Oslo, graue Stadt am Fjord
Oslo war eine gestauchte Stadt, Oslo war eine junge Hauptstadt, Oslo war eine unfertige Stadt. Ein kurzer Ritt durch die Stadtgeschichte: Wikingersiedlung, unter dänischer...


Veröffentlicht: 20.04.2026




















Hatte ich mich für die Richtige entschieden? Helsingborg war mit mehr als 100.000 Einwohnern die größte der drei Städte und verfügte über einen Fernbusanschluss, einen Bahnhof und ein Fährterminal. Abgesehen von einer kleinen Altstadt und der Strandpromenade war es das auch. Helsingborg war eine Vernunftentscheidung.
Anders verhielt es sich mit Helsingør, der Mittleren. Die Stadt lag 30 Fährminuten entfernt auf der dänischen Seite des Øresund hier steppte der Bär. Die historische Altstadt bot allerlei touristische Kurzweil, Infotafeln, Bars und Cafés, dazu (auch hier) ein modernes Kulturzentrum in Hafennähe und eine gewaltige Festung, bestens erhalten und bekannt als Schauplatz von Shakespeares Hamlet.
Schließlich gab es noch Landskrona, die Kleine, ein Provinznest. Auch dort gab es eine historische Feste zur Kontrolle der Meerenge, jedoch wesentlich weniger spektakulär als in Helsingør. Infotafeln waren meist ausschließlich in Schwedisch. Die Innenstadt war am Sonntag menschenleer.
Mit den zwei Tagen am Øresund endete mein Sommerurlaub in Europas Norden. Nach zwei Wochen Rumtouren und Roadtriping war es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Helsingborg lag auf halber Strecke zwischen Oslo und Berlin. Ich erreichte die Stadt mit dem Nachtbus am frühen Morgen und verbrachte meine ersten Stunden im einzige Café, das um diese Zeit bereits geöffnet hatte.
Den Samstagnachmittag verbrachte ich im dänischen Helsingør. Hier erlebte ich den größtmöglichen Gegensatz zur schwedischen Großstadt. Viele Menschen, sehr viele Menschen streiften durch die Straßen und belagerten die Außengastronomie.
Auf der Terrasse eines Restaurants kehrte ich ein, um mich meiner Reiselektüre zu widmen, dem "Zeno Cosini" des Triestiners Italo Svevo, als eine Gruppe Herren mittleren Alters dazustieß. Mehr Herren folgten, alle mit ähnlichen Jackets und Krawatten gekleidet. Ein Altherrenclub hatte das Lokal für einen Umtrunk ausgewählt.
Lautstark und raumgreifend schwoll die Gruppe an. Ein junger Adlatus - Jacket und Krawatte saßen noch nicht so ganz - scharwenzelte zwischen den Tischen umher und gab sich übermäßig servil, wenn er extra Eiswürfel für den Gintonic brachte oder Stühle rückte. Ich beobachtete die Szenerie, während mich die Bedienung bemitleidete.
Verbunden wurden Helsingborg und -gør durch eine Fährlinie. Im 20-Minutentakt verkehrten die Schiffe (u.a. die "Hamlet") zwischen den zwei Städten. Offensichtlich war die Fähre mehr als ein Verkehrsmittel. Ausgestattet mit Lokal, Restaurant, Dutyfree-Shop nutzen viele Menschen die kurze Überfahrt zur Zerstreuung, schließlich war es nicht notwendig, von Bord zu gehen, sondern man konnte einfach zwischen den Städten hin und her schippern und in internationalen Gewässern vergünstigt trinken, essen und shoppen. Abends gab es sogar einen DJ und aus den Boxen tonten Diskoklassiker. Die skandinavische Nüchternheit ging dabei schnell über Bord. Ich freute mich auf mein Bett.
Am Sonntag folgte dann ein Besuch im beschaulichen Landskrona. Dort beschloss ich meinen Urlaub an diesem herrlichen Sonntag mit einem Saunabesuch in einem Kaltbadehaus. Lediglich die schwedische Anleitung zum Selbst-checkin stellte mich vor Schwierigkeiten - verlangt wurde u.a. eine nationale Steuer-ID -, so dass ich fast kapitulierte. Glücklicherweise verkaufte das Freibad am Strand auch Zugang zur Sauna und ich erhielt den Zugangscode, per Hand geschrieben auf ein Stück Papier!
Montag folgte dann der Heimweg, mit dem Bus, per Fähre nach Fehmarn, über Rostock nach Berlin.
