Die Qual der Wahl! - Ubatuba
09/03 – 14/03 Unser nächstes Ziel, die Gegend rund um das Dorf mit dem klangvollen Namen 'Ubatuba', liegt gar nicht so weit von der Ilhabela entfernt. Zumindest dachten wir uns...


Veröffentlicht: 20.03.2018



































14/03 – 17/03
Eine kleine Kolonialstadt, in der die brasilianische Spirituose 'Cachaça' aus Zuckerrohrsaft im großen Stil hergestellt wird und die vom Serra da Bocaina National Park umringt ist, der nicht nur Berge sondern auch wunderbare Strände zu bieten hat, das klingt in unseren Ohren alles definitiv danach, dort ein paar Tage zu verbringen und sich das etwas genauer anzusehen!
In Ubatuba haben wir schweren Herzens unser tolles Mietauto zurückgeben müssen. Die Mitarbeiterin wollte uns noch etwas mehr Geld als ausgemacht abknöpfen, aber wir hatten sofort die Buchungsbestätigung bei der Hand und der Fall war schnell erledigt. Mit dem Taxi fuhren wir zum Busbahnhof und checkten die Tickets. Während der Wartezeit auf den Bus sah ich zum ersten Mal etwas zwielichtige Gestalten in Brasilien. Zwei verwahrloste Typen lungerten beim Bussteig herum und beäugten die wartenden Leute. Ich hatte den Eindruck, dass sie es möglicherweise auf die Gepäckstücke abgesehen hatten. Aber da sie sich während der Stunde, die wir dort verbrachten, nicht einen Meter bewegten, tat ich sie als harmlose Obdachlose ab. Die einstündige Busfahrt verging bei strahlendem Sonnenschein und herrlichem Ausblick auf die Küste der Costa Verde wie im Flug.
Nach dem Check-in schlüpften wir sofort in Badehose bzw. Bikini und verließen das Hostel auch schon wieder Richtung Strand. Der Dorfstrand 'Praia do Pontal' war überhaupt nicht einladend, weshalb wir noch einen kleinen Fußmarsch zum nächsten Strand, dem 'Praia Jabaquara' absolvierten. Dieser kam auch nicht annähernd an einen "Bilderbuchstrand" heran, aber für einen kleinen Mittagssnack - endlich mal ein leistbarer und leckerer Fisch - und Entspannung am Meer reichte er allemal.
Am Abend schlenderten wir durch das historische Stadtzentrum und machten uns ein erstes Bild. Die bunten Kolonialbauten und die mit gullideckelgroßen Steinen gepflasterten Straßen erinnerten uns an eine Mischung aus Cartagena und Salento. In Paraty sahen wir zum ersten Mal andere Rucksacktouristen und ansprechende Cafés, Restaurants und Shops. Man findet auch einige wenige Touranbieterbüros und etliche Straßenkünstler, die entweder Musik machen oder ihr Kunsthandwerk verkaufen. Alles in allem war der erste Eindruck sehr positiv. Einzig die Pflastersteine machten das Flanieren mit Flip Flops zu einer echten Herausforderung, weil sie so uneben verlegt sind und man sehr leicht stolpert, wenn man nicht die ganze Zeit auf seine Schritte achtet. Nach einem äußerst leckeren Abendessen genehmigten wir uns noch in einer Spelunke einen günstigen, aber sehr starken Caipirinha.
In unserem Hostel wurde eine ganztägige Tour angeboten, die sich aus drei individuellen Aktivitäten zusammensetzte. Wir entschieden uns für das volle Paket und buchten es für den folgenden Tag. Am nächsten Morgen standen wir früh auf und machten uns bereit für den ersten Part. Allerdings wurde die Jeep-Tour auf den nächsten Tag verschoben, weil der Tourguide an diesem Tag nicht verfügbar war. Also blieb uns noch etwas Zeit bis zum zweiten Teil, weshalb wir beschlossen, uns inzwischen die Stadt bei Tag anzusehen. Kurz vor 11 Uhr begaben wir uns dann zu den "Docks", von wo die Bootstour starten sollte. Wir waren etwas zu früh dran und mussten die Zeit in der bereits herunterknallenden Sonne abwarten. Das Thermometer näherte sich bereits der Tageshöchsttemperatur von 36 Grad! Irgendwann fühlten sich dann auch die restlichen Tourteilnehmer bemüßigt aufzutauchen und wir konnten endlich an Bord gehen.
Die folgenden sechs Stunden cruisten wir gemeinsam mit den Crewmitgliedern - zwei Brasilianer und eine Holländerin - und 8 anderen Passagieren durch die wunderschönen Gewässer bei Paraty. Die Tour hatte den passenden Namen 'Caipboat', da während der gesamten Fahrt kostenlose Caipirinhas serviert wurden. Anfangs dachte ich mir, dass jeder über den Tag verteilt vielleicht 2-3 Drinks bekommen würde, aber ich wurde sehr schnell eines Besseren belehrt. Sofort nach dem wir den Hafen verlassen hatten, wurde der erste Caipirinha-Kübel gemixt und in Plastikbecher an die Leute verteilt. Mit einem leckeren Caipi in der Hand genossen wir den leichten Fahrtwind und die traumhafte Kulisse. Das Meer war ruhig und strahlend blau, die Berge in der Ferne saftig grün und der Himmel wolkenlos. Wir kamen immer wieder an kleinen Privatinseln vorbei, auf denen sich atemberaubende Häuser befanden - das wäre mal ein Ort für den Lebensabend! :) Das Rundherum gefiel mir so sehr, dass ich beschloss, den ganzen Tag nüchtern zu bleiben und mit klarem Kopf so viel wie möglich von diesem Ambiente aufzusaugen.
Den ersten Stopp legten wir in unmittelbarer Nähe einer kleinen, dicht bewachsenen Insel ein. Sofort sprangen alle vom Sonnendeck aus ins kühle Nass. Das Wasser war unglaublich klar und erfrischend. Die Crew warf kleine Bananenstücke auf einen schmalen Vorsprung der Insel und es dauerte nur wenige Augenblicke, bis das erste hungrige Tier auftauchte. Eine große Echse schnappte sich eines der Stücke und vertilgte es genüsslich. Danach schwammen wir zum Vorsprung und hielten die Bananenstücke in die Luft, um die ca. 15 cm kleinen und ziemlich pelzigen Äffchen anzulocken, die sich in den Baumkronen versteckten und uns skeptische Blicke zuwarfen. Mir gelang es, einer kleine Affenfamilie zweimal Futter zu servieren! :)
Nach der Affenfütterung meinte die Holländerin, dass weiter hinten in der Bucht ein Seil hängt, mit dem man auf einen Felsen klettern und ins Wasser springen könnte. Ich schwamm also in diese Richtung, entdeckte es und war der Erste, der einen Köpfler ins Wasser machte. Kurz danach kam der Captain angeschwommen und erklärte uns - mittlerweile hatten sich auch andere Tourteilnehmer angeschlossen - dass wir zum Springen etwas weiter nach links gehen müssten, denn direkt beim Seil wäre es wegen der Felsen zu gefährlich. Danke für die Info, das nächste Mal vielleicht etwas früher…Wir vergnügten uns einige Zeit, bevor wir zum nächsten Programmpunkt weiterfuhren.
Beim zweiten Halt, einer Stelle zwischen zwei Inseln mit türkisblauem Wasser, überwand dann auch Emi ihre Angst, aus der Höhe ins Wasser zu springen. Womöglich hatte das mit ihrem Caipirinhakonsum zu tun, aber sie stürzte sich waghalsig - zumindest vom zweieinhalb Meter hohen Sonnendeck - in die Tiefe! Selbstverständlich mit Nasezuhalten - an der Lässigkeit muss definitiv noch gearbeitet werden! ;)
Zu Mittag legten wir an einem kleinen Strand an, wo es die Möglichkeit gab, etwas zu essen. Emi und ich teilten uns einen köstlichen Tagesteller mit frischem Fisch begleitet von Reis, Salat und Bohnensauce. Die anderen Tourteilnehmer verschwendeten keinen Gedanken ans Mittagessen und blieben in der Nähe unseres Bootes bzw. in der Nähe der Caipirinhaquelle. Als wir nach der Mittagspause wieder zurück aufs Boot kamen, lallten sich schon alle gegenseitig an und konnten plötzlich alle möglichen Sprachen fließend sprechen. Ihre Blicke sprachen ebenfalls Bände.
Unser letzter Stopp führte uns nochmal zu einem kleinen Strand, wo wir unzählige Male vom Bootsdach ins Wasser sprangen und dabei alle möglichen Effekte unserer Handykameras ausprobierten. Die Sonne stand da bereits etwas tiefer und die Umgebung wirkte dadurch noch eindrucksvoller. Zum Abschluss entschieden wir uns noch, eine kleine Runde zu einer im Meer befestigten Plattform zu schwimmen, bevor die Sirene ertönte und alle wieder an Bord zitierte wurden, um den Rückweg nach Paraty anzutreten.
Auf halbem Weg bemerkten wir plötzlich, dass einer der Trunkenbolde - ein junger Brasilianer - über Bord gegangen war. Wir haben leider nicht gesehen, ob er absichtlich ins Wasser gesprungen oder schlicht aufgrund des Alkoholpegels vom Sonnendeck gefallen ist. Jedenfalls trieb er ganz gemütlich auf dem Rücken liegend herum, ohne sich Sorgen um das Boot und seine Rettung zu machen. Unser Captain drehte sofort um und steuerte auf ihn zu. Beinahe wurde der Schiffbrüchige vom Boot überfahren, weil er nicht darauf achtete, wohin er schwamm. Der Captain war sichtlich verärgert über diese unnötige Aktion, aber das ist wohl das Risiko auf einem Boot mit uneingeschränktem Caipirinha-Angebot...
Als wir im Hafen anlegten, sprang der besoffene Brasilianer sofort wieder ins Wasser. Ihm war offenbar entgangen, dass wir uns bereits im dreckigen Kanal von Paraty befanden und das Wasser alles andere als zum Schwimmen einlud. Auf Nachfrage erklärte er dann seine Handlung so, dass er dachte, wir befänden uns noch am Strand. Seine weibliche, nicht weniger betrunkene Begleitung füllte in der Zwischenzeit die letzten Caipirinhareste in eine Plastikflasche, um für den Heimweg noch ausgestattet zu sein. Am Sonnendeck lagen die restlichen Passagiere und erwachten schön langsam aus ihrem Koma. Nur der Italiener hatte sichtlich Schwierigkeiten, wieder sein Bewusstsein zu erlangen. Der Captain begleitete ihn schließlich an Land. Emi hatte sich zwar ein paar mal vom Caipirinhakübel bedient, aber wir beide waren neben der Crew die einzigen, denen man den Tag am Caipi-Boot nicht ansah! :)
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Zimmer gingen wir am Abend dann noch zu der letzten Tour-Attraktion des Tages. Diese bestand aus einer Craft Beer-Verkostung. Wir hatten dafür vom Hostelbesitzer einen Gutschein für insgesamt zehn Gläser und die Adresse der Bar bekommen. Zu den Bieren bestellten wir uns noch ein kleines Abendessen und spielten Karten, bis der Wert des Gutscheins vollkommen verbraucht war. Ein, wie ich finde, würdiger Abschluss für diesen wunderbaren Tag!
Am nächsten Morgen stand noch die vom Vortag ausständige Jeeptour am Programm. Eigentlich waren wir gar nicht mehr richtig in Stimmung und Emi lag mir seit dem Vorabend schon in den Ohren, ob wir die Tour nicht canceln sollten. Wir entschieden uns aber, es durchzuziehen. Wir wurden kurz nach dem Frühstück von unserem Tourguide Ronny im Jeep abgeholt und er erklärte uns, dass zwei andere Typen, die eigentlich auch gebucht hätten, einfach nicht aufstehen wollten und abgesagt hatten. Also hatten wir wiedermal eine private Tour. Während der Fahrt erzählte uns Ronny in eher schlechtem Englisch etwas über die Geschichte von Paraty, weshalb das konzentrierte Zuhören etwas schwer fiel. Nach 30 Minuten kamen wir mitten im Grünen an und er führte uns zum ersten Spot: dem 'Toboggan Waterfall', der wie eine natürliche Wasserrutsche ist. Das Wasser war zwar eiskalt, aber das Rutschen machte richtig Spaß.
Wenige Meter weiter oben im Wald gab es neben einem Restaurant den 'Tarzan Pool', einen weiteren Wasserfall mit einem großen Naturalbecken, in dem man ausgezeichnet schwimmen konnte. Unser Guide hatte allerdings meine volle Aufmerksamkeit geweckt, als er beiläufig erwähnte, dass man von einem Felsen in den Pool springen konnte. Ich suchte also umgehend nach dem Weg nach oben und fand schließlich eine Leiter. Ich stieg sie hoch und das letzte, steile Stück Richtung Absprungstelle half ich mir mit einem dort angebrachten Seil. Als ich mich an den Rand stellte und in den Pool unter mir blickte, war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich wirklich hinunterspringen wollte. Es war doch sehr hoch, ich schätze um die 10 bis 12 Meter. Als mir ein anderer Guide auf der gegenüberliegenden Seite ein Zeichen gab, dass es sicher war, zu springen, beschloss ich, es zu tun. Emi und ein paar andere Zuschauer zückten die Kameras und ab ging die Post. Der Aufprall schmerzte nur minimal auf den Fußsohlen, daher stürzte ich mich gleich ein zweites Mal hinunter. Ronny meinte dann beim Verlassen des Pools, dass er es nicht gerne sieht, wenn seine Tourteilnehmer springen und dass ich erst der dritte Typ auf seiner Tour bin, der hinunter gesprungen ist. Immerhin macht er diese Tour schon seit 3 Jahren...
Nach diesem Adrenalinkick zogen wir trockene Sachen an und spazierten wieder hinunter zum Jeep. Wir stiegen aber nicht ein, sondern gingen nur auf die andere Straßenseite in die Cachaça -Distillerie zur Verkostung und um unsere Nerven zu beruhigen. Wir kosteten uns durch fast alle angebotenen Cachaça-Arten und kauften zwei Flaschen für unsere Hausbar. Bald gibt es also leckere Caipirinhas! :) Rechtzeitig, bevor der Regen einsetzte, fuhr uns Ronny zurück ins Hostel, wo wir uns während des Gewitters aufhielten. Man glaubt gar nicht, wie heftig es in Regenwaldregion regnen kann - da kam ordentlich was runter! Am Abend, als der Regen aufgehört hatte, drehten wir eine letzte Runde in der Innenstadt, aßen zu Abend und machten eine kleine Shoppingtour.
Fazit:
Paraty gefiel uns bisher auf jeden Fall am besten in Brasilien. Schön langsam werden Brasilien und wir doch noch gute Freunde. Man braucht nur etwas Glück mit dem Wetter, dann gibt es vermutlich keinen schöneren Ort, den ich mir vorstellen könnte. In Paraty hätten wir durchaus noch ein oder zwei Nächte mehr verbringen können. Die Stadt hat ein nettes historisches Zentrum und eine für (Rucksack-)Touristen nicht unwesentliche gute Infrastruktur. Gleichzeitig ist es aber auch nicht völlig von Touristen überrannt, es hat sich eine gewisse Ruhe behalten. Wir haben uns in Paraty keine Strände entlang der Küste angesehen, aber wir sind überzeugt, dass diese einen mehrtägigen Aufenthalt wert sind.
Hasta pronto!
E&L
>> Next stop: Ilha Grande <<
