Tag 17: Ålesund – Ein Parkhaus im Berg und das deutsche Paradoxon
Heute stand Ålesund auf dem Programm. Wir haben zwar das Hotel gewechselt (aber sind in der Stadt geblieben), doch das eigentliche Abenteuer war heute historischer und...
Veröffentlicht: 23.11.2025
Heute stand einer der berühmtesten Orte Norwegens auf der Liste: Der Geirangerfjord. Doch der Tag wurde weniger durch den Fjord selbst geprägt, sondern durch das Verkehrschaos davor, eine weiße Wand auf dem Gipfel und eine spontane Abkühlung der extremen Art.
Auf der Fahrt hinunter nach Geiranger (über die berühmte Adlerstraße) passierte der Super-GAu: In einer der engen Haarnadelkurven blieb ein LKW liegen. Nichts ging mehr. Ich stand relativ weit hinten in der Schlange. Vor mir Busse und Wohnmobile, hinter mir staute es sich immer weiter. Meine Optionen waren begrenzt:
Warten (kann Stunden dauern).
Umkehren (bedeutet einen riesigen Umweg).
Die Flucht nach vorn.
Da mein Kleinwagen deutlich schmaler ist als die Wohnmobile, sah ich eine Lücke zwischen dem havarierten LKW und der Leitplanke. Also fasste ich mir ein Herz und schlängelte mich an der wartenden Kolonne vorbei nach vorne ("Option 3"). Der Plottwist: Genau in der Sekunde, als ich vorne ankam, bekam der LKW-Fahrer sein Gefährt wieder in Gang und machte die Spur frei. Das Ergebnis: Ich konnte als allererstes Auto weiterfahren – noch vor den Bussen und denen, die schon ewig warteten. Kultur-Schock: Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich mich quasi "vorgedrängelt" hatte (wenn auch ohne böse Absicht). In Deutschland hätte es ein Hupkonzert und Mittelfinger gegeben. Hier? Nichts. Keine bösen Blicke, absolute Gelassenheit. Die norwegische Ruhe im Straßenverkehr ist wirklich bewundernswert.
Unten im Ort Geiranger angekommen, bestätigte sich meine Vorahnung. Es ist wunderschön, ja, aber gnadenlos überlaufen. Kreuzfahrttouristen, Busse und diese Unmengen an Wohnwagen, die auf den engen Straßen einfach nerven. Parken war unmöglich, und nach dem Stress am Berg hatte ich auch keine Lust auf Menschenmassen. Also: Kurz gucken, Haken dran und wieder den Berg hoch auf der anderen Seite.
Das nächste Ziel war der Dalsnibba-Aussichtspunkt auf fast 1500 Metern Höhe. Normalerweise hat man hier den besten Blick runter in den Fjord. Heute nicht. Wir fuhren direkt in eine dichte Wolke hinein. Die Sichtweite ging gegen Null, das Autofahren wurde zum tastenden Blindflug. Oben angekommen zeigte das Thermometer knapp über 0 Grad. Aussicht? Keine. Aber die Stimmung in dieser weißen, kalten Suppe war einzigartig mystisch. Manchmal ist das Wetter das größere Erlebnis als das Panorama.
Auf dem weiten Weg Richtung Süden (ich fuhr durch die Tunnel, nicht über die alte Passstraße) kamen wir an einem Gletscher vorbei. Der dazugehörige Gletschersee leuchtete so unwirklich blau und einladend, dass ich spontan anhielt. Es war vielleicht Wahnsinn, aber ich musste rein. Ein Bad im Gletscherwasser weckt definitiv alle Lebensgeister!
Am Abend erreichten wir Lærdal am Sognefjord (dem zweitlängsten Fjord der Welt). In Lærdal bezogen wir eine komfortable Unterkunft (hotelähnlich mit eigenem Bad). Und weil der Gletschersee wohl noch nicht genug war, ging es abends gleich nochmal ins Wasser: Diesmal direkt in den Lærdalsfjord. Das Wasser war salzig, die Berge riesig und der Tag endete entspannt im Wasser, nachdem er so stressig am Berg begonnen hatte.
Tagesfazit:
Glückspilz: Durch Zufall (und Mut) am Stau vorbei.
Tourismus: Geiranger ist schön, aber zu voll.
Wetter: Dalsnibba im Nebel = 0 Grad & 0 Sicht.
Challenge: Baden im Gletschersee UND im Sognefjord an einem Tag.
Übernachtung: Lærdal als perfekte Basis.
