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Zuletzt in Venedig

34. und letztes Kapitel, letzte Streifzüge und letzte Bilderflut

Veröffentlicht: 07.12.2025

Attraktion
Philosophenpfad
Kyoto, Japan
Attraktion
Nanzen-ji
Kyoto, Japan
Sehenswert
Nanzen-ji Aquädukt
Kyoto, Japan
Essen
Yamatoya
$$ · Abendessen
Essen
Mo-an
$ · Snack
Attraktion
Ginkaku-ji
Kyoto, Japan
Sehenswert
Schließfach im Bahnhof
Kyoto, Japan
Sehenswert
Handarbeitsmarkt
Kyoto, Japan
Essen
Yamatoya
$$ · Frühstück
Flug
KIX → HEL
Finnair · 14h 30m · Economy

Die letzten zwei Tage waren reserviert für meine Lieblingsplätze in Kyoto. Eigentlich wollte ich ja noch zu den Stromschnellen in Arashiyama, aber es war einfach zu kalt.
So schlenderte ich noch zwei, drei Mal über den Philosophenpfad, jetzt beinahe blattlos und ziemlich leer, die Touristensaison ist vorbei, jedenfalls sieht man kaum noch westliche Gruppen.
Herrliche Ruhe, und alle Katzen sind noch da: die Stummelschwanzkatze, die braune, die schwarze und die beiden weißgefleckten kommen eifrig angerannt, als wieder eine neue Katzenfütterin anradelt und die Näpfe füllt und aus einer mitgebrachten Flasche frisches Wasser in den Topf gießt. Nochmal streicheln.
Die meisten Cafés und Geschäfte sind den ganzen Vormittag geschlossen, weil ja kaum noch einer vorbeikommt, aber als ich später auf dem Rückweg bin, haben sie doch hoffnungsvoll wieder aufgemacht.
Weiter zum Nanzen-ji, nochmal das Tor bewundern und die alten dicken Holzsäulen streicheln, nochmal beim Aquädukt sitzen und hochklettern und den rasch fließenden Wasserstrom vom Biwa-See beobachten und das Wasser rauschen hören. Die letzten Ahornbäume mit den zarten kleinen Blättern leuchten noch sehr rot und sehr gelb.
Dann zurück nach Norden und ein letztes Ramen beim Nudelschütteler. Ich wollte eigentlich das Fisch-Ramen probieren, aber da ist irgendwas schiefgegangen, dicke Schweinefleischscheiben schwimmen auf der Nudelsuppe, schmeckt aber trotzdem gut. Er scheint heute schlechter Laune zu sein, seine Frau und der junge Helfer werden ganz schön herumgescheucht und in ihrem sehr fleißigen Tun korrigiert, aber vielleicht macht er ja auch nur Spaß.
Eigentlich wollte ich danach noch einen Kaffee im wunderschönen alten Café Mo-an mitten im Wald trinken , das ich auch in der Zwischenzeit vergessen hatte, das mir aber im letzten Moment noch wieder eingefallen war, und für das ich tatsächlich nochmal pustend einen mittelkleinen Berg erklimme, nur um festzustellen, dass es leider geschlossen ist für einige Tage.
Über die Brücke noch einmal schnell den Fluss betrachten und den Adlern und Störchen winken, bevor ich zu meiner maßlosen Überraschung auf der anderen Seite des Flusses noch zwei neue interessante Plätze finde: ein hochmodernes Café mit Photogalerie und einer Ausstellung mit Menschen, die sehr amerikanisch aussehen, aber von einer Insel stammen, die nicht sehr weit vor Tokio liegt und im Laufe der neueren Geschichte vor und nach dem Krieg eine völlig eigene Kultur und Lebensweise entwickelt haben und deren Bewohner sogar als eine eigene „Rasse“ im Pass eingetragen werden. Vor allem die gelben futuristischen, aber sehr bequemen Möbel gefallen mir gut. Nicht weit davon finde ich auch noch ein sehr gemütlich aussehendes Stadtteilkino, leider ist es jetzt zu spät. Die Filme werden zum größten Teil in Originalfassung gezeigt, wäre also möglich gewesen.
Weiter, weiter zu meinem „Kathedralenpark“ mit den hohen Bäumen und den schmalen Pfaden, einmal hin und einmal her. Mein Abschiednehmen ist langwierig, weite Wege, und sentimental. Ich habe mich am Ende von Reisen immer sehr schwer getrennt, aber diesmal ist es noch etwas schlimmer aus Alters- und Gesundheitsgründen, aber wer weiß….
Den Abend beschließe ich wieder im Jazz-Café Yamatoya mit einem Glas Wein, und erzähle, dass ich am folgenden Tag abfahren werde und versuchen will, kurz vor dem Flug noch auf einen Kaffee vorbeizuschauen, und wie sehr ich diesen Ort liebe. Seine Frau, die jetzt öfter still an der Theke sitzt, aber nicht mehr mitarbeiten kann, kommt an meinen Tisch und erzählt mir, dass ich darauf achten soll, wie schön der Vollmond heute über Kyoto steht.

Und dann auf dem Nachhauseweg noch schnell eine Runde durchs Sento bei dem Deprimierten um die Ecke.
Heute Morgen habe ich den letzten Schreck der Reise: Finnair erklärt mir beim Einchecken, dass ich für den Rückflug nur Handgepäck habe. Ich schaue verzweifelt auf mein dickes Gepäck mit den Käufchen, ich hatte auf dem Hinflug zwei große Koffer mit je 23 kg und war natürlich davon ausgegangen, dass das auch für den Rückflug gilt. Hatte extra noch eine große Tasche eingepackt, um diese Gepäck-Allowance auch auszunutzen. Jetzt große Panik und dann bestelle ich schnell für viele Euros ein Check-in-Gepäckstück und stopfe alles verzweifelt mit Ach und Krach in den einen dicken Koffer und hoffe, dass sie ihn durchlassen, auch mein Handgepäck ist viel zu fett und schwer! Finnair kann sich auf eine saftige Auseinandersetzung gefasst machen, wenn ich wieder zu Hause bin!
Da der Rückflug aber erst kurz vor Mitternacht beginnt, kann ich den letzten Tag noch voll ausnutzen, es ist wieder herrlich mild und wolkenlos, heute wäre das Rafting möglich gewesen, ist mir aber zu weit, und so nehme ich noch zum Abschied, nachdem ich das dicke Gepäck im Bahnhof in ein Schließfach gezwängt habe, einen schönen kleinen Handarbeitsmarkt, wo nun wirklich nur Handgemachtes angeboten wird, teilweise sehr originelle und sogar schwarzhumorige Sachen. Außerdem scheint hier ein Hundetreffen angesagt worden zu sein, denn so viele verschiedene Hunderassen hab ich bisher in Japan nicht gesehen, und die meisten dürfen sogar auf dem Boden laufen! Die letzten Shibas in allen Farben, schwarz, weiß, braun und beige und allen Größen entzücken mich noch einmal.
Dann wirklich auf den letzten Kaffee ins Yamatoya, sie machen glücklicherweise schon um 12 auf. Der nette junge Kellner erinnert sich sogar, dass ich den Kaffee nur mit Milch trinke, obgleich ich nur einmal vorher dort einen Kaffee bestellt habe. Und der Meister zelebriert wieder langsam und andächtig die Zeremonie: Tasse wählen, mit kochendem Wasser zum Anwärmen füllen, Wasser zum Kochen aufsetzen, Thermometer rein, Kaffee mahlen, dann durch den Filter ganz langsam einfüllen. Er ist sichtlich stolz auf sein Werk, und der Kaffee schmeckt köstlich! Dann kommt er noch überraschend an meinen Tisch und überreicht mir ein Tütchen mit japanischem Konfekt, eine Visitenkarte des Lokals und vier Bierdeckel, die sie hier benutzen mit dem sinnigen Spruch (den ich nur unterschreiben kann): „It ain’t what it used to be“, aber hier ist es eben doch.
Es kratzt mir wieder verdächtig im Hals, ich bin ziemlich gerührt. Nach einigen Minuten schickt er noch den Kellner, um zu fragen, ob ich einen Musikwunsch hätte, und ich hatte im dick mit Vinyls gefüllten Regal irgendwann eine Platte von Anita O‘Day entdeckt, von der ich selber keine LP habe. Die wird dann zum Abschied aufgelegt. Danach verabschiede ich mich mit einer sehr tiefen Verbeugung.
Der letzte Gang vor der Abreise führt mich dann noch einmal zum Ginkaku-ji mit dem silbernen Pavillon, der Sandpyramide und -Feld, den Ponds, bunten Bäumen und Moosen, ich sauge nochmal alles so tief ein, wie ich kann, und dann mache ich mich über das letzte Stück Philosophenpfad auf zum Gästehaus, um das restliche Gepäck abzuholen und bei Sonnenuntergang zum Bahnhof und weiter zum Flugplatz zu fahren.
Die Damen am Schalter sind furchtbar bemüht und nett und versuchen die Koffersituation zu lösen. Am Ende darf ich noch schnell umpacken und sie nehmen das zweite Gepäckstück ohne Aufpreis mit, meinen aber, dass Finnair mir nichts erstatten wird, war mein Fehler, dass ich das nicht bemerkt habe.
Und jetzt sitze ich im Flugzeug und wir fliegen gerade über Grönland, also diesmal über die Nordroute, eine Stunde schon Verspätung, insgesamt 14,5 Stunden Flug! Interessant ist, dass es über Alaska schon hell wurde, jetzt aber wieder stockduster geworden ist. Das muss mir dann mal später jemand erklären bitte….
Um 6.30 morgens werden wir in Helsinki landen. Ich bin hochbefriedigt von meiner Reise, so viele beglückende Momente, so viel wiedergefunden, so viel Neues, so viel Schönes!
Danke fürs Mitreisen! Ich verabschiede mich dann mal und sage zum Schluss: „Mata ne“!

Auf einen Blick

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Dauer
3 Tage
Wetter
Herbst
KulturellEntspannendSolo
  • Philosophenpfad in spätherbstlicher Ruhe
  • Nanzen-ji und der Aquädukt
  • Letzter Kaffee im Yamatoya
  • Ginkaku-ji zum Abschied
  • Flug über Grönland und Helsinki
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Antworten (1)

vor 8 Monaten
😊