23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen
Gestern war ein Tag, der von oben bis unten und von vorne bis hinten mit sehr beglückenden Momenten in Arashiyama gefüllt war. Ich wusste ja, dass es sehr voll werden würde, aber...


Veröffentlicht: 26.11.2025










































Ich habe dieses Mal kein richtiges Glück mit den Flohmärkten. Gestern regnete es den halben Tag, was aber gut war, denn ich musste meinen nächsten Ausflug für die nächsten fünf Tage noch genauer planen und die Zugtickets besorgen.
Als ich schließlich gegen Mittag, als es nur noch etwas tröpfelte, beim Kitano Tenmangu-Schrein eintraf, waren die ersten Händler schon wieder am Einpacken. Jedes Porzellan-Schälchen und Keramik-Töpfchen wird einzeln in Zeitungspapier gewickelt und in Holzkästchen gelegt, das braucht seine Zeit. Eigentlich sollte der Flohmarkt bis 4 gehen.
Einige Stände kann ich aber noch photographieren, eine schöne sehr japanisch aussehende Armbanduhr und ein paar kleine Schälchen kaufen und mich dann dem prächtigen Schrein widmen. Ich hatte ganz vergessen, dass hier der Markt nur außerhalb der Mauern und Tore stattfindet, so kann man im Inneren alles in Ruhe betrachten.
Kitano Tenmangu ist aus mehreren Gründen bekannt und beliebt, nicht nur für die wirklich großartigen Bauwerke, Laternen und Dekorationen. Da sind als erstes die unzähligen Pflaumenbäume auf dem Gelände, die im März noch vor der Kirschblüte herrlich bescheiden blühen. Mir haben diese Blüten noch viel besser gefallen als die üppigen dicken Kirschblüten, aber auch bei denen gab es zurückhaltendere, die mich noch mehr erfreut haben.
Außerdem ist der Schrein beliebt bei Schülern und Studenten, denn die großen steinernen und bronzenen Kühe, die hier überall herumsitzen, sollen, wenn man sie streichelt, dafür sorgen, dass die Weisheit und die akademische Leistungsfähigkeit zunehmen und der Studienerfolg gesichert ist. Außerdem sollen sie dafür sorgen, dass Katastrophen ausbleiben. Was meint ihr, was ich gestreichelt habe!!
Nachdem dann auch wirklich der letzte Stand zusammengepackt hatte, beschloss ich, mich auch noch etwas ins Getümmel der Kawaramachi-Einkaufsstraße und des Nishiki-Marktes zu stürzen, obgleich die hier herrschende Shopping-Hysterie mich mich immer nervös macht und erschöpft. Plötzlich kommen einem sehr gestylte und elegant-teuer gekleidete und angemalte Menschen entgegen, mit Papiertüten (wenigstens hier mal kein Plastik!) in beiden Händen bepackt. Das erste Weihnachts-Spezialgeschäft glitzert, plärrt und funkelt bis auf die Straße (ansonsten ist Weihnachtsdekoration hier bisher eher spärlich zu sehen und zu hören, ich zucke immer zusammen. Mir ist noch überhaupt nicht weihnachtlich zumute), unglaublich teure Taschen, Designerklamotten, Make-up, Haardekorationen und und und, und die Massen kaufen kaufen kaufen.
Dazwischen komme ich vorbei an Eulen-Cafés, in denen man die armen sedierten Tiere auf den Arm nehmen und streicheln kann, und an Tierhandlungen, in denen viel zu junge Hunde und Katzen frenetisch in den Schaufenstern herumrennen und von jubelnden Idioten (entschuldigung, aber wirklich!!!🤯) bewundert werden. Von Tierschutz hat man hier anscheinend wirklich keinen Schimmer! Geschäft muss gemacht werden, auf welche Weise auch immer!
Hinter dieser Nobelmeile liegt dann der berühmte Nishiki-Markt, Tausende von kleinen Geschäften und Straßenrestaurants , die sich durch mehrere ewig lange Korridore über mehrere Straßen und Viertel ziehen. Hier ist normalerweise soviel Trubel, dass man kaum durchkommen kann, aber auch hier haben viele Geschäfte schon zugemacht und die Menschenmenge hält sich in erträglichen Grenzen.
Interessant zu sehen, was man alles essen könnte! Vieles ist unglaublich teuer, aber sehr schön anzusehen. Wenn ich Zeit habe, muss ich nochmal zurückkommen, um die fermentierten Köstlichkeiten zu sehen, zu riechen und zu probieren, die gestern schon eingepackt waren.
Ich muss tatsächlich sagen, dass ich manchmal den Eindruck habe, die Japaner haben nicht alle Tassen im Schrank: im Nishiki gibt es mehrere, ich habe den Eindruck kilometerlange Stände, an denen man diese „niedlichen“ Stoff- oder Plastikwesen, die sich vor allem junge Mädchen in Massen an die Rucksäcke bammeln, aus Automaten ziehen kann, so ähnlich wie Überraschungseier, man weiß nicht, was man bekommt. Diese Automaten sind tatsächlich belagert von Menschen jeden Alters und Geschlechts!
Das nächste, was mich nur noch kopfschüttelnd staunen lässt, ist ein „Tier-Paradies“, in dem Kleidchen und Kopfbedeckungen für Hunde und Katzen verkauft werden. Im Moment sind Ausstaffierungen für Weihnachten anscheinend besonders angesagt. Regale über Regale voll mit diesem Schwachsinn! Ich hatte ja schon auf der Straße einige Hunde im Kinderwagen mit Kleid oder Pudelmütze gesehen, hatte aber gedacht, das seien exzentrische Ausnahmeerscheinungen. Die Armeen armen Tiere! Jemand hat mir auch erzählt, dass hier besonders kleine Hunderassen gezüchtet werden, weil die Wohnungen so klein sind….