Nach zweieinhalb Tagen (und Nächten) Zwangspause, in denen ich immer zwischen Bett und Klo hin und her gerannt bin, habe ich heute beschlossen, mal nicht Bergsteigen zu gehen, sondern immer nur geradeaus, und habe mich der Kunst ergeben.
Dass ich an diesem Tag zwei große Ausstellungen desselben Künstlers besuchen würde, war mir allerdings nicht bewusst, aber so habe ich jetzt einen sehr guten Überblick über alle Schaffensperioden von Domoto Insho (1891-1975), einem sehr vielseitigen Kunstmaler aus Kyoto, der jetzt im Moment anlässlich seines 50. Todesjahres besonders präsent ist.
Er begann mit traditioneller japanischer Nihonga-Malerei, bemalte Holztüren und Tempelwände, wandte sich dann nach dem Krieg Alltagsthemen zu, wurde irgendwann ganz abstrakt, reiste nach Europa und nahm dort verschiedene Einflüsse auf, begann mit verschiedenen Materialien und Techniken wie Keramik, Textildesign, Teppichen und Wandbehängen zu experimentieren und baute sich schließlich 1966 ein eigenes Museum, in dem er jede Einzelheit, vom Gebäude selbst über Lampen, Türen, Treppengeländer bis zum kleinsten Türknopf selber entwarf. Und dahin fuhr ich heute zuerst.
Ich hatte vor einigen Tagen ein Plakat gesehen, das mich sehr an Bilder der klassischen Moderne erinnerte, nur eben auf japanisch. Schon das Gebäude selber ist eindrucksvoll, aber vor allem die Dekorationen und alle kleinen Einzelheiten in den Innenräumen erzählen von so einer übersprudelnden Kreativität, dass einem ganz heiß werden kann.
Von den Malereien gefallen mir am besten diejenigen, die er nach dem Krieg gemalt hat, oft mit einem seiner 8 Geschwister als Modell, und wo er den Alltag der Menschen in Kyoto beschreibt. Auch die Portraits fand ich besonders interessant und schön. Es ist schon beschämend, wie sehr man daran gewöhnt ist, dass normalerweise auf Gemälden und vor allem Portraitbildern beinahe ausschließlich weiße Menschen dargestellt werden und in den Museen hängen.
Was mir schon in anderen japanischen Kunstausstellungen mit Bildern auch aus alter Zeit, vor allem Holzschnitten und Tintenzeichnungen aufgefallen ist, ist dass sehr oft die Figuren und sogar die Tiere mit einem Auge in die eine Richtung und mit dem anderen in die andere gucken. Ich weiß nicht, ob das ein Stilmittel ist oder irgendeine Bedeutung hat, aber da diese Kunstwerke anderseits ganz großartig sind, kann es ja nicht an den Fähigkeiten der Künstler liegen….
Nach dem Domoto Insho-Museum fuhr ich weiter zum Kyoto Museum für moderne Kunst, nur um festzustellen, das auch hier für den selben Künstler eine große Sonderausstellung zusammengestellt worden ist. Hier hingen nun vor allem die „großen Schinken“ aus seiner ersten Schaffenszeit und dann auch einzelne Werke aus der modernistischen und abstrakten Periode. Hier war Photographieren verboten, so dass ich nur heimlich aus der Hüfte ein paar Aufnahmen von Einzelheiten machen konnte.
Überhaupt war in beiden Museen wieder das Problem mit dem reflektierenden Glas sehr ärgerlich, so dass man immer auch ein bisschen selber auf dem Photo als Schatten erscheint und die Lampen im Raum sich spiegeln.