Usbekistan 2019
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Taschkent (Tag 12 bis 14) - abwechslungsreiche Hauptstadt

Veröffentlicht: 29.09.2019

Es begann mit einer chaotischen Zugfahrt von Samarkand nach Taschkent. Während wir am Bahnhof in Khiva Papiertickets erhielten, reichte am Samarkand'schen Bahnhof der Ausdruck der Online-Reservierungen. Dies wurde uns zumindest am Ticketschalter mittels Google-Translator-Handy-App auf Englisch mitgeteilt. Das Ganze hatte auch einen ganz bestimmten Grund, den wir im Zug erfuhren: Die online-reservierten Sitzplätze waren von anderen Passagieren belegt bzw. gar nicht erst vorhanden. Verantwortlich war hierfür das Sitzplanlayout des Online-Systems, das nicht mit dem tatsächlichen übereinstimmte. So hatten die Zugbegleiter bestimmt 20 Minuten gebraucht, uns auf freie Sitzplätze zu verteilen. Natürlich waren diese nicht mehr zusammenhängend, so wie wir es gebucht hatten. Chaos pur, tolle Wurst! Zum Glück war die Zugfahrt nur knapp 3 Stunden lang. Wir kamen in einem 4er-Abteil mit zwei koreanischen (vlt. auch mongolischen) Nachbarn unter. An Schlafen konnte Jörg - trotz großer Müdigkeit - nicht denken, da das Kopfstück des 1.-Klasse-Sitzes bei jeder noch so kleinen Bewegung quietschte... Die Zeit verbrachten wir daher mit Lesen und Blogschreiben. Am Samarkand'schen Bahnhof hatte es uns übrigens sehr geholfen, Einheimische zu fragen, welcher Zug von welchem Gleis nach Taschkent fahre. Auf der digitalen Anzeigetafel wurde nur der allgemeine Fahrplan aller Züge gezeigt. Unser Zug fuhr von Gleis 3, das man unterirdisch via Treppen (Fahrstühle gab es nicht) erreichte.

Pünktlich angekommen am Taschkenter Bahnhof Süd ging es mit der Taxifahrersuche weiter. Herrlich, diese "Herr"scharen von Taxifahrern... Wir waren nun schon geübt und hatten uns nach gründlicher Suche für passende Taxis und Fahrer entschieden. Zwischendurch hatten wir auch zwei vorbeifahrende Autos angehalten, deren Fahrer allerdings nicht gewillt waren, uns zu dem Hotel zu bringen. Ob unser Verhalten den Fahrpreis verringerte? Vielleicht. Wir kamen dieses Mal in Apartments vom "Art Apart Hotel" unter. Sie waren überaus generös vom Platzangebot her und die Einrichtung selbst war sehr gut. Nach der Ankunft fielen wir vor Müdigkeit ins Bett und schliefen die Nacht erholsam durch :)

Am Donnerstag stand zuerst das Frühstück auf dem Programm. Es war gut, allerdings blieb das Küchlein-Angebot, das wir in dem Hotel in Samarkand genossen, unübertroffen. Zur Mittagszeit starteten wir mit dem Sightseeing: Es ging zuerst zum Kosmonautendenkmal an der gleichnamigen U-Bahn-Station, dann durch einen nahe gelegenen Park, und später via der Broadway-Allee zur Reiterstatue Amir Timurs, die sich im Mittelpunkt des großen Kreisverkehrs vor dem Hotel Usbekistan befindet. In den Parks und an den Straßenrändern zeigte sich eine Wasserverschwendung von unglaublichem Ausmaß... die Rasensprenger waren teilweise nicht auf den Rasen oder auf Blumenbeete ausgerichtet, sondern verteilten das Wasser auf dem Gehweg. Und sie verteilten pro Fläche viel zu viel Wasser, so dass sich riesige Pfützen, ja Seen bildeten. Das in dem Land, in dem viele Menschen über den Rückgang des Aralsees so sehr zu leiden haben… Von großem Ausmaß war auch die Timur'sche Reiterstatue. Der Kult um Amir Timur als neuer nationaler Held begann mit der Forcierung des Tourismus in den vergangenen Jahren. Er gilt hier gemeinhin als Begründer Usbekistans (im Sinne einer Vereinigung der hiesigen Volksstämme und Khanate), analog dazu stand früher an gleicher Stelle eine Statue von Karl Marx. Viele Leute lichteten sich vor Timurs Statue ab, in ach so tollen Posen mit definierter subjektiver Grazilität, für das Familienbuch, oder wofür auch immer. Doch sei zu bedenken, dass er skrupellos war und historisch belegt als Massenmörder gilt.

Jörg versuchte ein Foto von der Statue und dem sowjetisch kolossalen Hotel Usbekistan zu schießen, auf dem keine Menschen zu sehen waren. Dies blieb trotz minutenlangen Wartens ohne Erfolg. Nach einem eigentlich fix angedachten Stopp, der sich durch die langsame Küche des Cafés ganz schön in die Länge zog, ging es ins Photo-Museum. Dort empfing uns eine kleine, aber feine Ausstellung (kostenlos und klimatisiert!). Danach ging es zu einem Basar (zu dem etwas kleineren Alay-Basar, nicht der Chorsu-Basar). In der davor liegenden Einkaufspassage hatte Jörg sich noch Wasserflaschen gekauft, in einer Plastiktüte, die nach dem Verlassen des Ladens innerhalb kürzester Zeit durch das Gewicht der zwei Plastikflaschen zerbarst... Tolle Wurst! Auf dem Basar lieferten wir uns einen kleinen Wettkampf (mit einseitigem Interesse geführt), wer das günstigste Angebot für eine mittelgroße Zusammenstellung von Nüssen und Trockenfrüchten erhaschen konnte! Jörg bevorzugte die fixe Frage-Antwort-Taktik mit Sonnenbrille, Janina wandte die Ich-probiere-mich-durch-die-Leckereien-erst-einmal-vorher-durch-Taktik an. Zum Schluss lagen die Angebote preislich ordentlich auseinander; Jörg durfte zwei dieser mittelgroßen Knabbersachenzusammenstellungen für je 25000 SOM kaufen :)) Jaja, was tut man nicht alles für 2,50 Euro.

Anschließend ging es zu dem Denkmal für die Opfer des Erdbebens in Taschkent im Jahr 1966 und nach dem Passieren des Museums zum olympischen Ruhm (dessen Forte um 17h schloss, wir waren um 16:40h da, zu spät dran) zu dem Park Navruz. Dort fanden sich die Sehenswürdigkeiten der vielen usbekischen Städte als Miniatur-Version. Außerdem konnte diese Park-Anlage mit viel Grün überzeugen und einem Riesenrad. Wir hatten uns gegen eine Fahrt mit diesem entschieden, obwohl schon langsam die Sonnenuntergangszeit begann (romantisch!). Wir gingen stattdessen weiter nördlich in Richtung des Anhor Lokomotiv Vergnügungsparks. Die meisten Fahrgeschäfte waren leider geschlossen, manchmal blinkten noch die Lampen, doch Tickets konnten keine gekauft werden. Es war schon etwas traurig, zumal wir gerne Vergnügungsparks besuchen. Unser eigentliches Ziel war jedoch die weiße Minor-Moschee. Passend zum Sonnenuntergang erreichten wir diese, daran konnte uns weder die wassergefluteten Bürgersteige auf dem Weg dorthin, noch die Massen an Männern, die in die Moschee bzw. in den Waschraum eilten, hindern. Die Moschee wie auch ihr Innenhof waren schön anzusehen, auch wenn etwas türkis fehlte ;-))

Abends gingen wir im Restaurant "Pottermania" essen. Ein Restaurant, dessen Deko und Speisekarte ganz im Stile von Harry Potter gehalten waren. Ein tolles Event! Wir durften auch Fotos in passender Verkleidung machen... Getrunken hatten wir Butterbeer und giftige Tränke, zu essen gab es grün- und blau-gefärbte Burger, beides vegetarisch, und einen Schnatz zum Nachtisch. Wir aßen uns kugelrund. Zum Schluss konnten wir so grade eben die Zeche bezahlen (bis auf 5000 SOM), da das Restaurant keine Dollar annahm... Wir legten dennoch einige Dollar dazu, Trinkgeld musste sein, bei so einem empfehlenswerten Restaurant! Es war schon lustig, gerade in Taschkent ein so authentisches, auf kleinste Harry-Potter-Details achtendes Restaurant zu finden!

Am Freitag, dem letzten Tag in Usbekistan für Jörg, fuhren wir zuerst mit der Metro zum Chorsu-Basar. Die Verzierungen in den Metro-Stationen hielten mit denen, die es in St. Petersburg und Moskau zu bestaunen gibt, durchaus mit. Die Metro-Chips aus Plastik waren für uns das eigentliche Highlight, sowie die kleinen 100er und 200er SOM-Geldscheine und die 100-SOM-Münzen :) Diese hatten wir als Wechselgeld in größeren Mengen erhalten. Als wir am Chorsu-Basar ankamen (zur Mittagszeit), gingen wir zuerst in das bekannte zweistöckige Gebäude mit der Kuppel. Es reihte sich Stand an Stand, die pro Stockwerk praktisch die gleichen essbaren Güter verkauften. Aufgefallen waren uns auch die zahlreichen Tauben, die sich hier und da auf die Nahrungsmittel niederließen. Uncool. Auch draußen ähnelten die Angebote denen, die wir gestern und anderswo bereits gesehen hatten. Somit, und obwohl es insbesondere in der Brot-Ecke lecker duftete, konnte uns der Basar insgesamt vor allem aufgrund der vielen Tauben nicht überzeugen.

Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Teleshayakh Moschee (oder Tillya Sheikh) und zur dazugehörigen Barakhan Medrese, die zum Hazrati Imam Komplex gehören. Der Weg gestaltete sich etwas abenteuerlich, da neben dem Moscheen-Komplex eine weitere neue, riesige Moschee errichtet wurde, für die auch zahlreiche Wohnhäuser weichen mussten. Entsprechend war die Umgebung unaufgeräumt und zum Teil unpassierbar. Als wir an der Teleshayakh-Moschee ankamen, trafen wir auf Team DUS und Team FRA. Wie klein doch Taschkent ist! Wie mittlerweile bekannt, gefielen die Moschee und die Medrese mit ihren blau-türkisen Mustern und Kuppeln von außen, innendrin gab es die üblichen Kunsthandwerk-Souvenirshops. Außerdem konnte in der Bibliothek der ebenfalls zum Komplex gehörenden Muyi Muborak Medrese ein Koran aus dem 7. Jahrhundert bestaunt werden. Leider war Jörg an diesem Tag überaus angegrummelt, nicht weil es der letzte Urlaubstag war, sondern weil ihm seine Verdauung zu schaffen machte, und dies schon einige Tage lang. Janina konnte ihn etwas aufmuntern und ihn dazu ermutigen, zum Eisenbahnmuseum zu fahren. Das Eisenbahnmuseum konnte die Stimmung um ein Vielfaches verbessern: Janina und Jörg kletterten auf unterschiedliche, riesige Loks und machten Fotos voneinander. Richtig cool. Und ein echtes Kontrastprogramm zu den Moscheen.

Danach ging es zu dem Human House, einem nachhaltigen Verkaufsladen von einheimischen Waren. Da die Zeit drängte, der Laden machte schon bald zu, machten wir einen auf Anhalter! Ein, zwei, drei Fahrer hielten an, doch weigerten sich, uns zu dem Ziel zu fahren, das wir ihnen mit unserem Handy zeigten. Der vierte Versuch war erfolgreich. Doch der Fahrer kam irgendwie mit unserem Handy-Navi nicht zurecht. So fuhren wir erst in die entgegengesetzte Richtung, dann im Kreis und so fort... Erst in gemeinsamer gestenreicher Arbeit zwischen Fahrer und dem Co-Piloten kamen wir am Human House an. Die wilde Taxifahrt hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Wir kauften praktisch den halben Laden leer ;-) Insbesondere die Möglichkeit, sich in Ruhe umzuschauen ohne dabei von der Seite angequatscht zu werden, gefiel uns sehr! Lustigerweise trafen wir auf ein russisches Paar, das untereinander deutsch sprach, und es stellte sich im Gespräch heraus, das es ebenfalls in der gleichen Stadt in Deutschland wohnte... Nicht nur Taschkent, sondern die Welt ist klein! Am Abend ging Team Moskwitsch in das zu empfehlende Mona-Restaurant. Die anderen Teams aßen bei Jumanji bzw. Pasado, die ebenfalls zu empfehlen waren.

Am Samstag ließen wir es ruhig und entspannt angehen. 13h war die Abfahrtszeit für Jörg in Richtung "Taschkent-Flughafen"; es folgte für ihn noch eine Dienstreise im fernen Osten. Nach einem ganz langen und dollen Knuddel hieß es Abschied nehmen voneinander - für die kommenden 6 Tage. Janina ging danach weiter auf Entdeckungsreise und sah sich zuerst das Museum of Applied Arts an (25000 SOM), welches ganz in der Nähe des Apartments lag. Es war ganz nett, vor allem da es recht leer war und man sich die Ausstellungsstücke in Ruhe angucken konnte. Wie überall befand sich innendrin natürlich auch ein Kunsthandwerk/Souvenir-Shop. Insgesamt gab es allerdings nicht viel Neues, was man als erfahrene Usbekistan-Reisende nicht bereits kannte. Beim Verlassen des Museums kamen gerade drei Reisegruppenbusse an, also schnell weiter! Vorbei am White House (Islam Karimov) Museum bis zum Unabhängigkeitsplatz (groß, aber nichts Besonderes) und weiter zum Memorial Square mit einer ewigen Flamme und der Statue der trauernden Mutter für die im Krieg gefallenen Soldaten. Die Namen aller Soldaten waren in eine Art Büchern aufgelistet, sortiert nach Städten. Ein paar Bänke luden zur Entspannung ein. Weiter ging es vorbei an der schicken, neuen Nationalbibliothek hin zum Flohmarkt in der Nähe des Broadway-Boulevards. Dort konnten noch ein paar Souvenirs erstanden werden bis der letzte SOM ausgegeben war (beinahe). Auch für Malereien und Zeichnungen, Anstecknadeln, Abzeichen und sonstiges sowjetisches Zeug ist der Flohmarkt wirklich sehr zu empfehlen. Nach einem letzten gemeinsamen usbekischen Abendessen im Mona-Restaurant mit Team DUS (Team FRA war bereits am sehr frühen Samstag Morgen nach Hause geflogen) folgte ein letzter Versuch, in Tasshkent Postkarten zu ergattern. Dies war überraschenderweise um einiges schwieriger zu bewerkstelligen als in den vorherigen Städten! Schließlich wurde Janina auf dem Broadway fündig, der erst abends zu seiner eigentlichen Größe aufkam: Eine Art Kirmes mit diversen kleineren Vergnügungs-, Ess- und Souvenirständen, Live-Musik, viel bunter Beleuchtung (teils aus China) und vielen Menschen, groß und klein. Zwischendrin auch ein Stand, bei dem man sich für 500 SOM (5 Cent) auf einer Waage wiegen konnte. Ob sich das lohnte? Zum Abschied leuchtete das Hotel Usbekistan ebenfalls in allerbunten Farben. Nach einer Mini-Mütze Schlaf begann die Rückreise für "the last teams standing" um halb 2 nachts.

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