Veröffentlicht: 27.11.2025

































Gut, dass ich mir den Wecker auf 7 gestellt hatte: So ein Frühstücksbuffet habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich glaube, beinahe alles, was die japanische Küche zu bieten hat, war hier aufgefahren, heiß und kalt, süß, salzig und umami. Etwa 12 verschiedene Arten Fisch, gebraten, gegrillt, gepickled, eingelegt, roh, gedämpft, Kaviar in großen Schüsseln, drei verschiedene Miso-Suppen, Nori in allen möglichen Formen, Gemüse, Salate, Früchte, verschiedene Omelettes, frittierte Fleischstückchen, Dumplings, Creme-Törtchen, Yoghurt, Säfte, drei große Tische brachen fast zusammen unter der Last, aber um 8.15 war buchstäblich alles leer gefressen! Angesagt war eigentlich Frühstück von 7 bis 9, die armen Langschläfer und Nachzügler standen verzagt und resigniert kichernd vor den mickrigen Resten.
Die natürlich entstandene Landzunge von Amanohashidate, die die ganze große Bucht teilt und für Fußgänger und Fahrradfahrer die Wege erheblich verkürzt, ist sicher einer der schönsten Orte, die ich kenne auf der Welt. Ein etwa 75m breites Sandband, zugänglich über eine Drehbrücke, zieht sich 2,6km lang durchs Wasser von Ufer zu Ufer, in der Mitte ein breiter Streifen voller alter, dicker, langnadeliger Kiefern mit einem Pfad dazwischen, auf der einen Seite ein breiter weißer Sandstrand über die gesamte Länge, auf der anderen ein eher karges Ufer mit Bäumen bis ans Wasser.
Ich habe zu Kiefern eine ganz besondere Beziehung, denn das ist mein „Heimat-Baum“ aus Berlin, wir hatten 18 Kiefern im Garten, der Grunewald und ganz Brandenburg sind voller Kiefern und auch unser Weihnachtsbaum war fast immer eine Kiefer. Der Duft der Nadeln verbindet sich hier mit der frischen salzigen Meeresbrise, und das ist wirklich unwiderstehlich.
Interessant wie sich die Reaktionen verändern. Als ich das erste Mal hier war, war ich voller Erstaunen und lebhafter, jubelnder Begeisterung. Jetzt überwiegt warme Wiedersehensfreude und eine tiefe Befriedigung, beinahe Rührung, dass sich hier absolut nichts verändert und wahrscheinlich auch in 50 und 100 Jahren alles noch genauso sein wird („Oh, sagte Herr K. und erbleichte“, B.Brecht). Ich laufe die gesamte Strecke einmal hin und einmal her, setze mich auf Bänkchen, sammle ein paar Muscheln auf, streichle den einen oder anderen alten Baum und sehe mich satt.
Am Mittag steige ich dann wieder in den Zug und fahre weiter nach Kinosaki Onsen, aber davon kann ich erst morgen erzählen.