Tag 6: Sturm, Sonne & Ausschlafen – Magerøya jenseits der Weltkugel
Nach der gestrigen Nacht-Aktion (wir waren erst gegen 03:00 Uhr im Bett) startete der Tag heute ganz im Zeichen der Erholung: Ausschlafen!

Veröffentlicht: 23.11.2025
Heute hieß es Abschied nehmen von der Insel Magerøya. Der Kompass zeigt jetzt wieder nach Süden. Unser Tagesziel lag in der Region Tromsø, genauer gesagt im Landesinneren an der E8, kurz vor der schwedischen Grenze und hoch in den Bergen. Doch der Weg dorthin hielt einige Überraschungen bereit – vor allem beim Blick auf das Thermometer.
Gestern mussten wir uns noch gegen den Sturm lehnen, heute lief die Klimaanlage im Auto auf Hochtouren. Kein Witz: Das Thermometer kletterte auf fast 30 Grad. Die Luft war nicht mehr klar und frisch wie am Nordkap, sondern regelrecht stickig. An einem der (herrlich kühlen) Fjorde traf ich einen einheimischen Jugendlichen, der gerade badete. Er lachte nur und meinte, so ein Wetter gäbe es hier oben vielleicht alle paar Jahre mal. Wir haben also den arktischen Jackpot geknackt – oder die Klimakrise hautnah gespürt.
Wir folgten der E6 die Küste entlang Richtung Süden. Die Landschaft verändert sich jetzt spürbar. Die karge Tundra weicht zurück, es wird wieder grüner, und wir fuhren an den ersten "richtigen", tief eingeschnittenen Fjorden vorbei, die man von Postkarten kennt. Gleichzeitig wurde die Fahrt zum Tunnel-Marathon. Die Norweger sind Weltmeister im Tunnelbau, und heute ging es gefühlt alle zehn Minuten durch den Berg statt darüber. Die Rentiere machten sich dafür rar – die scheinen sich bei der Hitze (oder dem Verkehr) eher in die hohen Lagen zurückgezogen zu haben.
Statt in der Stadt Alta zu halten (die haben wir heute links liegen lassen), zog es uns raus in die Natur zum Jøkelfjord. Hier kalbt der einzige Gletscher des europäischen Festlands direkt ins Meer (bzw. fast). Wir unternahmen eine Wanderung, um den Gletscher besser zu sehen.
Die Begegnung: Unterwegs trafen wir einen italienischen Lehrer, der – genau wie wir – auf einem großen Roadtrip unterwegs war. Es ist immer wieder spannend, wie man hier oben sofort ins Gespräch kommt. Alle sind im "Entdecker-Modus".
Die Plage: Leider war langes Verweilen und Genießen kaum möglich. Zwar waren die Mücken weg, aber dafür schwirrten andere, seltsame Insekten (wahrscheinlich Bremsen oder Kriebelmücken) um uns herum, die bei der stickigen Hitze extrem aggressiv waren. Also: Foto machen, kurz staunen und weiter.
Zwei weitere Stopps legten wir noch an Wasserfällen direkt an der Straße ein. Bei der Hitze war schon allein der Sprühnebel des Wassers eine Wohltat.
Am Abend erreichten wir unsere Unterkunft an der E8 in den Bergen. Wieder eine feste Unterkunft mit dem bewährten Prinzip: Privates Zimmer, aber Küche und Bad werden geteilt. In der Küche entwickelte sich ein langes, spannendes Gespräch mit einer Dame aus Finnland. Das ist das Schöne an diesen Gemeinschaftsunterkünften: Man tauscht Routen aus, vergleicht Wetter-Erfahrungen und bekommt Einblicke in das Leben der Nachbarn.
