Tag 18: LKW-Blockade, Nebel am Dalsnibba & Baden im Gletscherwasser
Heute stand einer der berühmtesten Orte Norwegens auf der Liste: Der Geirangerfjord. Doch der Tag wurde weniger durch den Fjord selbst geprägt, sondern durch das Verkehrschaos...

Veröffentlicht: 23.11.2025
Heute hieß es: Kilometer machen und dem Regen davonfahren. Wir verließen die spektakuläre Fjordregion und setzten Kurs auf den Süden Norwegens. Doch der Tag hielt neben Rekord-Bauwerken auch zwei wichtige Lektionen bereit – eine über Tiere und eine über Finanzen.
Der Tag startete direkt mit einem Superlativ. Wenn man in Lærdal losfährt, hat man die Wahl: Über den Berg (Schneestraße) oder mitten hindurch. Ich entschied mich für den Tunnel – und zwar nicht irgendeinen. Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt. Es ist eine irre Erfahrung. Man fährt gut 20 Minuten lang einfach nur durch den Fels. Damit die Fahrer nicht vor Monotonie einschlafen, haben die Ingenieure riesige Hallen in den Tunnel gesprengt, die mit blauem und gelbem Licht beleuchtet sind. Das soll den Sonnenaufgang simulieren und wirkt völlig futuristisch.
Auf der Weiterfahrt durch das Landesinnere lernte ich eine neue Gefahr kennen. Im Norden waren es die Rentiere, hier im Süden sind es Schafe. Und hier liegt der tückische Unterschied:
Rentiere sind groß, stolzieren herum und sind meist gut zu sehen.
Schafe hingegen sind die Ninjas der norwegischen Straßen. Sie sind kleiner und lieben es, auf dem warmen Asphalt zu schlafen – oder sie suchen bei Regen Schutz in den Tunneln! Da ihr Fell oft die gleiche Farbe hat wie der dreckige Straßenbelag oder die Betonwände, sieht man sie extrem spät. Man fährt in einen dunklen Tunnel ein und plötzlich liegen da fünf Schafe auf der Fahrbahn. Da hilft nur: Fuß permanent bremsbereit halten und hellwach sein.
Apropos Regen: Ein heftiges Unwetter hatte uns den ganzen Tag begleitet. Als wir schließlich hungrig in der Region ankam, steuerte ich den einzigen Supermarkt weit und breit an. Ich stand an der Kasse, den Arm voller Lebensmittel, und zückte wie gewohnt meine Karte. Doch nichts ging. Das Unwetter hatte die Leitung gekappt, das Kartenlesegerät war tot. In diesem Moment war ich heilfroh, dass ich entgegen aller "In Skandinavien brauchst du nie Bargeld"-Tipps doch ein paar Scheine eingesteckt hatte. Ohne diesen Notgroschen hätte ich die Einkäufe zurücklegen müssen und wäre heute Abend hungrig ins Bett gegangen. Lektion gelernt: Verlass dich nie zu 100% auf die Technik, schon gar nicht in der Wildnis.
Unser Ziel war der winzige Ort Harstveit (in der Nähe von Åmli) in der Provinz Agder. Wir sind jetzt weg von den dramatischen Westfjorden und mitten im waldreichen, sanfteren Südnorwegen. Und als ob das Wetter ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, passierte am Abend noch das Wunder: Der Regen hörte auf und die Sonne kam tatsächlich noch einmal heraus. So endete dieser graue Tag doch noch versöhnlich – satt (dank Bargeld!) und mit goldenem Abendlicht.
Tagesfazit:
Rekord: Fahrt durch den längsten Tunnel der Welt.
Warnung: Schafe im Tunnel sind schwerer zu sehen als Rentiere!
Finanzen: Bargeld ist King, wenn das Unwetter das Kartenlesegerät killt.
Stimmung: Erst grau und nass, am Ende sonnig und entspannt.
