Triathlon-Training
Was waren das für zwei Tage! Wir gehen rein: Gestern hatten wir noch frei und entschieden uns für einen Ausflug auf die Silk Island, eine kleine Insel im Mekong vor der Toren...

Veröffentlicht: 07.10.2025
Da heute nicht so viele Patienten kamen, wollten wir die Zeit nutzen, uns mit der jüngeren Vergangenheit Kambodschas zu beschäftigen und besuchten das Genozid-Museum, Tuol Sleng bzw. S-21 genannt. Der heutige Eintrag wird daher nicht ganz so fröhlich, wie die letzten.
Zwischen 1975 und 1979 litt die kambodschanische Bevölkerung unter der Herrschaft der von der Bevölkerung Angka (also "Organisation") genannten Gruppierung, angeführt von Pol Pot, dem "ersten Bruder". Es handelte sich hierbei um eine kommunistische Partei, die nach den Angriffen durch die USA während des Vietnamkriegs "aufräumen" wollten. Ihr Feindbild waren v.a. Gebildete (u.a. alle mit Brille), Künstler und andere Politiker. Ihnen sagten sie Kontakte zu westlichen Geheimdiensten nach und wollten deren vermeintliche Verbindungen und Geständnisse über Fehltritte durch Folter erpressen. Nach erpressten Geständnissen wurde der Tötungsbefehl unterschrieben. Durch diese Praktiken wurden schätzungsweise 20.000 Menschen nur im Gefängnis S-21 ermordet, darunter auch die Kinder der Gefolterten, "damit es nicht zu einer späteren Rachen kommen könne".
Ca. 200 dieser Gefängnisse soll es im Land gegeben haben. Nebenbei kamen tausende, aus den Städten vertriebene, Menschen auf den Feldern bei Zwangsarbeit um. Nur um die Verhältnisse aufzuzeigen: am 17.4.1975 kamen die Soldaten der Angka in Phnom Penh an, 3 Mio. Menschen lebten zu diesem Zeitpunkt in der Stadt. 3 Tage später, waren fast alle Menschen auf das Land vertrieben, die Stadt war quasi leer. 1979 waren ca. 2 Mio. Menschen tot.
Die vietnamesischen Soldaten fanden in Tuol Sleng lediglich 14 sterbliche Überreste und 2 überlebende Kinder als sie das Regime zerschlugen, da die Verantwortlichen alles andere, inklusive der meisten Akten, vernichteten. Überlebende aus Tuol Sleng gab es insgesamt 12.
Erst 2007 begann der erste Prozess gegen die Führungskräfte der Angka. Bei einem zweiten Prozess 2009 bekam der Gefängnisleiter von S-21, "Genosse Duch", der für die Art und Weise der Folter sowie die Tötungsbefehle verantwortlich war, 35 Jahre, gegen die sowohl er als auch dei Anklage Berufung einlegten. In zweiter Instanz erhielt er lebenslänglich.
Natürlich wollen wir nicht nur die Namen der Täter nennen, jedoch sind die meisten Namen der Opfer durch die Vernichtung der Akten und der gesamten Familie nicht mehr auffindbar. Der überlebende Künstler Vann Nath nutzte sein verbleibendes Leben, um Gemälde anzufertigen, die die Gräueltaten der Angka zeigen. Diese sind für Interessierte, die nicht nach Phnom Penh kommen und sie sich anschauen können, z.T. im Internet zu finden. Auch Chum Mey und Buo Meng sind bekannte Namen Überlebender. Letzterer saß heute tatsächlich an einem Informationstisch, um über Erlebtes sprechen zu können.
Wir hoffen, das Wichtigste für euch zusammengefasst zu haben. Wer noch weiter recherchieren möchte, findet unzählige Informationen im Internet.
