Bay of Fires & Campen am Strand
Donnerstag 11.1.18 Die Sonne scheint auf mich, als ich frühstücke. Ich schreibe endlich mal Tagebuch und so ist es schon wieder 10.00h ehe ich los komme. Die Tanke neben dem...


Veröffentlicht: 06.02.2018

























Freitag 12.1.18
Seit einer Woche bin ich also nun schon auf Reisen, seit 4 Tagen in Tasmanien.
Ich bin um kurz nach 6h wach, da es hell ist. Der Himmel ist bedeckt und irgendwie ist es schwül. Das Futter liegt unberührt da. Ich habe nichts verpasst. Das Meer rauscht und über den Hängen im Land hängen ziemlich dunkle Wolken. Ab und an müht sich die Sonne und ich sitze schon vor 8.00h vor dem Camper mit Müsli und Kaffee. Der Gaskocher ist echt super!
Schon um 8.45h sitze ich am Steuer und rolle Richtung St. Helens. Dort melde ich mich erstmal in der Heimat. Vielleicht macht sich ja doch jemand Gedanken, wenn ich 18 Stunden nichts von mir hören lasse, was wg. des fehlenden Netzes nicht ging. Kurz nach 10.00h verlasse ich St. Helens, wo ich nochmals Wasser gekauft habe.
Ich möchte zunächst zu den St. Columba-Falls, wenngleich ich ja kein Wasserfall-Fan bin. Im Dunstkreis dieser 90m hohen Fälle gibt es eine berühmte alte Kneipe „The Pub on the Paddock“ (ca. von 1880) und quasi nebenan eine Cheese Factory in Pyengana zum Ansehen. Also für diese drei Sachen lohnt es sich nun Richtung Westen ins Inland loszufahren. Und ich will ja heute eh weiter nach Westen, so passt das alles bestens zusammen.
Die Straße zu den St. Columba Falls ist schon mal ziemlich kurvig und ich bin froh, nicht mit einem Wohnmobil unterwegs zu sein. Das Fahren ist etwas anstrengend, es geht bergauf plus endlose Kurven, da muß man dauernd schalten, 1., 2., 3. Gang und wieder runterschalten. Als ich dann am Ende angekommen bin, gibt es dort keine Parkplätze. Jemand, der vor mir mit einem Wohnmobil angekommen ist, steht ziemlich ratlos dort und ich erwische am Straßenrand die letzte Lücke. Rückwärts einparken, ohne den Hang runter zu fallen . Für eine solche Sehenswürdigkeit ist das hier ziemlich spartanisch mit den Parkmöglichkeiten. Es gibt nur in dem hölzernen Durchgang zu dem kleinen Wanderweg ein paar Infos, aber weder gibt es hier Toiletten noch eben wirklich sinnige Parkplätze, nur einen Wendehammer und vielleicht 10 Parkmöglichkeiten an der Straße. Der Himmel ist ziemlich duster und ich hoffe, dass es die nächste halbe Stunde trocken bleibt. Der Sandweg führt hinunter zum unteren Ende der kleinen Fälle und man sieht schöne moosbewachsene Baumstämme, viele Epiphyten, riesige Baumfarne – Urwald und Regenwald. Ein schöner Weg. Der Wasserfall ist mickrig. Mag an der geringen Regenmenge und der Tatsache liegen, dass Sommer ist – und bestärkt mich einmal mehr in meinem Grundsatz, im Urlaub die Besichtigung von Wasserfällen und Kirchen auf kleine einstellige Zahlen zu beschränken, weil es im Regelfall einfach nicht lohnt, bzw. doch irgendwie gleich aussieht oder – wie in diesem Fall – keinen wirklichen Eindruck hinterlässt.
Also den Weg wieder bergan zurück zum Auto und die Kurven den Berg wieder runter und zum Pub on the Paddock, der in Pyengana in einem weiten Tal liegt, umgeben von Kuh-Weiden, die die viele Milch für den Käse der benachbarten Cheese Factory geben.
Entgegen der Landschaft an der Ostküste mit den vielen braunen, trockenen Grasflächen, ist es hier viel viel grüner und eine liebliche Landschaft, die irgendwas zwischen Schleswig-Holstein und Bayern ist. Es ist Mittag und ich überlege mir, dass ich in dem Pub einen Snack einnehme. Komme mit einem tasmanischen Ehepaar in Kontakt. Der Mann Typ Waldschrat ist kaum zu verstehen. Aber so komme ich mit meiner Fahrt-Planung des restlichen Tages klar, denn ich will in Richtung Westen weiter und auf die westliche Seite des Tamar River, nach Beauty Point. Die Frage ist daher, ob ich über Launceston und ggf. bessere Straßen fahre, oder ob ich über kleinere Straßen fahre und praktisch auf der Höhe von Beauty Point über den Tamar River über eine Brücke fahre. Die beiden plädieren für die Batman Bridge und die kleineren Straßen, sprechen aber auch von knapp 3 Stunden, die ich noch für die rund 170km brauchen werde.
Ich fahre die paar hundert Meter zu der Cheese Factory und stelle fest, dass man die Herstellung nur durch ein Fenster von außen beobachten kann und dort nicht wirklich irgendwas abläuft. Im Wesentlichen ist dies also ein Café und in meinem Lonely Planet werden die Milkshakes gerühmt. Ich warte eine endlose Ewigkeit von fast 30min auf den Take Away-Milkshake, der zu den schlechtesten zählt, die ich jemals hatte. Es ist praktisch aufgequirlte Milch mit Geschmackssirup, es ist keinerlei Eis in dem eh nur zur Hälfte befüllten Becher – sowas ist für mich kein Milkshake. Hoffentlich ist das kleine Stück Käsekuchen, das ich für heute Abend mitgenommen habe, besser…
Um etwa 13.30h komme ich also in Pyengana los und hab nun noch eine ganz schöne Strecke vor mir. Ich fahre durch eine hügelige Landschaft, die fast unbewohnt scheint. Der Himmel ist bleischwer und immer wieder regnet es. Ich bin froh, daher heute überwiegend mit Fahren beschäftigt zu sein, da stört das nicht so. Hinter Scottsdale ist die Strecke tw. gravel, aber gut zu befahren und ich bin jetzt schon dankbar, dass Tassie Motor Shacks mit ihren älteren Autos das Befahren von unbefestigten Straßen erlaubt. Ich biege von der B81 kurz nach Norden ab und fahre Richtung Bridestowe Lavender Estate, weil ich die großen Lavendelfelder dort sehen will. Während ich noch auf dem Parkplatz manövriere geht ein Wolkenbruch nieder, so dass ich nicht einmal aus dem Auto komme. Als es etwas weniger wird, sprinte ich schnell zum Shop, stehe im Regen vor den nassen Lavendelfeldern und kaufe rasch ein bißchen Seife, springe wieder ins Auto und fahre weiter. Das bringt hier ja nichts. Schade. Aber dann muß ich eben nach Südfrankreich.
Zurück auf der B81 geht es bald etwas nach Süden und oberhalb von Lilydale auf die gut fahrbare C811 und C812, bevor ich irgendwann wieder auf eine A-Straße (A3) komme, die ich etwas nach Norden fahren muß, um zur Batman Bridge zu kommen. Die 432m lange Brücke ist die älteste Schrägseilbrücke Australiens und daher eine Sehenswürdigkeit. Mich beeindruckt sie nicht so sehr, aber wer sich mit so etwas auskennt, wird ob der technischen Leistung begeistert sein. Sie ist 1968 eröffnet worden.
Kurz vor 18.00h, also nach über 4 Stunden, erreiche ich endlich Beauty Point und damit nur Minuten vor der Schließung des Büros des Campingplatzes. Da dieser mit einer Schranke/Zahlencode gesichert ist, hätte ich ansonsten heute echt in der Walachei campen können und bin so froh, dass es noch geklappt hat. Jeder Stellplatz hat eine große Asphalt-Fläche auf der einen Seite, so dass man – wenn man die Schiebetür aufmacht, eine gerade Fläche ohne Dreck hat, wenn man in/aus dem Camper kommt und auch die Campingmöbel gerade stehen. Sehr schön. Zudem gibt es sehr breite Stellflächen, die auch noch rechts und links von rund 3m hohen Hecken zum Nachbarn begrenzt sind und man so wirklich keine Leute hat, die einem ins Fenster gucken. Die Duschen sind toll und sauber, die Toiletten, Waschbecken ebenso und Duschen kostet nix. Dazu gibt es kostenloses WLAN, das gut funktioniert. Ich werde hier sicher noch einen Tag länger bleiben.
In der Dämmerung sitzen Wallabies und Pademelons auf dem Campground und futtern auf der großen Rasenfläche.