeug hält. Warum nur tagsüber gefastet wird, konnte ich nicht herausfinden (und ich wollte nicht unbedingt den Koran lesen). Lediglich, dass der Prophet Muhammad rät, beim Fastenbrechen nur leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen. o_O
Irgendwie nur eine halbe Sache. Im Übrigen gibt es auch etliche Ausnahmen vom Fasten. Ausgenommen sind z.B. Kinder, Schwangere, Stillende, Kranke, Alte, Reisende, Frauen die ihre Tage haben und Piloten, Ärzte usw. im Dienst. Und es gibt sicherlich noch mehr Gründe, nicht zu fasten. Allerdings müssen die, denen es möglich ist, die versäumten Fastentage nachholen.
So ganz verstehen wir das nicht. Denn an einigen Tagen ist es im Park rappelvoll und alle sind am Essen, obwohl normalerweise gähnende Leere herrscht und niemand isst, raucht oder trinkt. Vielleicht sind an diesen Tagen ausgerechtet die 12% indonesischen Nichtmuslime im Park. Oder es ist irgendein "Ausnahmetag". Wer weiß. Scheinbar ist das auch alles eine Auslegungssache und hängt vom Grad der Gläubigkeit jedes Einzelnen ab.
Warum ich das alles erzähle? Weil es uns direkt betrifft! Auslegungssache oder nicht, es gibt im Moment kaum etwas zu essen, denn tagsüber haben alle Läden und Warungs geschlossen. Zum Glück befinden wir uns in einem Refugium der Ausnahme, denn im Park haben die Restaurants geöffnet! Allerdings nur mit halbem Angebot und einigen Entbehrungen. Außerdem trinken, essen oder rauchen wir aus Respekt in der Öffentlichkeit nicht. Das heißt auch auf Arbeit müssen wir alles heimlich machen, aus Rücksicht auf unsere 2 muslimischen Kollegen.
Darum kam es uns mehr als gelegen, als Stephan uns noch von seinem Deutschlandurlaub aus ankündigte, dass wir nach seiner Rückkehr erstmal ein paar Tage zum Urlaub nach Bali dürfen (Bali ist hauptsächlich hinduistisch, sodass dort kein Ramadan gefeiert wird). Schon vor einer Weile hatte uns Toni in den Bali Safari and Marine Park eingeladen, aber bisher hatte es sich einfach noch nicht ergeben. Und eingeladen hieß auch eingeladen. Die Organisation übernahmen die Taman Safari Parks gemeinsam und so wurden wir von einem Fahrer zu Hause abgeholt, zum Flughafen gefahren und in Bali am Flughafen wieder abgeholt und zu unserer Unterkunft im Park gebracht. Übrigens das erste Mal, dass ich am Flughafen mit einem Schild mit meinem Namen abgeholt wurde. :D Das wollte ich schon immer mal! Wir übernachteten in einem Gästehaus im Park, indem auch einige Angestellte wohnen.
Der Eingang zum Bali Safari und Marine Park (der Marine Park befindet sich allerdings noch im Bau und soll Anfang 2019 eröffnet werden)
Am nächsten Tag ging es erstmal gemütlich zum Frühstück im parkeigenen Hotel. Vorsichtshalber in offizieller Kleidung, damit jeder gleich weiß wo wir hingehören.
Nach dem üppigen Frühstück bekamen wir eine Führung durch den Park. Als erstes ging es in das Bali Starling Breeding Center. Quasi das Pendant zu unserem Breeding Center, nur eben mit Balistaren. Dort trafen wir auch Sudi wieder, einen Tierpfleger aus Bali, der vor einer Weile ein 2-wöchiges Praktikum bei uns im Breeding Center gemacht hatte.
Danach ging es zu einer der Shows. Im Bali Safari gibt es täglich mehrere Shows, die ähnlich wie im Taman Safari Prigen mit etlichen diversen Tieren bestückt sind. Allerdings wird hier viel Wert auf Umweltbildung gelegt, nicht zuletzt wegen der vielen internationalen Touristen, die solche Shows oft kritischer betrachten als manch Einheimischer, sodass die Shows zwar trotzdem typisch asiatisch daherkommen, aber mit vielen Infos und Hinweisen zum Artenschutz ausgestattet sind. Nichts desto trotz finden Roy und ich, dass es mit dem Auftauchen eines Orang Utans in der Show, trotz der Aufklärung über die Bedrohnung der Tiere, zu sehr in Richtung Zirkus entgleitet und ein irreführendes Bild vermittelt. Denn die Menschen begreifen zumeist gar nicht, was ihnen damit gesagt werden soll und sehen nur den "lustigen, süßen und vermenschlichten" Orang Utan.
Bei der Tigershow im Anschluss ging es hauptsächlich um die Bedrohung der Tiger, ausgeschmückt mit balinesischem Tanz und einer wie immer eher undurchsichtigen Story.
Die Elefantenshow war nicht weniger geschmückt mit Tanz und Kitsch, aber auch hier wurde reichlich erklärt und aufgeklärt. Allerdings war die Story wie gewohnt etwas undurchsichtig und eher albern.
Als letztes sahen wir uns eine balinesische Tanzshow an. Dort durfte nicht fotografiert oder gefilmt werden. Aber die riesige kinoartige Kulisse war überwältigend und die Show mit den über 150 Schauspielern, traditionellen Elementen und einer schlüssigen Story war richtig gut.
Zum Schluss gabs noch die klassische Safari in einem Safaribus, bei der leider viel zu wenig in den Tiergehegen verweilt wurde.
Dafür durten wir exklusiv Tiger füttern, von einer Höhle aus mitten auf der Tigeranlage. Das portionierte Hühnchenfleisch war auf 100g abgewogen und auf 10 Portionen täglich begrenzt. Wir hätten die 2 Portionen auch den zahlenden Besuchern überlassen, aber man wollte uns scheinbar etwas besonderes bieten.
Den Abend hatten wir dann für uns und nutzten ihn um mal die Umgebung zu erkunden und zum nahe gelegenen Strand zu laufen. Auf dem Weg dorthin gabs noch ein Bier auf die Kralle.
Roy im Paradies. Da es hier auf Java quasi keinen Alkohol gibt, war es für Roy ein Genuss mal wieder ein kühles Bier zu trinken. Für mich gab's ne Kola.
Lädt nicht gerade zum Baden ein, aber scheinbar verbringen hier die Einheimischen ihren Abend. Die Touristrände waren zum Glück woanders.
Eigentlich wollten wir vom Eingang zu unserer Unterkunft laufen, da es nicht allzu weit war, aber irgendwie hat uns einer der Security entdeckt und einen Fahrer organisiert, der uns dann über einen riesen (Fahr)umweg zum Gästehaus gebracht hat. Das Ganze zog sich die gesamten Tage über. Wir wurden behandelt wie Ehrengäste oder zumindest bezahlende Kundschaft. Dabei waren wir nichts dergleichen. Keine Ahnung was den Angestellten im Park erzählt wurde, auf jeden Fall war es uns eher unangenehm wie königlicher Besuch behandelt zu werden.
Am nächsten Tag ging es nach dem Ausschlafen (heißt bei mir bis 7) und dem üppigen Frühstück erstmal in die Verwaltung den Kurator treffen. Man wollte sich ja schließlich mal bekanntmachen. Mit ihm ging es dann nochmal ins Breeding Center zum Erfahrungsaustausch. Ab Mittag hatten wir dann Freizeit, aber keinen Plan. Das Einzige in der Nähe, was halbwegs interessant klang, war ein Wasserfall. Wir organisierten uns einen Taxifahrer, der uns über einige Umwege durch Verfahren, zum Wasserfall brachte. Zum Wasserfall selbst ist gar nicht viel zu sagen, ein Wasserfall eben. Vielleicht verkenne ich auch die Romantik so eines Wasserfalls, aber bei der Masse an Touristen liegt auch an solch einem Ort nichts romantisches.
Am Abend hatten wir uns dann zur Nachtsafari angemeldet. Quasi eine Safaritour durch den Park bei Nacht (also ab 18 Uhr, da es da schon dunkel ist). Erst ging es zu Fuß für ca. 15 Minuten durch den Zoo, viel zu schnell und zu kurz wie wir fanden. Aber wir hatten auch ne nervige Gruppe mit lauten Leuten und einigen Partytouris aus Australien oderso, also war eh nicht an Genießen zu denken. Danach ging es mit einem speziell angefertigtem Käfigwagen durch den Safaripark, das heißt auch durch die Gehege der Tiger und Löwen. Bei den Pflanzenfessern wie den Zebras, Elefanten, Watussis usw. konnte dann Möhre gefüttert werden. Und als der Tiger auf den Käfigwagen sprang, durfte man seinen Bauch berühren. Alles unter Aufsicht von mehreren mitfahrenden Tierpflegern, aber geheuer war mir das trotzdem nicht. Die Fotos sind allesamt schrott geworden, da es zu dunkel war und es gewackelt hat und naja, ich wollte eh nur die Atmosphäre einfangen, aber das gelingt sowieso selten.
Das Ganze hatte leider zu viel Bespaßungscharakter für unseren Geschmack. Was wir sehr schade fanden, denn mit den Shows, dem Breeding Center und der ganzen Aufmachung des Parks ist der Bali Safari auf einem guten Weg Richtung Umweltbildung, von dem sie mit der Nachtsafari leider etwas abkommen.
Im Anschluss an die Safari gab es noch ein leckeres Buffet und eine Feuershow mit afrikanischem Charakter.
Für den nächsten Tag war Balis Hauptstadt Denpasar geplant. Und eigentlich wollten wir uns ein Taxi bestellen, das uns in die Stadt fährt, aber wir bekamen einen Fahrer vom Park. Das war zwar nett gemeint, aber da er immer irgendwo auf uns wartete, hatten wir keine wirkliche Ruhe oder Zeit nur für uns.
Als erstes ging es auf den Vogelmarkt in Denpasar. Da ich schonmal über die Vogelmärkte berichtet hatte, möchte ich gar nicht viel dazu sagen. Lasst die Bilder einfach auf euch wirken und versucht euch vorzustellen, welche Auswirkungen diese Dimensionen für die Tierwelt bisher hatten, haben und haben werden.
Nach dem Vogelmarkt ging es zum Strand.
Da wir ein paar Dinge besorgen wollten, sagten wir unserem Fahrer, dass wir shoppen wollen. Und wir landeten hier:
Nachdem das ein Reinfall war, hofften wir, dass wir nochmal in der Straße mit den vielen Outlet Stores der ganzen Surfermarken halten können und sagten dem Fahrer auch irgendeine Surfermarke, die er wiederholte. Aber scheinbar war das ein zu großer Umweg und/oder er wollte nach Hause, denn wir landeten in einem Ramayana, eine Ladenkette ähnlich Galeria Kaufhof oderso. Dort gab es ein paar ganz nette Sachen und ich kaufte irgendwas, aus Frust.
Danach schworen wir uns, dass wir sowas beim nächsten Mal auf eigene Faust machen, auch wenn das wesentlich teurer wäre.
Deshalb beschlossen wir, uns für den nächsten Tag ein Motorrad zu mieten. Diesmal sollte es nach Ubud gehen, eine Stadt nur ca. 15 km vom Bali Safari entfernt, die vor etwa 10 Jahren wohl noch ein Geheimtipp war. Die Fahrt dorthin war ein Erlebnis. Es ging vorbei an Reisfeldern und Tempeln, durch Dörfer und kleinere Städte. Richtig idyllisch.
In Ubud sind wir als erstes in den Monkey Forest. Im Grunde ein großes Gelände mit unzähligen Makaken, durch das man gegen Geld durchlaufen kann.
Auch hier waren etliche Touristen. Zum Glück verlief sich das Ganze dann etwas.
Die Tiere waren makakentypisch ziemlich frech und sind den Leuten auf die Schulter gesprungen und haben Sachen geklaut. Makaken sind, vorallem in der Gruppe, nicht ungefährlich und wir fragten uns, wie oft die Leute schon angegriffen oder gebissen worden, trotz Warnschildern und Aufpassern.
Nach dem Affenwald fuhren wir in die Stadt auf den Markt. Auf dem Weg dorthin sahen wir überall Touristen auf Motorrädern. Zum Teil waren es fast so viele wie Einheimische. Der Markt selbst war auch eher ein für Touristen angelegtes Shoppingparadies. Und Einheimische sah man nur hinter der Ladentheke oder als Parkplatzwart vorm Markt. Wir brauchten ein paar Sachen für die Wohnung, aber zwischen weiteren unzähligen "I love Bali" Shirts und Flip Flops ließ sich da nicht allzu viel finden. Letztendlich kauften wir ein teures Tuch (als Behang für die Wohnung) und ein paar überteuerte Schachteln aus Korb als Aufbewahrungsboxen. Nach dem Mittagessen wollten wir noch in die Goa Gajah (=Höhle Elefant), die wir auf dem Hinweg gesehen hatten. Scheinbar haben wir an diesem Tag alle Touriattraktionen in Ubud mitgenommen, denn auch hier waren neben den Souvenierständen etliche Touristen. Bali eben.
Ein Becken mit heiligem Wasser, glaube ich.
Aber auch hier gab es etwas abseits ein paar schöne Ecken.
Auf dem Rückweg in den Bali Safari ging es dann nochmal zur Tanke.
Da wir das Motorrad bis abends gemietet hatten, machten wir noch einen Abstecher zum Strand. Diesmal an einen anderen Standabschnitt.
An unserem letzten Tag genossen wir noch einmal das leckere Frühstück. Da unser Flieger gegen 17 Uhr gehen sollte, hatten wir noch bis zum frühen Nachmittag Zeit und da wir einige Ecken des Parks noch nicht gesehen hatten, tingelten wir ein bisschen durch das Gelände.
Aber insgesamt hatten wir den Eindruck, dass sich die Leute im Park benehmen. Im Eingangbereich zum Streichelgehege stand zum Beispiel ein schönes Waschbecken mit Seife und Trockentüchern (rechts im Bild mit dem Fliegenpilz). Wie lange hätte das wohl in einem deutschen Zoo gehalten? Jeder Zootierpfleger kann das relativ schnell beantworten.
Irgendwas albernes muss man einfach einmal täglich machen.
Und da es im Park auch eine Funzone gibt, war natürlich klar wo wir als nächstes hingehen! :D Leider war von den 3 Fahrgeschäften nur eins geöffnet, die anderen (Wildwasserbahn und Achterbahn) waren im Bau. Zumindest hatte das Wildwasserrafting offen, bei dem man in nem riesigen Reifen auf einem Wasserkanal fährt. Wie in Soltau, wer das kennt. Besonders war hier nur, dass man anfangs mit dem Reifen in einem halboffenen Fahrstuhl nach oben gefahren wurde und dann eine riesige geschwungene Rutsche nach unten fuhr.
Von oben hatte man dann diesen tollen Ausblick. Zu einer dritten Runde konnte ich Roy leider nicht überzeugen.
