Der trockenste Ort der Welt! - San Pedro de Atacama
03/01 - 06/01 High Noon, wolkenloser Himmel und die Sonne brennt mit voller Stärke in 2.400 Meter Höhe auf die Atacamawüste. Und wir so: "Hey, am besten wir reiten 5 Stunden...


Veröffentlicht: 11.01.2018











































































07/01 - 09/01
Wir bleiben mitten im Nichts stehen und steigen aus unserem Jeep aus. Der Boden ist leicht bedeckt mit Wasser und der Blick in die Ferne lässt den Horizont nur wage erahnen. Rund um uns bietet sich ein Anblick, der kaum in Worte zu fassen ist. Eine Landschaft nicht von dieser Welt und von unbeschreiblicher Schönheit - die Rede ist von der Salzwüste im Süden von Bolivien, der Salar de Uyuni.
Möchte man von San Pedro de Atacama Richtung Norden nach Bolivien reisen, gibt es eigentlich nur einen logischen Weg - und zwar quer durch die Wildnis bis nach Uyuni. Auf eigene Faust kommt man hier allerdings nicht weit, deshalb haben wir - wie viele andere Touristen auch - eine 3 Tage/2 Nächte-Tour von San Pedro de Atacama aus gebucht. Die umgekehrte Richtung ist eigentlich viel populärer, was auch einen einfachen Grund hat, den wir durchaus schmerzhaft erfahren durften.
Wir starteten in San Pedro auf einer Höhe von 2.400 m. Als wir 30 Minuten später an der bolivianischen Grenze ausstiegen, waren wir plötzlich auf 4.300 m. Dieser Höhenunterschied in so kurzer Zeit geht nicht spurlos an einem vorüber. Wir als Österreicher sind gewohnt, dass es steil bergauf geht, wenn man Höhenmeter zurücklegt. Hier in den Anden legt man fast 2.000 Höhenmeter zurück, ohne etwas davon mitzubekommen. Die Straße von San Pedro geht elends lang gerade aus, immer mit einer leichten Steigung. Erst beim Aussteigen bemerkt man plötzlich die dünne Luft.
Nach der Einreise in Bolivien, die ein ziemlicher Witz war - Pass hergeben, "Ah, Australia", "No, Austria!", "Aha", Stempel rein, Abschied - gab es erstmal ein nettes Frühstück am Parkplatz. Dort wurden wir in Gruppen aufgeteilt und in unsere Jeeps verfrachtet. Das Gelände, in das wir uns begaben, konnte nur mit Vierradantrieb befahren werden - von asphaltierten Straßen war hier weit und breit keine Spur.
Wir wurden unserem Fahrer Miguel zugeteilt und teilten uns den Jeep mit vier anderen Touristen: zwei Chinesen - Judy und Harry (ich bezweifle, dass das wirklich ihre chinesischen Geburtsnamen sind) und ein Vater-Tochter-Gespann aus Uruguay - Sofia und Papa Toni (mit diesem Namen müsste man eigentlich schon fast eine Pizzeria eröffnen). Um es gleich vorwegzunehmen, mit den Urugayern verstanden wir uns besser...
Der erste Tag führte uns schön langsam an die Natur von Südbolivien heran. Wir blieben bei einigen Lagunen stehen, die nur von wenigen Flamingos bewohnt waren (später sollten wir viel mehr sehen) und gewöhnten uns an das Leben im Jeep. Zu Mittag stoppten wir bei einem "Thermalbad", wo wir in perfekt temperiertem Wasser die Landschaft genießen konnten.
Danach wurde das erste warme Essen serviert. Auf der Tour gibt es fixe Plätze, bei denen alle Jeeps - und das sind ziemlich viele - stehen bleiben und die Passagiere nach der Reihe - im wahrsten Sinne des Wortes - abgespeist werden. Unser Fahrer fungierte dabei auch immer als Kellner. Das Essen war sehr schlicht aber überraschend gesund und schmackhaft. Allerdings braucht es in dieser Höhe einiges an Energie, um auch das leichte Essen zu verdauen, wodurch bei der Weiterfahrt kollektives Schlafen am Programm stand.
Nächster Stopp war ein Geysirfeld auf knapp 5.000 m, das auch den höchsten Punkt unserer Tour darstellte. Die Geysire selbst wussten nur durch ihren Schwefelgeruch aufzufallen, dafür machte sich die Höhe nun so richtig bemerkbar. Ich konnte dem Kopfweh und dem Sauerstoffmangel durch permanentes Schlafen im Auto recht gut entgegenwirken. Außerdem hatten wir uns in San Pedro noch mit Coca-Zuckerl eingedeckt, die ich fleißig konsumierte. Emi hatte allerdings trotz der Zuckerl wie immer große Schwierigkeiten, im Auto ein Auge zuzudrücken und wurde dadurch immer mehr von starken Kopfschmerzen geplagt.
Nach einem Halt bei der Laguna Colorada mit unzähligen Flamingos fuhren wir einige Stunden und viele Kilometer auf "Straßen", die als solche so gut wie nicht erkennbar waren, und kamen in einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo an. 500 Einwohner leben hier auf 4.000 m Höhe. Die Häuser sind, wie in Bolivien üblich, unverputzt und zum Teil nur halbfertig, und von einer Heizung haben hier vielleicht eine Handvoll Menschen jemals gehört. Die Unterkunft war sehr einfach und rustikal, aber für unsere Zwecke mehr als ausreichend. Um 10 Bolivianos (1,20 €) konnte man sich auch noch eine warme Dusche leisten. Toilettenpapier suchte man vergeblich, dieses musste man schon selbst mitbringen. Im Übrigen auch das Trinkwasser für die gesamte Tour, weshalb jeder von uns mit einem 6-Liter Kanister ausgestattet war.
Im schlichten Gemeinschaftsraum wurden dann Tee und Kaffee bereitgestellt und die Eindrücke des ersten Tages miteinander geteilt. Sofia sprach ein wenig Englisch und wir konnten mit ihr und Papa Toni unsere Spanischkenntnisse ausbauen. Zum Abendessen gab es dann Suppe - die können die Bolivianer richtig gut - und Spaghetti mit einer Sauce, die zu 90% aus Zwiebeln bestand - zur großen "Freude" von Emi! Aber Hauptsache etwas, das Energie lieferte. Nach dem Essen ging es dann sofort ab ins Bett, denn Schlaf war in dieser Höhe dringend nötig.
Am nächsten Morgen wachte ich als neuer Mensch auf. Scheinbar hatte sich mein Körper über Nacht gut erholt und perfekt aklimatisiert. Der unangenehme Druck im Kopf war glücklicherweise verschwunden. Als ich mich zu Emi umdrehte, merkte ich schon an ihrem Gesichtsausdruck, dass es ihr weniger gut ging. Das Kopfweh wurde über Nacht extrem schlimm und war für sie kaum zu ertragen. Das Tageslicht schmerzte in ihren Augen, wodurch sie sie eigentlich kaum aufmachen konnte. Da halfen nur eine Schmerztablette, mehrere Coca-Zuckerl und ein ausgewogenes Frühstück. Es gab Pancakes und Eierspeise mit Brötchen. Nur Teller gab es keine, aber wenn man ehrlich ist, werden die manchmal ohnehin überbewertet! :)
Unser Fahrer Miguel bereitete in der Zwischenzeit den Wagen für die Weiterreise vor. Tankstellen gibt es hier natürlich keine, also führt jeder Jeep etwa drei Kanister mit Treibstoff auf dem Dach mit. Getankt wird dann mit einer Schlauchverbindung zwischen Kanister und Tank und der bewährten "Ansaugmethode".
Am Vormittag standen einige Felsformationen auf dem Besichtigungsplan - wie etwa der Copa del Mundo (ein Fels, der aussieht wie der Pokal der Fußball-Weltmeisterschaft) oder eine kamelähnliche Formation.
Von Stopp zu Stopp steigerte sich der Wow-Effekt immer weiter. Bei dem Valle Anaconda und der Laguna Misteriosa wurden dann die Ausmaße dieser Landschaften erst so richtig ersichtlich. Besonders die mysteriöse Lagune mit den freilebenden und grasenden Lamas begeisterte Emi, sie wollte gar nicht mehr weg dort. Wir hatten vor der Tour keine Ahnung, dass es neben der Salzwüste auch noch diese vielen weiteren, unglaublich schönen Landschaften zu sehen gibt. Umso beeindruckter waren wir klarerweise.
Zum Mittagessen kehrten wir wieder in einem kleinen und ziemlich abgefuckten Dorf - Alota - ein. Am Nachmittag hielten wir kurz in einer "Bar", die als solche nicht zu erkennen war, wo wir die Möglichkeit hatten, selbstgemachtes Bier aus der Region zu erwerben. Wir kauften je ein Quinoa- und ein Kokabier, die wir später beim Abendessen kosteten. Beide schmeckten allerdings grauenhaft! Auf der Fahrt zur nächsten Schlafstätte kamen wir bei vielen Lamaherden vorbei und an einer Stelle konnte man ganz nah an die Tiere herangehen, was wir selbstverständlich taten. Emi konnte ja nicht ohne Fotos weiterfahren...
Wir waren eines der ersten Jeeps, die die Unterkunft für die zweite und letzte Nacht erreichten. Dort in der Gegend ist es eine Attraktion, dass man in "Salzhotels" übernachten kann. Man stellt sich solche Unterkünfte so wie irgendwelche Luxus Iglos in den Alpen vor - davon waren wir dort aber meilenweit entfernt. Kurz nach unserer Ankunt begann es heftig zu regnen und ein Gewitter zog auf. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie die "Straßen" nach dem Regenguss ausgesehen haben. Die Blitze schlugen in unmittelbarer Nähe ein, was in der Höhe einen unglaublich bedrohlichen Lärm verursachte. Kurz vor einem Blitz flackerten kurz alle Lampen in der Unterkunft auf, bevor es "BUMM" machte und im ganzen Hotel die Elektrizität ausfiel. Es gab nicht einmal mehr fließendes Wasser - auch nicht bei der Toilettenspülung, was bei ca. 50 Personen extrem unangenehm wurde.
Bei Kerzen- und Stirnlampenlicht warteten wir dann auf unser Abendessen, das sich durch die vielen organisatorischen Probleme immer weiter in die Nacht verzögerte. Irgendwann war es dann aber soweit und ich muss zugeben, das Warten hat sich gelohnt. Es gab wieder verdammt leckere Suppe und Grillhendl mit Pommes! Dazu stellten sie uns eine Flasche bolivianischen Rotwein auf den Tisch - ich hätte Wasser bevorzugt, aber dank Papa Toni's ständigem Nachfüllen tranken wir dann doch ein paar Gläser. Mit vollem Magen und leichtem Schwips konnten wir uns dann endlich schlafen legen!
Um 4 Uhr morgens war dann Tagwache. Im Dunkeln wurde alles gepackt und verladen. In der Kälte vor dem Jeep schafften wir es, uns wenigstens die Zähne zu putzen - denn Elektrizität und fließendes Wasser gab es immer noch nicht. Um 5:00 Uhr war dann Abfahrt Richtung Salzwüste. Die frühe Abfahrt war eigentlich dazu gedacht, dass wir den Sonnenaufgang in der Wüste bewundern können. Leider stand die Wüste großteils unter Wasser - was dem Gewitter vom Vortag geschuldet war - wodurch die Fahrer Sorge hatten, dass wir nach dem Stehenbeiben nicht wieder wegfahren können. Außerdem war es etwas bewölkt, wodurch sich der Zeitpunkt des genauen Sonnenaufgangs ohnehin nicht wirklich feststellen ließ. Also blieb uns nur das orangene Farbspiel am Himmel während der Fahrt zu bewundern. Die mehrere Zentimeter hohe Wasserschicht in der Salzwüste hatte aber auch einen Riesenvorteil - wir hatten den perfekten Spiegeleffekt. Wie schon mehrfach auf unserer Reise hatten wir auch dieses Mal verdammtes Glück, denn am Vortag war noch alles staubtrocken!
Rechtzeitig zum Frühstück erreichten wir eine kleine Insel inmitten der Salar, auf der es eine Vielzahl von meterhohen Kakteen zu bestaunen gab. Außerdem hatte man vom Gipfel der Insel einen wahnsinnig guten Ausblick über die völlig surreale Umgebung.
Nach dem Frühstück versuchten wir noch eines der berühmten Salar de Uyuni-Illusionensfotos zu schießen. Dabei versucht man den endlosen weißen Hintergrund für optische Täuschungen zu nutzen. Das ist nur leider gar nicht so einfach und außerdem waren wir auf das Fotografie-Geschick unserer chinesischen Mitreisenden angewiesen. Diese versicherte uns, dass sie schon einige Erfahrung mit diesen Fotos hatte - Bullshit! Die Ergebnisse waren äußerst unbefriedigend und aufgrund des Zeitplans mussten wir die ganze Unternehmung vorzeitig abbrechen. Das brachbarste Ergebnis wollen wir trotzdem präsentieren...
Danach folgte das absolute Highlight dieser Tour. Wir fuhren etwa zweieinhalb Stunden im Schritttempo und mit offenem Mund durch die Salzwüste und hatten dabei einen völlig absurden Ausblick. Durch den Spiegeleffekt im Wasser konnte man kaum feststellen, wo das Wasser aufhörte und der Himmel begann. Man hatte einfach überhaupt keinen Anhaltspunkt und der Horizont konnte nur erahnt werden. Diesen Anblick werden wir mit Sicherhiet nie wieder vergessen!
Irgendwann war dann doch wieder Land in Sicht und wir näherten uns der Zivilisation, sofern man davon sprechen kann. Wir stoppten noch in einem kleinen Dorf am Weg, wo alle Touristen noch zum Souvenir-Shopping genötigt wurden - wie man sich vorstellen kann, nicht unbedingt mein Ding. Danach kamen wir am Ziel - der kleinen Stadt Uyuni - an. Auch hier bot sich uns eine äußerst rustikale Szenerie. Zum Lunch gab es diesmal Lamafleisch. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Einheimischen das auch essen oder ob das eher als Part-of-the-Show einzuordnen ist. Beim Anblick des Fleisches war ich mir jedenfalls sicher, dass ich es nicht kosten werde. Emi war etwas neugieriger und nahm sich beherzt ein Filet, musste sich aber nach ein paar extrem zähen Bissen eingestehen, dass es ungenießbar war.
Bevor wir im "Stadtzentrum" abgeladen wurden, gab es noch eine kurze Besichtigung des Eisenbahnfriedhofs in Uyuni. Recht begeistern konnten wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht mehr für alte, verrostete Züge. Ich dachte mir, dass es aber ein interessantes Geschäftsmodell darstellt und dass man es eventuell auch der ÖBB verschlagen könnte...
Um 15:00 Uhr hatten wir es dann geschafft, die Tour endete in der Reiseagentur in Uyuni. Wir mussten nur noch die Zeit bis zu unserem 45-Minuten-Flug vom lächerlich winzigen Flughafen in Uyuni nach La Paz totschlagen. Um 23:00 Uhr war dieser elendslange Tag dann endlich zu Ende und wir fielen völlig erschöpft aber hochzufrieden ins Hostelbett.
Fazit:
Die Tour war jeden Cent wert! Drei Tage im 4x4-Gefährt durch unwegsame Landschaft zu fahren, war Abenteuer und Natur pur. Die Landschaft im Süden von Bolivien ist absolut unglaublich. In den Dörfern und kleinen Städten merkt man, dass Bolivien das ärmste Land in Südamerika ist. Mir bleibt leider kein anderes Wort übrig als "schiach", um die Szenerie in den Dörfern zu beschreiben, was aber nicht unbedingt als negativ zu werten ist. Es ist einfach noch etwas mehr Abenteuer und die Eindrücke sind noch bleibender als in einer bekannten, komfortablen Umgebung. Die Menschen hier in Bolivien sind ebenso schlicht und einfach, aber extremst nett und liebenswürdig. Außerdem ist das Spanisch in Bolivien endlich etwas verständlicher für uns. Wir können es also kaum erwarten, noch mehr über dieses Land und die Menschen, die hier leben, zu erfahren.
Hasta pronto!
E&L
>> Next stop: La Paz <<
