TASMANIEN - 3 Wochen solo im Camper

Im Januar 2018 - 2.400km alleine mit dem Campervan durch Tasmanien

Grindelwald, Launceston und die Cataract Gorge

Samstag 13.1.18

Das Wetter sieht wieder etwas besser aus und ich melde mich nach dem Frühstück für eine weitere Nacht an. Der Preis von 25 $ für eine powered site ist wirklich super und dieser Campground liegt direkt am Wasser einer Ausbuchtung des Tamar River, der etwas weiter nördlich in die Bass Strait mündet. Ein kleiner Strand ist keine 50m von meinem Stellplatz entfernt. Es ist ruhig und die Qualität der Waschräume ist echt gut.

Bevor ich nach Launceston fahre, steuere ich erst einmal das Platypus House im kleinen Hafen von Beauty Point an. Hier kann man sich über die „monotremes“ – Schnabeltiere und Ameisenigel informieren – Platypus und Equidnas. Monotremes heißt praktisch „Einloch“ und beschreibt die Tatsache, dass diese Tiere sog. Kloakentiere sind. Der englische Begriff ist wirklich etwas hübscher, als der deutsche.

http://www.platypushouse.com.au/

Es handelt sich um sog. Ursäuger, deren Besonderheit ist, dass sie Eier legen und dennoch ihre Jungen säugen und deswegen zu Säugetieren zählen. Es gibt diese Tierart ausschließlich in Australien und Neuguinea. Sie sind Fleischfresser.

Das Platypus House kann man nur im Rahmen einer Führung besuchen. Der Eintritt mit 22$ für einen Senioren (ein bißchen rumalbern und man spart 3 Dollar) ist ok. Zunächst gibt es einen 15minütigen Film über diese Tiere und dann stehen wir um einen Menschen herum, der uns zunächst auch an einem ausgestopften Beispiel die beiden Tierarten erklärt. Schnabeltier-Männchen haben ziemliche Giftsporne am Körperende, die bei den Weibchen zunächst auch vorhanden sind, dann aber verkümmern und ohne Funktion bleiben. Schnabeltiere – so drollig sie auch aussehen, sind ziemliche Aggros, wenn man ihnen falsch kommt. Und das Gift dieser Sporne der Männchen ist für alle Feinde – auch den Menschen extrem gefährlich. Es führt beim Menschen zu extremsten Schmerzen, die monatelang anhalten und auch mit Morphium nicht zu beseitigen sind. Die einzige Form, dies als Mensch zu durchstehen ist praktisch ein mehrmonatiges künstliches Koma. Der Typ, der uns hier alles erzählt, erwähnt eine frühere Leiterin eines Zoos, die einmal ein Männchen falsch gepackt hat und fast 2 Jahre im Anschluß im Krankenhaus lag und bis heute immer noch unter insbesondere Muskelschmerzen leidet, die immer wieder aufflammen. Männchen sind sehr revierbedacht und bekämpfen durchaus auch ihre Artgenossen damit.

Schnabeltiere sind permanent am Auf- und Abtauchen, bis zu 1000 Mal am Tag. Sie verschließen beim Tauchen sowohl Augen, als auch Nasen und bewegen sich in einer schlangenförmigen Seitwärtsbewegung, während sie mit dem flachen Schnabel immer von links nach rechts schwenken. Im Schnabel sind Elektrorezeptoren, mit denen sie die Muskelkontraktionen von Beutetieren wahrnehmen können und so – ohne zu sehen – ihre Würmer und Krustentiere finden und essen. Ein Tauchgang kann nur bis 2 Minuten dauern. Man sieht nach dem Abtauchen eines Schnabeltieres unter der breiten Schwanzflosse Luftblasen aufsteigen, die dort eben abgesondert werden, damit das Tier weniger Auftrieb hat.

Weibchen legen etwa 3 Eier, die Tiere schlüpfen nackt in einer Größe von ca. 25mm. Da weibliche Schnabeltiere keine Zitzen haben sondern ein Milchfeld am Bauch, lecken die Jungen dort die Milch vom Fell. Wundersame Natur!

Die Schabeltiere sind wirklich mit den Ameisenigeln verwandt – Schnabeltiere gelten tatsächlich als lebendes Fossil.

Ein wirklich interessanter Vormittag. Die Führung geht an Aquarien vorbei und man kann die Schnabeltiere bei ihrer Futtersuche genau beobachten. Dann geht es in einen hohen Raum mit Bäumen, Büschen und Sand, in dem einige Equidnas rumlaufen, die auch völlig neugierig schon an der Tür sitzen und dann kleine Schalen mit etwas Futter kriegen, damit wir sie gut beobachten können. Dann laufen sie zwischen den Besuchern rum und sind nicht scheu. Es gibt Equidnas in allen möglichen Färbungen, bis zu ganz hell/weiß, was aber keine Albinos sind, sondern farbliche Ausprägungen, die mit ihrem Lebensraum zu tun haben.

Das war mal echt eine gute Info!

Es ist schon fast 12.00h als ich in Beauty Point losfahre. Mittlerweile scheint die Sonne von einem blauen Himmel und die etwas trübe Phase habe ich erfolgreich im Innern des Platypus House verbracht.

Die Fahrt nach Launceston dauert etwa 45 Minuten. Ich fahre aber noch einen Schlenker zu Bradys Lookout, von wo man einen wundervollen Ausblick über den Tamar River und das Tal hat. Kurz darauf biege ich nach rechts ab Richtung Grindelwald. Ein Ort, den man wohl versuchen wollte, wie in einem europäischen Bergort aussehen zu lassen. Gelungen ist das nicht. Sieht eher aus, wie eine Aneinanderreihung von kleinen Southfork-Ranches, alle mit weißen Gartenzäunen abgeteilt, aber sehr nobel. Der Ort hat keinen Ortskern sondern besteht nur aus Wohnstraßen und einem kleinen Teich und einem Friedhof, so dass ich nach 10min wieder auf dem Highway nach Süden unterwegs bin und Launceston ansteuere. Launceston ist die zweitgrößte Stadt Tasmaniens mit knapp 80.000 Einwohnern. Sie ist eine der frühesten europäischen Siedlungen in Tasmanien von Anfang des 19. Jahrhunderts und hat eine Vielzahl schöner alter Gebäude und im Stadtgebiet eine Natur-Sehenswürdigkeit, die Cataract Gorge.

Nachdem ich in der Nähe der Abfahrtsstelle der kleinen Rundfahrtboote einen Parkplatz gefunden habe und ohne Schramme eingeparkt habe, hechte ich als letzte um 13.30h auf die 50-Minuten-Rundfahrt. Nun ja. Es ist nicht wirklich das, was ich mir gedacht habe, und mit 33$ auch noch sehr teuer. Man fährt entlang der Hänge mit schönen, teils alten Häusern und biegt dann in Richtung der Cataract Gorge ab. Da diese aber nach ca. 150-200m mit großen Felsbrocken versperrt ist, ist das Erlebnis eher schmal. Ich hatte gehofft, dass man weiter reinfahren kann. Aber nun ja. Cataract ist eben Cataract – hätte ich mir auch denken können…

Also schnappe ich mir danach meinen Camper und fahre in die etwa 1,5km entfernte Innenstadt, ohne zu wissen, wo ich da genau hin will. Ich finde einen Parkplatz für 2,70$, der auf 1 Stunde Parken limitiert ist. Schöne Häuser stehen hier, alte Kirchen und wirklich schöne Fassaden. Dazu einige Läden, oh – die Zivilisation! Ich laufe also etwas kreuz und quer und finde einen Woolworth-Supermarkt, in dem ich ein paar Dinge nachkaufe, die ich schon verbraucht habe. Nach einer Stunde bin ich dann wieder am Auto und fahre Richtung Cataract Gorge. Da muß ich dann erstmals wirklich links rückwärts mit dem Camper in eine Parklücke zwischen zwei Autos kommen. Geht aber ok, weil der Wagen praktisch komplett einsehbar ist. Dennoch sind 5m Länge schon eine Ansage.

Der Weg am rechten Schluchtrand ist gut zu gehen (gegenüber ist der Zig-Zag-Way, den man mir nicht empfohlen hat). Es gibt jetzt schönes Licht, denn es ist schon 16.00h, als ich loslaufe und die Sonne scheint auf das mir gegenüberliegende Ufer. Man läuft etwa 25min bis zu einem Pavillon und einer Hängebrücke am Ende der Schlucht.  Es gibt zudem die längste single-span Sessellift-Strecke der Welt, die mit über 300m über diese Schlucht führt. Mich erwischt ein Schauer und weitere warten – so dass ich die Querung der Schlucht über diese Brücke bzw. mit dem chair lift drangebe und nach einem kleinen Rundumblick den Rückweg antrete. Hier, in diesem Pavillon kann man eine schöne Tea time einlegen. Das Gekreische der vielen Pfauen hier ist jedoch auf Dauer etwas nervig.

Wie immer ist es so, dass, wenn man den gleichen Weg zurück geht, die Optik wieder andere Facetten bietet und ich kann gar nicht sagen, wieviel Fotos ich von diesen etwa 1,5 Stunden habe, die ich hier rumgelaufen bin und immer wieder angehalten habe, um zu schauen und zu fotografieren.

https://www.discovertasmania.com.au/attraction/cataractgorgereserve

Um kurz nach halb sechs bin ich wieder am Auto, fahre nochmals zu dem Woolworth um noch Wasser und Dosenfutter zu kaufen, was ich vorhin nicht schleppen wollte. Hierbei stellt sich erstmals das Problem, dass ich mit dem 2,50m hohen Camper in keines der Parkhäuser komme und dann nebenan auf dem Parkplatz eines Bottle Shops parken muß, mir da noch alibiweise eine Flasche Wein hole und schnell nebenan zu Woolworth einkaufen gehe.

In schönstem Abendlicht fahre ich zurück nach Norden zu meinem Campground in Beauty Point. Nochmals halte ich am Brady’s Lookout, wo ich die Aussicht jetzt noch viel schöner vor mir habe, da das Abendlicht das Wasser und die Umgebung ganz besonders bestrahlt.

Leider hat mir die Campingplatz-Frau heute morgen keinen neuen Code für’s WLAN gegeben, so dass ich das heute nicht habe. Aber ich habe ja meine Datenkarten.

Ich werfe meinen Gaskocher an, den ich zunächst vorm Camper platziere. Da aber, wie immer, sobald die Sonne weniger wird, der Wind auffrischt, zerwischt dieser die Flammen unter dem Topf und ich bugsiere den Kocher auf den Fußboden in den Camper, wo er etwas windgeschützter steht. Heute gibt es „Butter chicken“ aus der Dose, was eine Art Eintopf mit Hühnerfleisch ist, der zudem ziemlich gut gewürzt ist. Echt lecker, dauert nur über ne Viertelstunde, eh das warm ist. Ich bin mittlerweile mit Fleecejacke und dicken Socken angezogen, und freue mich über das warme Essen. Dazu noch einen Rest frischen Salat und zwei Becher Hagebutten-Tee. Ich sitze drinnen im Camper und esse dort, während es draußen immer windiger und kälter wird. Ich schlafe ohnehin schon seit mehreren Nächten mit einem Fleecepullover über dem Schlafanzug, weil nachts die Temperaturen unter 10 Grad bleiben. Die Tagestemperaturen sind so zwischen 16 und 22 Grad. Absolut angenehm und natürlich völlig anders, als auf dem australischen Festland im Sommer.

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