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23.Kapitel: Arashiyama oder ein Tag von vorne bis hinten gelungen

Veröffentlicht: 25.11.2025

Attraktion
Arashiyama Bamboo Grove
Kyoto, Japan
Attraktion
Arashiyama Monkey Park Iwatayama
Kyoto, Japan
Attraktion
Fu Fu No Yu Onsen
Kyoto, Japan
Essen
Yamatoya
$ · Abendessen
Essen
Okonomiyaki stand in Arashiyama
Japanese · $ · Mittagessen
Attraktion
Arashiyama garden with Shakkei
Kyoto, Japan
Fähre
Arashiyama river boat boarding point → Arashiyama river boat landing point
Kyoto, Japan
Spaziergang
Arashiyama garden → … → Fu Fu No Yu Onsen
Kyoto, Japan

Gestern war ein Tag, der von oben bis unten und von vorne bis hinten mit sehr beglückenden Momenten in Arashiyama gefüllt war. Ich wusste ja, dass es sehr voll werden würde, aber da dieser westliche Teil von Kyoto sowieso jeden Tag bei Touristen sehr beliebt ist, fuhr ich trotzdem hin. 

Früh um neun war es noch ziemlich leicht, sich auf den Straßen zu bewegen, aber die vielen Verkehrspolizisten, die dann später in Aktion treten mussten, machten sich in mehreren Gruppen schon bereit, schoben Straßensperren aus Metall hin und her, als wenn eine Großdemonstration oder ein Staatsbesuch geplant wäre, und fühlten sich sehr wichtig in ihren blauen Uniformen.

Ich hatte vor, fast alles, was Arashiyama zu bieten hat und mich interessiert, an diesem Tag zu erleben und zog als erstes in den herrlichen Garten vom Tenryo-Tempel, wieder eine der unzähligen Weltkulturerbe-Stätten, mit einem großen Teich, umstanden von bunten Bäumen, mit sorgfältig platzierten Steinen und Felsen, Hügeln und Terrassen, und dem Hintergrund, der „borrowed landscape“ oder japanisch „Shakkei“, einer Gartenbautechnik, in der die natürliche Umgebung, hier die hohen Berge von Arashiyama, in die Planung miteinbezogen wird, um wie bei einem Gemälde den Eindruck größerer Tiefe zu erzeugen. Weil jetzt die Herbstfarben auf dem Höhepunkt sind, ist dieser Eindruck natürlich besonders umwerfend. Aber hier ist ein Ort, den ich auch sehr gerne im Frühling besuchen würde (ich bringe es nicht über mich zu sagen „besucht hätte“…) , denn im Garten stehen unzählige, jetzt schon kahle „weeping“ Pflaumen- und Kirschbäume mit ihren langen bis zur Erde hängenden Ästen. Den Tempel selbst lasse ich diesmal links liegen.

Wenn man den Garten über den Nordausgang verlässt, kommt man direkt in den berühmten Bambuswald, der in jedem Werbeprospekt von Arashiyama abgebildet ist. Musste das sein? Ja, es musste sein, ich wollte ihn unbedingt noch einmal sehen trotz Völkerwanderung in beide Richtungen. Und musste wieder feststellen: Naja, schön ist er schon, aber eigentlich kann man diese Bambuswälder in Japan an vielen Stellen bewundern, und dann ohne Menschenmassen, und sooo doll ist er nun auch wieder nicht. Nur hier ist eine schmale Schneise in den Wald geschlagen, wo alle ihre erstaunlichen, aber immer gleichen Photos schießen können (ich auch😁), und das ganze ist natürlich unendlich gebrandet und beworben in der ganzen Welt. In 5 Minuten plus Photo-Zeit ist man durch, been there, done that.

Als nächstes erfüllte ich mir einen langgehegten Traum. Als ich zurück an den Fluss gewandert war, war er gesprenkelt mit unzähligen kleinen blauen Ruderbooten, in denen Paare saßen und auf dem grünen klaren Wasser zwischen den braunen Enten hin und herruderten, d.h. in 99% der Fälle ruderte der Mann. Die Geschlechterrollen scheinen in Asien (die meisten Menschen, die heute am „Feiertag der fleißigen Arbeit“, an dem man anscheinend rudern geht, unterwegs waren, waren asiatischer Herkunft) doch noch ziemlich festgeschrieben zu sein, aber vielleicht wäre das anderswo auch nicht viel anders. Das komische ist, dass viele nicht rudern können und das Boot mit der breiten Seite nach vorne und im Versuch vorwärts zu fahren, mühsam die Ruder wieder und wieder verzweifelt ins Wasser tunkend und angestrengt im Wasser stochernd, in die richtige Richtung zu zwingen suchen. Dazwischen stakten Bootsmänner die traditionellen überdachten Hausboote über den Fluss. Und genau ein solches war das Ziel meiner Begierde! Das letzte Mal, als wir hier waren, wollte Johnny das nicht mitmachen, vielleicht zu touristisch, aber seitdem habe ich von so einer Bootstour geträumt.

Man entert den Kahn, bekommt eine Plastiktüte in die Hand gedrückt und muss sich die Schuhe ausziehen und sie verstauen. Dann lässt man sich auf flachen bequemen Kissen, die auf einem roten Teppich liegen, ziemlich bequem auf dem Boden nieder und das Wunder beginnt. Ein Fährmann mit einer langen Stange stakt uns etwa einen Kilometer ruhig und friedlich über den wunderschönen kleinen Fluss zwischen den bunten Bergen, indem er das Ruder am Boden aufsetzt und vorwärtsschiebt, anders als bei einer venezianischen Gondel oder den Kähnen im Spreewald steht er vorne im Boot und steuert uns geschickt durch die Ruderboote und braunen Enten, von denen er erzählt, dass es Zugvögel aus Sibirien sind, die hier den Winter verbringen. Das Gefühl ist aber ähnlich: Kein Motorengeräusch, alles ganz ruhig und poetisch, nur das regelmäßige Plätschern, wenn er die Stange ins Wasser senkt.

Als wir schon umgekehrt sind, kommt plötzlich ein anderer nicht überdachter Kahn an unsere Seite gefahren und macht halt. Köstliche Düfte steigen auf und die beiden Frauen, die da an Bord auf zwei Grills Tintenfische und süße Mochi zubereiten, versorgen uns mit einem warmen Imbiss, um dann eilig zum nächsten Ausflugsboot weiterzuschippern. Es fühlt sich an wie ein Traum oder wie in einem Film: unwirkliche Glücksgefühle rundherum!

Am liebsten wäre ich sofort noch ein zweites Mal gefahren oder in eines der Boote umgestiegen, die noch weiter fahren, die Passagiere mit Schwimmwesten ausstatten und eine kleine Stromschnellenfahrt veranstalten, aber das muss dann für ein anderes Mal bleiben, vielleicht schaffe ich es ja noch in den letzten Tagen.

Als nächstes will ich über die Brücke spazieren, aber jetzt ist hier das totale Chaos ausgebrochen, die Massen werden von vielen Uniformierten mit Flüstertüten dirigiert, es wird geschubst und geschoben, man darf nur auf der einen Seite der Brücke hinüber, nach drüben links, zurück dann rechts,  darf nicht stehen bleiben und wird aufgefordert, langsam zu gehen.

Endlich auf der gegenüberliegenden Seite gelandet, geht es hier schon viel gemächlicher zu, die Menschen sitzen wieder gemütlich am Ufer mit ihren Picknick-Päckchen, genannt Bento, oder essen an einem der vielen Streetfood-Stände, die hier ihre Spezialitäten anbieten. Endlich komme ich auch dazu, ein Okonomiyaki zu essen, eine Art gebratenes Wunder aus Pfannkuchenteig, darauf in Schichten kommen kleingeschnittener Weißkohl, eine Handvoll Nudeln, ein rohes Ei, ein paar Gemüse und nochmal Pfannkuchen Teig, dann wird dieser Berg kunstvoll auf der heißen Platte gewendet und fertig gebraten. Darauf Umami-Sauce und Mayonaise in feinen Streifen: Köstlich! Dazu eine Coca-Cola, weil es nichts anderes gibt. Die Flaschen sind grün hier!

Aber dann war da eben wieder ein Berg, den ich unbedingt noch einmal erklettern musste (dass Bergsteigen mal zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören wird, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Eigentlich bin ich ja faul und unsportlich), diesmal der Affenfelsen von Arashijama. 20 Minuten steil bergauf, aber diesmal gut mit Geländern vor den Abgründen gesichert und sogar mit einem Bänkchen hier und da zum Ausruhen, geht es hoch zu den Affen, den nur in Japan lebenden Japan-Maken mit roten Gesichtern und Popos. In den 50er Jahren wurde hier eine Forschungsstation eingerichtet, um das Leben und Verhalten dieser Tierart zu studieren. Inzwischen ist es eine Art Zoo, in dem aber die Tiere frei herumlaufen. Viele Wärter sind im Laufschritt überall unterwegs und passen auf, dass die Menschen genügend Abstand halten, den Affen nicht direkt in die Augen starren, was als Aggression interpretiert werden könnte, man darf weder anfassen noch die Kamera zu offensichtlich auf die Tiere richten, auch nicht in die Hocke gehen oder essen und trinken auf dem Berg. Wenn es tierische Auseinandersetzungen gibt, was sich durch lautes Kreischen bemerkbar macht, sind sie sofort zur Stelle und scheuchen die Affen auseinander. Etwa 160 äffische Individuen leben hier, faulenzen auf dem Dach des Gebäudes, in dem man Apfelstückchen und Erdnüsse in der Schale kaufen kann (immer nur in kleinen Portionen, damit die Tiere nicht überfüttert werden) und dann durch ein Gitter am Fenster, die Menschen im Käfig, die Tiere draußen, den Maken, die teilweise geschickt die Hände fordernd durch die Gitterstäbe schieben, anbieten kann. Sie hüpfen durch die Bäume, rennen auch mal zwischen den Besuchern direkt hindurch oder schauen meditierend hinunter auf die Stadt zu ihren Füßen. 

Ich möchte so einem  Tier wahrhaftig nicht im Wald oder auf den Bergen begegnen, aber wilde Affen so aus nächster Nähe sehen und erleben zu können ist schon ein großes Vergnügen.

Kurz bevor es dunkel wird wird der Park geschlossen, die Touristen haben sich inzwischen verlaufen, einige blaue Böötchen schaukeln noch auf dem Fluss und ich finde das hochgepriesene Fu Fu No Yu Onsen am Ufer, wo es ein herrliches Außenbecken mit genau richtig warmem Wasser gibt mit Blick auf den Berg, wo man leise vor sich hindämmernd die vielen glücklichen Momente des Tages noch einmal an sich vorbeiziehen lassen kann. 

Ich bin wieder zutiefst dankbar dafür und etwas überwältigt, was ich alles sehen und erleben darf, und lasse diesen schönen Tag ausklingen mit einem Bier bei Yamatoya mit süßen Jazz-Klängen im Ohr.


Auf einen Blick

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Dauer
1 Tag
Wetter
Herbst
Begleitung
Zu zweit (2)
EntspannendKulturellAbenteuerlich
  • Garten mit Shakkei und Herbstfarben
  • Bambuswald in Arashiyama
  • Bootsfahrt auf dem Fluss
  • Okonomiyaki und Streetfood
  • Affenfelsen und Onsen am Abend
NaturEssenTierweltKulturArchitektur
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