13.1.2018: Regen, Regen und noch mehr Regen
Den Vormittag verbringe ich aufgrund des anhaltenden Regens wohlbehütet im Hostel. Als dieser gegen Mittag endlich eine Pause einlegt, schlinge ich schnell mein Essen hinunter...


Veröffentlicht: 18.01.2018



























































Um 7:30 Uhr verlasse ich mein kuschelig warmes Bett, denn heute steht viel auf dem Programm. Die Wetteraussichten sind ausnahmsweise hervorragend - das muss ich unbedingt nutzen.
Zunächst geht es zu den Pupu Springs, den (laut Lonely Planet) größten Süßwasserquellen Australiens und Ozeaniens, die sich gleich hinter Takakas Ortsausgang befinden. So früh am Morgen ist der Parkplatz fast noch komplett leer. Ich beschließe, die Infotafeln später durchzulesen und stiefel erstmal los. Zu Beginn ist der Flusslauf, dem der Weg folgt, wenig spektakulär, aber man erkennt sofort, dass das Wasser sehr sauber ist. Das große Wow kommt nach wenigen Minuten in Sicht. Türkis schimmerndes, glasklares Wasser, welches bis auf den Grund blicken lässt. Die Pupu Springs rühmen sich damit, eines der klarsten Gewässer weltweit zu sein und seit 22 Jahren die hohe Wasserqualität aufrecht erhalten zu können. Bis 2007 konnte man hier noch tauchen und schwimmen; seither ist jeder Wasserkontakt untersagt und die Pupu Springs können nur noch auf einem kurzen Rundweg bestaunt werden.
Weiter geht es ins Whanganui Inlet. Eine angeblich gut instandgehaltene, etwa 40 km lange Schotterstraße führt zunächst durch Regenwald und dann am Ufer des Whanganui Inlets entlang nach Anatori. Zwei von drei meiner mitgeschleppten Reiseführer empfehlen, sich Zeit für den Abstecher zu nehmen, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die eine Autorin einige ihrer Ideen vom anderen Autor abgeschaut hat, zumal sie ihn mehrfach als Quelle zitiert. So richtig genießen kann ich die in der Tat fantastische Aussicht aber leider nicht, da die schmale Schotterstraße meine ganze Aufmerksamkeit fordert. Wie gern wäre ich jetzt auch mal Beifahrer...
Vor allem auf den langen Brücken hat jeweils nur ein Auto Platz, also erst schauen, ob schon jemand drauf ist und dann zügig überqueren. Die Ansicht der Autorin, dass man aufgrund des niedrigen Verkehrsaufkommens getrost mitten auf der Straße für Fotos anhalten kann, teile ich nicht. Heute zumindest ist verhältnismäßig viel los, vielleicht liegt das aber auch einfach am Wochenende. Auf halbem Wege mache ich kehrt, da ich in dem Schneckentempo noch eine Stunde bis zum Ziel brauchen würde und der Tag leider nur 24 Stunden hat. Dadurch verpasse ich so manche schöne Aussicht, aber für einen ersten Eindruck reichte es allemal. Ich halte nur nochmal schnell am Abzweig zum Knuckle Hill Lookout Track an und sprinte die 600 m bis zum Parkplatz, um mein Fahrzeug nicht unnötig auf der noch holprigeren Straße zu malträtieren (so gesehen hat es Cory gar nicht so schlecht bei mir). Von hier aus laufe ich einige Meter bis um die zweite Kurve, wo allerdings schon die dritte wartet - weit gucken lässt der Weg nicht, um abzuschätzen, ob man nicht doch noch ein paar Minuten investieren sollte. Bäume versperren nahezu jede Sicht - den Umweg habe ich mir also für umsonst gemacht. Für den ganzen Track, der von den Fotos her wirklich vielversprechend aussieht, fehlt mir leider die Zeit. Ursprünglich war das Programm für heute auch auf zwei Tage aufgeteilt.
Zurück auf der Hauptstraße sind es nur noch 15 km bis zum Wharariki Beach, doch plötzlich verhindert ein "Road closed" Schild die Weiterfahrt. Die Straße zum Wharariki Beach ist wegen Überflutung geschlossen. Den letzten Kilometer bis zum offiziellen Parkplatz geht es nur noch zu Fuß weiter. Das Wasser steht tatsächlich kniehoch, was einige wenige dennoch nicht von der Durchfahrt abhält.
Vom Parkplatz aus läuft man weitere 20 Minuten über Weideland, vorbei an friedlich grasenden Schafen, bis die Füße in den hoch aufgetürmten, weißen Sanddünen versinken. Wharariki Beach verströmt karibisches Flair und wer widerstehen kann, an einem windstillen Tag wie heute seine mitgebrachte Decke oder das Handtuch sofort auszubreiten und sich in die Sonne zu fläzen, auf den warten zahlreiche Sea Caves, Felsbögen, Muscheln für's Abendessen und eine Robbenkolonie inklusive ausgelassen planschender Jungtiere. Eine besonders coole Robbe holt Anlauf und nutzt einen kleinen Wasserlauf als Rutsche, indem sie lässig bis ins Meer surft. Für Wharariki Beach sollte man sich etwas Zeit nehmen und je weiter man läuft, umso weniger Füßeabdrücke finden sich im Sand. Nach dem Mittagessen und dem obligatorischen Relaxen am Strand will ich gerade aufbrechen, als meine drei deutschen Zimmergenossinnen und Bob, die gute Seele des Hauses, zu mir stoßen. Ich bleibe also etwas länger als geplant und besuche mit ihnen nochmal den Robbenbabyspielplatz. Auf die Begehung der Höhle, für die Bob schwärmt, verzichten wir angesichts des bis an die Unterschenkel reichenden stinkenden Suds aus Seetang, Totholz und wer weiß, was noch alles. Nun muss ich aber wirklich los.
Auf dem Weg zurück zum Auto steht das Wasser schon nicht mehr ganz so hoch auf der Straße, wo mir, fernab vom Meer, tatsächlich ein kleiner Fisch entgegen schwimmt! Wo kommst du denn her?!
Cape Farewell, der nördlichste Punkt der Südinsel, steht als nächstes auf meiner Liste. Der Parkplatz ist nur 500 m von meinem jetzigen entfernt, aber ich spüre die Müdigkeit in meinen Knochen und ziehe es daher vor, zu fahren. In gerade einmal 3 Minuten Fußmarsch ist die Aussichtsplattform erreicht.
Von hier aus windet sich ein nicht ausgeschriebener, lediglich mit orangefarbenen Holzmasten versehener Track an den steilen Klippen entlang über die im saftigen grün strahlenden sanften Hügel. Der Wanderer wird fast durchgängig von tollen Küsten- und Weidelandpanoramen begleitet. Streckenweise sind die orangefarbenen Marker sehr rar gesät und man hat Mühe, nicht vom Weg abzukommen. Eine Umstellung für die verwöhnten Neuseelandreisenden, da Wanderwege für gewöhnlich sehr gut und detailliert ausgewiesen sind. Im Stechschritt schreite ich voran, überquere zwei Weidezäune, laufe ein kleines Stück durch den Wald bis die Landschaft fast schon subalpiner Vegetation weicht. Weiter geht es über loses Gestein bis zum Leuchtturm. Der Pillar Point Lighthouse selbst ist der wohl unspektakulärste der ganzen Welt, doch wenn man noch ein kleines Stück weiter läuft, eröffnet sich dank der niedrigen Buschvegetation ein meilenweit ungebremster Ausblick auf die Küstenlinie und Farewell Spit. Fantastisch! Mittlerweile ist es 19:00 Uhr. Normalerweise würde ich mich jetzt um die Zubereitung meines Abendessens in der Hostelküche kümmern. Die fortgeschrittene Stunde macht mir Beine. Statt der angegebenen 60, schaffe ich den Rückweg in gerade einmal 25 Minuten.
Und noch immer ist der Tag nicht geschafft. Doch zum Glück liegt Farewell Spit auf dem Weg und vom Parkplatz aus sind es nur fünf Minuten über eine Schafweide bis zum Lookout. Entgegen der Meinung meines Hostelmitbewohners, der meinte, dass man Farewell Spit getrost weg lassen kann, bin ich von der sich mir bietenden Aussicht begeistert. Eine 25 km lange, schmale Sanddüne ragt wie ein riesiger Schnabel ins Meer. Betreten darf man das Naturschutzreservoir nur im Rahmen einer geführten Tour.
Auf dem Parkplatz verputze ich noch die beiden anderthalb übrig gebliebenen Würstchen mit Soße. Gut, dass ich etwas mehr gekocht habe, sodass es gerade noch fürs Abendessen reichte. Eigentlich will ich jetzt nur noch nach Hause, aber einen kleinen Umweg muss ich noch einschieben. Also biege ich auf dem Heimweg rechts vom Highway ab und erreiche nach 10 km meinen wirklich letzten Tagesordnungspunkt: den Devil's Boot (Teufelsschuh). Warum er so heißt, davon könnt ihr euch anhand der Fotos selbst ein Bild machen.
Um 21:00 Uhr, so spät wie nie zuvor, komme ich völlig geschafft im Hostel an, wo man sich bereits Sorgen um mich gemacht hat. Schnell noch einen Joghurt hinuntergeschlungen, duschen, Haare waschen, mitten im Flur föhnen, weil in meinem Zimmer schon jemand schläft, und dann endlich, endlich in die Waagerechte legen.
