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Kuala Lumpurs imperiale Imponierarchitektur

Veröffentlicht: 23.07.2026

Sehenswert
Kuala Lumpur
Kuala Lumpur, Malaysia
Attraktion
Dataran Merdeka
Kuala Lumpur, Malaysia
Sehenswert
Sultan Abdul Samad-Gebäude
Kuala Lumpur, Malaysia
Sehenswert
Masjid Jamek Sultan Abdul Samad
Kuala Lumpur, Malaysia
Sehenswert
Kuala Lumpur Railway Station
Kuala Lumpur, Malaysia
Sehenswert
Central Market
Kuala Lumpur, Malaysia

Nach einem Monat auf Sumatra, von Mitte Mai bis Mitte Juni 2026, ver-bringe ich die zweite Juni-Hälfte in Kuala Lumpur. Ich bin schon zum vierten Mal hier, weil mich die malaysische Hauptstadt in ihren Bann geschlagen hat und ich immer wieder neue Ecken entdecke. Diesmal will ich mich vor allem mit ihrer Geschichte befassen.

Kuala Lumpur ist eine vergleichsweise junge Stadt. Sie wurde als Pio-niersiedlung für die Ausbeutung lokaler Zinnminen vor 170 Jahren an der Stelle gegründet, wo der Fluss Gombok in den Fluss Klang mündet. Auf dieser Landzunge, genau an der Stelle der ersten Siedlung, steht seit 1908 die prächtige Moschee Jamek Sultan Abdul Samad, hinter der die Fassaden fetter Bürotürme den Horizont füllen.

Damals war die Siedlung auf matschigem Grund eine trostlose Ansamm-lung von Holzverschlägen und Hütten aus Bambus, gedeckt mit getrock-neten Palmblättern. Auch der Name deutete nicht auf einen besonders at-traktiven Ort hin: Kuala Lumpur bedeutet «schlammige Flussmündung». Die ersten Siedler waren Bergleute, viele aus China eingewandert, und die Chinesen spielten bald eine wichtige Rolle.

Einst von Chinesen dominiert

1868 wurde der aus Guandong eingewanderte Unternehmer Yap Ah Loy (1837–1885) zum Kapitan Cina von Kuala Lumpur ernannt; er war damit der offizielle Vorsteher der chinesischen Bevölkerung und trat als Vermitt-ler zwischen der Kolonialverwaltung, dem Sultan von Selangor, den chine-sischen Bergbauunternehmern und den Geheimgesellschaften auf. Die chi-nesischen Geheimgesellschaften oder Triaden waren ursprünglich Selbst-hilfeorganisationen für Migranten, wurden zu Wirtschaftskartellen, trieben Schutzgelder ein, betrieben Geheimjustiz und bauten Milizen auf, die ein-ander bekriegten und im Bürgerkrieg von Selangor mitmischten.

Dieser Bürgerkrieg zwischen rivalisierenden malaiischen Fürsten und ihren chinesischen Verbündeten dauerte von 1867 bis 1874. Kuala Lumpur wurde mehrmals in Mitleidenschaft gezogen, und 1872 brannten grosse Teile der Siedlung nieder. Yap Ah Loy gilt als jener Mann, dem die Stadt ihren ra-schen Wiederaufbau zu verdanken hat.

Dann kamen die Briten

Ab etwa 1870 gewannen die Briten zunehmend Einfluss und übernahmen die Verwaltung von Selangor. 1880 verlegten sie den Verwaltungssitz nach Kuala Lumpur. Dieses wurde 1896 zudem Hauptstadt der Federated Malay States (FMS), bestehend aus Selangor und drei weiteren Sultanaten. Die Briten hatten die Föderationgegründet, um ihre Einflussgebiete in Malaya effizienter verwalten, besteuern und verteidigen zu können. Formal blieben die Sultanate eigenständig; tatsächlich lag die politische und wirt-schaftliche Macht bei der britischen Kolonialverwaltung.

Mit der Unabhängigkeit 1957 blieb Kuala Lumpur Hauptstadt des neuen Staates. 1974 wurde die Stadt aus Selangor ausgegliedert und zum «Bun-desterritorium» erklärt; Selangor verlegte seine Hauptstadt nach Shah Alam, rund 25 km westlich vom Zentrum von K.L. Shah Alam liegt im Bal-lungsraum Kuala Lumpur, in dem rund acht Millionen Menschen leben. 

Kolonialer Prunk

Von der Chinatown spaziere ich am Pasar Seni vorbei, dem Zentralmarkt, einem geduckten, hellblauen Art-Déco-Gebäude aus den 1930er-Jahren. Wenige Fussminuten entfernt, jenseits des Flusses Klang, komme ich im Zentrum des kolonialen Kuala Lumpur an.

Rund um den Dataran Merdeka, den Unabhängigkeitsplatz, finden sich all die prunkvollen architektonischen Zeugnisse, mit denen die Kolonisatoren ihre angebliche Überlegenheit manifestierten. In nur 50 Jahren hatte sich Kuala Lumpur von einem provisorisch wirkenden Aussenposten mit ein paar Dutzend Bewohnern zu einer blühenden Stadt entwickelt, die 1910 bereits 45.000 Menschen zählte.

Das markanteste Bauwerk am Merdeka-Platz ist das weitläufige Sultan Abdul Samad-Gebäude, errichtet in den 1890er-Jahren. Der Name ist eine Hommage an den vierten Sultan von Selangor, geboren 1804, der volle 41 Jahre lang auf dem Thron sass, bis er 1889 starb. Trotz des lokalen Namens war das Gebäude das Zentrum der britischen Kolonialmacht. Es verband britische Staatsarchitektur mit maurisch und mogulisch inspirierten For-men; Uhrturm, Rund- und Spitzbögen, Backsteinfassaden, spiralförmige Treppenhäuser und kupferne Kuppeln.

Wie Arthur Benison Hubback die Stadt prägte

Bei der Ausführung des imperialen Baus taucht ein Name im Archi-tektenteam auf, der später die Hauptstadt des britischen Malayas prägen sollte: Arthur Benison Hubback (1871 bis 1948) aus Liverpool. (Hubbacks Leben würde ganze Bücher füllen. Er kam 1895 nach Malaya und wurde 1900 zum Chefarchitekten der FMS ernannt. 1914 kehrte Hubback nach Grossbritannien zurück, kämpfte im Ersten Weltkrieg zuerst als Oberst-leutnant und zuletzt als Brigadegeneral an der Westfront, wurde verwundet und hoch dekoriert.)

Gleich neben dem Sultan Abdul Samad-Gebäude steht ein weiteres Gebäude in diesem typischen Kolonialstil mit roten Backsteinen, weissen Bändern und Zwiebelkuppeln. Es wurde 1905 als Hauptquartier der Eisen-bahnverwaltung der FMS errichtet. Später diente das Gebäude als Sitz verschiedener Verwaltungsabteilungen, bevor es 2010 als Nationales Tex-tilmuseum eröffnet wurde. Architekt war wiederum A. B. Hubback.

Auch der Royal Selangor Club gehört zum Ensemble imperialer Imponier-architektur am Merdeka-Platz. Er wurde 1884 gegründet und nahm sowohl hohe britische Beamte und Offizere, indische und chinesische Hono-ratioren als auch malaiische Adlige auf. Seine heutige Form erhielt der Club 1910. A. B. Hubback entwarf dieses Mal keinen Bau im orientalisch inspi-rierten Kolonialstil, sondern griff auf die Tudor-Architektur mit dem charakteristischen Fachwerk zurück, wie sie in England im 16. Jahrhundert üblich war und im 19. und frühen 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde. 1970 brannte der Club ab und wurde danach im selben Stil neu gebaut.

Neben all den repräsentativen Bauten wirkt die anglikanische Kathedrale Saint Mary (Cathedral Church of St. Mary the Virgin) am nördlichen Rand des Unabhängigkeitsplatzes beinahe unscheinbar. Das 1895 eingeweihte, ganz in Weiss gehaltene Bauwerk im neugotischen Stil könnte auch eine beliebige englische Stadtkirche oder sogar die Kirche eines selbstbewussten Dorfes sein. Nur die Lüftungsschlitze anstelle von Fenstern verweisen auf ihren tropischen Standort.

Die Kathedrale erscheint umso bescheidener, wenn man sie mit der un-mittelbar danebenliegenden, prächtigen Masjid Jamek Sultan Abdul Sa-mad vergleicht. Auch diese Moschee, eröffnet Ende 1909, wurde von A. B. Hubback in jenem Stilgemisch entworfen, das wir gemeinhin als «kolonial» bezeichnen: maurische Bögen, rot-weisse Backsteinfassaden, kupferne Kuppeln, schlanke Minarette ebenfalls mit Kuppelabschlüssen, dazu offene Arkaden und Innenhöfe.

Etwas vom Merdeka-Platz entfernt finden sich weitere Hubback-Bauten, zum Beispiel das frühere Obergericht (Old High Court), erbaut 1909 bis 1915, oder das ehemalige Stadthaus (Old Town Hall) aus rotem Backstein, 1896 bis 1904, dessen linker Flügel ursprünglich von der Stadtverwaltung belegt wurde und der rechte bis heute als Stadttheater («Panggung Bandaraya») dient.

Symbol für die Moderne

Etwa 15 Fussminuten südlich des Unabhängigkeitsplatzes steht ein Bau-werk, das viele als Höhepunkt von A. B. Hubbacks Schaffen betrachten: die Kuala Lumpur Railway Station mit ihren weissen Fassaden, Kuppeln und Zier-giebeln, die majestätisch über den Gleisen thront. Sie wurde 1910 er-öffnet und sollte den technischen Fortschritt und die Mobilität symbo-lisieren. Die Eisenbahn verband Bevölkerungszentren, Bergbaugebiete und Häfen und erhob Kuala Lumpur so endgültig zur wirtschaftlichen, poli-tischen und militärischen Metropole.

Direkt gegenüber dem Bahnhof, der noch immer als solcher genutzt wird, entwarf Hubback auch das Gebäude der Eisenbahnverwaltung, das durch unterirdische Gänge mit dem Bahnhof verbunden ist. A. B. Hubback ist auch für den Hauptbahnhof in der malaysischen Bergbaustadt Ipoh und den Endbahnhof von Hongkong verantwortlich, den Kowloon-Canton Railway Terminus, von dem nur noch der berühmte Clock Tower steht.

In Europa ist «Kolonialismus» in den letzten Jahren zu einem emotional belasteten und mit Tabus behafteten Thema geworden. In Malaysia, das selber Jahrhunderte unter Herrschaft der Niederländer, der Portugiesen, der Briten und der Japaner stand, sieht man die Epoche bedeutend ent-spannter. 

So gibt es in Kuala Lumpur den «Colonial Path», einen ausgeschilderten Rundgang entlang der wichtigsten kolonialen und frühen urbanen Bau-werke. Der Reiz dieses Weges liegt in den Stilbrüchen zwischen modernen Hochhausfassaden und alter Stadtsubstanz, aus der dreidimensional er-fahrbaren Geschichte von den Anfängen der Stadt und ihrer  Entwicklung hin zur Millionenmetropole.

Nach zwei Wochen ist mir diese Stadt noch vertrauter geworden, und ich werde für weiteren Entdeckungen bestimmt zurückkehren.

Auf einen Blick

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Dauer
14 Tage
Kulturell
  • Dataran Merdeka
  • Sultan Abdul Samad-Gebäude
  • Masjid Jamek Sultan Abdul Samad
  • Kuala Lumpur Railway Station
  • Central Market
StadtArchitekturGeschichte
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