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28. Kapitel: Ausflug in die japanische Wüste und ein verhinderter Kamelritt

Veröffentlicht: 30.11.2025

Gestern bin ich in die Wüste gefahren. Ich hatte gelesen, dass es bei Tottori eine erstaunliche Sanddüne von 16 km Länge und mit drei Graten direkt am japanischen Meer gäbe, und da ich einen JR-West wide area pass für 5 Tage hatte, dachte ich mir, ich nutze das aus und fahre da mal hin.

Zweieinhalb Stunden hin, zweieinhalb Stunden da und zweieinhalb Stunden wieder zurück. Die Zugfahrt alleine, die ganze Nordküste entlang mit Bergen und Schluchten und vielen kleinen Orten an tiefen wilden Meeresbuchten war schon den ganzen Ausflug wert. Dann kam die Wüste, und ich hatte mir wirklich vorgenommen, sie auf einem Kamel sitzend zu durchqueren, nur: Entgegen aller Ankündigungen war da keines zu entdecken.

Also marschierte ich los, genauso wie hunderte andere Ausflügler. Das Gelände ist riesig und eindrucksvoll, es gibt wieder 100 Verbote: Man darf nicht schwimmen an diesem ellenlangen Traumstrand vor den Dünen, man darf nicht in den Sand malen!!! Man darf keinen Sand mitnehmen! Und so weiter und so weiter, aber jedenfalls darf man sich überall frei bewegen, und da der Sand erstaunlich fest ist, ist es kein Problem, auf alle Hügel und Grate emporzuklimmen, herunterzurutschen oder zu springen, mit Gleitdrachen zu fliegen oder eine Art Sandschlitten zu benutzen, um die Berge herunterzurodeln. Ganze Schulklassen werden von ihren Sportlehrern die Hänge hinaufgescheucht und Gruppen drängeln sich geradezu oben auf der Kippe, um ihre Selfies und Photos zu machen.

Die Ausblicke die steilen Abgründe hinunter zum Meer machen einen beinahe schwindelig, aber ich muss zugeben: Ich bin ein wenig enttäuscht. Ich liebe meine Wüste eher unberührt, und hier ist es schwierig, überhaupt eine Stelle zu finden, wo der Sand so schön geriffelt und gewellt ist, und nicht von Fußstapfen zerstört und zertrampelt wurde. Die Gran Canaria-Dünen haben mir besser gefallen.

Ganz am Schluss meines langen Rundgangs sehe ich schon von weitem endlich zwei Kamele herumstehen, aber als ich näher komme, stellt sich heraus, dass heute nicht geritten wird, sondern die Tiere nur für Photo-shots zur Verfügung stehen, 600 yen für ein Photo mit der eigenen Kamera. Die Leute stehen Schlange und klettern die Treppchen hoch, quälen sich auf den Sitz auf dem Tier und lassen sich strahlend zwei Sekunden ablichten. Ich verzichte dankend, schade eigentlich, wäre sicher komisch gewesen und ich hätte ja zu gerne mal auf so einem Wüsten-Schaukelpferd gesessen!

Stattdessen fahre ich zurück nach Kinosaki und setze mich noch ein bisschen unter dem dampfenden Wasserfall ins heiße Bad.

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