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25.Kapitel: Ein schönes lebloses Fischerdorf und im Blumentopf sitzen in Amanohashidate

Veröffentlicht: 26.11.2025

Zug
Kyoto → Amanohashidate
Limited Express
Bus
Amanohashidate → Ine
Japan
Sehenswert
Ine
Ine, Japan
Essen
Café mit drei Tischen
$ · Mittagessen
Unterkunft
Hotel in Amanohashidate
Hotel · Amanohashidate
Essen
Hotelrestaurant in Amanohashidate
$ · Abendessen

Am frühen Morgen mache ich mich auf, um in den Norden von Honshu ans japanische Meer zu fahren. Zum ersten Mal sehe ich mit eigenen Augen, wie die armen arbeitenden und studierenden Menschen sich auch in Kyoto in die Züge quetschen, bis wirklich kein Millimeter Platz mehr ist. Diese Bilder kennt man sonst nur aus Tokio.

Glücklicherweise ist mein Zug ein Limited Express, was bedeutet, dass jeder eine Platzkarte haben muss, also kein Gedränge. Wir fahren durch bunte ländliche Hügellandschaften, teilweise vernebelt und geheimnisvoll, lange Tunnel und einige kleine Orte bis nach Amanohashidate, wo es pünktlich beginnt zu regnen.

Mein Hotel (ja! Diesmal ein richtiges Hotel mit Einzelzimmer, Bad, Frühstücksbuffet und Zugang zum Onsen! Sogar gestärkte Bettwäsche! Das habe ich glaube ich seit meiner Kindheit nicht mehr erlebt!) ist glücklicherweise nur drei Minuten entfernt und der nette Rezeptionist drückt mir als erstes einen Regenschirm in die Hand, den ich benutzen darf, solange ich hier bin.

Amanohashidate und die wunderbare Landzunge ist für morgen geplant, aber heute wollte ich nach Ine, einem Fischerdorf mit uralten Holzhäusern direkt ans Wasser gebaut, von dem ich seit sieben Jahren geträumt habe, weil damals keine Zeit war hinzufahren. Aber bei Regen? Ich tröste mich damit, dass am Meer die Wolken manchmal sehr schnell wieder weggepustet werden und setze mich in den Bus.

Und tatsächlich: Während der einstündigen Fahrt, vorbei an immernoch blühenden Kosmosfeldern, klart es auf und als wir ankommen, brauche ich den Schirm nicht mehr aufzuspannen und die Sonne malt dramatische Szenen durch die Wolken auf Meer, Berge und Dorf.

Ine ist ein Traum von einem alten Fischerdorf! Völlig einheitlich, nichts Modernes ärgert das Auge, altes dunkles Holz rund um die große Bucht. Die Häuser, Funaya genannt, sind zweistöckig. Im unteren Stockwerk ist die Bootsgarage untergebracht und auf der anderen Seite zur Straße hin heutzutage ein Auto-Stellplatz. Das obere Stockwerk ist der Wohnbereich.

Viele der Häuser sind schön renoviert, andere ganz im Urzustand. Aber der Ort ist seltsam: Alles ist menschenleer. Es gibt weder Geschäfte noch Restaurants, oder die drei, die wohl existieren, sind um 2 Uhr mittags schon geschlossen. Ein Café mit drei Tischen finde ich, wo es ausschließlich Tee, Kaffee und Süßigkeiten gibt. Ich war schon hungrig hingefahren und hatte mich auf ein leckeres Mittagessen am Wasser gefreut, aber das ist hier anscheinend nicht möglich. Kein Friseur, Bäcker, Lebensmittelhändler. Es gibt ein Postamt und angeblich eine Schule, aber nichts rührt sich.

Bis auf zwei Jungen, die mit einem Federball und einer Keule Baseball auf der Straße spielen, sehe ich keine Einwohner auf meinem langen Rundweg die ganze Bucht entlang. Keine Kinder, keine Alten, keine Jugendlichen, keine Mütter mit Babies, nur ein paar renovierende Bauarbeiter werkeln an einigen Häusern. Wo sind die Menschen? Sind sie so genervt von den Touristen (es waren heute vielleicht etwa 30 Menschen im Ort zu Besuch), dass sie sich völlig einigeln und verstecken in ihren Häusern und alles verrammeln? Oder sind sie vielleicht so introvertiert, dass so etwas wie soziales Leben nicht stattfindet? Überall sieht man Hinweise: Kein Zutritt! Privat! Draußen bleiben! Man fühlt sich etwas wie geohrfeigt und absolut nicht willkommen. Ich glaube, ich habe noch nie so ein schön aussehendes abweisendes Dorf erlebt, schade! 

Ich bin allerdings froh, dass ich es gesehen habe, aber nichts würde mich bewegen, noch länger hier zu bleiben oder wiederzukommen. Toll war, dass auf einem der Dächer mein erster tatsächlich wilder Affe herumturnte! Es gibt sie also wirklich!

Sehr hungrig fuhr ich dann zurück nach Amanohashidate, aß gleich zwei Portionen Reis mit würzigem Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln und nahm dann das hauseigene Sento in Besitz mit den zur Verfügung gestellten Tatami-Latschen und einer warmen Kimonojacke für den Weg.

Hier gab es nun die erste Sauna, wo man auch Aufguss machen durfte, daneben einen Eisraum mit schneeartigem Belag an den Wänden zum Abkühlen, ein schönes Außenbecken direkt am Meer und als Clou daneben zwei runde Gefäße, Blumentöpfen ähnlich, mit körperwarmem Wasser, in die ein Mensch meiner Größe gerademal mit Ach und Krach hineinpasste, was ich ziemlich amüsant fand.


Auf einen Blick

Automatisch aus dem Beitrag extrahiert
Wetter
Herbst
Begleitung
Allein
KulturellEntspannend
  • Zugfahrt von Kyoto nach Amanohashidate
  • Busfahrt nach Ine
  • menschenleeres Fischerdorf am Meer
  • Onsen, Sauna und Außenbecken im Hotel
RegenschirmPlatzkarte für den Limited Express
TransitNaturKulturEssen
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