Veröffentlicht: 30.11.2025





























Am letzten Tag in Kinosaki Onsen treffe ich am Morgen eine sehr nette junge Frau aus Osaka beim Frühstück, die viel Interessantes zu erzählen hat, u.a. dass sie als Kind 7 Jahre in Hamburg gelebt und im letzten Jahr mit Entzücken das Berghain in Berlin entdeckt hat! Ihr Englisch ist erstklassig und ein bisschen Deutsch kann sie auch. Sie berichtet, dass unser Gästehaus 100 Jahre alt ist (1925 hat es ein verheerendes Erdbeben gegeben mit einer Stärke über 7, wobei ganz Kinosaki schwer zerstört wurde) und zuerst ein Geisha-Haus war. Die Großeltern der beiden Schwestern, die jetzt hier wohnen, eröffneten dann das Gästehaus, zunächst eine sehr noble Institution, und als die beiden jetzigen Inhaber es übernahmen, machten sie es zu einer erschwinglichen Bleibe nur für weibliche Reisende.
Sie erzählte auch eine Menge von Japan, z.B. dass die Menschen in Kyoto zwar nett zu den Touristen sind, andere Reisende aus Japan aber sehr arrogant und herablassend behandeln, allgemein als kühl und hochnäsig gelten, während die Osaka-er eher lustig und entspannt seien. Na, was man eben so sagt, genau wie über Münchner, Hamburger oder Berliner.
Und dass es jetzt, nachdem die neue japanische Regierungschefin so frech über Taiwan gesprochen hat, dass Xi sogar versucht, bei Trump Unterstützung zu bekommen, viel weniger chinesische Touristen in Japan sind, was sehr angenehm sei, weil die oft so furchtbar laut und unverschämt aufträten (kann ich unterschreiben).
Und dass die Angst vor dem großen nächsten Erdbeben immer gegenwärtig ist. Sie arbeitet im 32.Stock eines Gebäudes! Man hat ein Emergency-Paket mit etwas Wasser und Keksen und Proviant, Taschenlampe, Radio für etwa drei Tage zu Hause und zweimal im Jahr gibt es in allen Schulen und Firmen Erdbebenübungen, wo sie die 32 Stockwerke nach unten rennen muss!
Zum Abschied mache ich dann noch einmal einen langen Spaziergang durch den Ort, entdecke den kleinen Bootshafen, wo die Schiffchen der Einwohner liegen, die zum Krebsfang oder Angeln zum Meer hinaus fahren, finde eine Galerie mit Holzskulpturen, eine Pfannkuchenbäckerei, wo die runden Dinger frisch ausgebacken und dann in irgendeinem leckeren hellbraunen Pulver gewälzt werden, leiste mir noch einen Taschenkrebs, der vor dem Servieren mit so einem kleinen Feuerwerfer geflämmt wird und brutzelnd heiß in einer sehr japanischen schönen Verpackung im Holzkästchen serviert und auf einer Bank in der Sonne auf den Knien schaukelnd ausgelöffelt wird
Dann ein letztes Bad unter dem schönen Wasserfall. Ich wundere mich, dass es hier ganz anders aussieht als gestern Abend, denke schon, ich hab mich im Bad getäuscht, bevor ich darauf komme, dass täglich die Seiten gewechselt werden. Einmal sind die Frauen rechts der Trennwand, dann wieder links. Rechts ist schöner!😅
Ich hasse Abschied nehmen! Aber am Mittag steige ich in den Zug zu meinem nächsten Ziel, Maizuru, und bemerke im letzten Moment, aber gerade noch rechtzeitig, dass ich meinen Rucksack im Schließfach vergessen habe! Mein letzter Blick fällt auf ein Ehepaar, dass ihre zwei Bulldoggen-Miniaturen im Kinderwagen spazieren fährt und finde, die Ähnlichkeit ist unverkennbar…
Am Abend lande ich in totaler Finsternis in Maizuru und kann nur noch in ein Ramen-Restaurat gehen vor dem Schlafen. Die Katze auf dem Tresen winkt mit der rechten Hand, was bedeutet, dass sie Freunde will, mit der Linken gewinkt heißt, man will Geld!