Heute war DER Tag. Nach tausenden Kilometern, kurzen Nächten und Mücken-Attacken stand das große Ziel auf dem Programm: Das Nordkap (Nordkapp).
Abschied von Finnland & Mücken
Der Tag begann mit zwei guten Nachrichten:
Der Grenzübertritt von Finnland zurück nach Norwegen verlief völlig problemlos.
Die Mücken sind weg! Je weiter wir Richtung Eismeer kamen, desto frischer wurde die Brise. Die Plagegeister von gestern scheinen die arktische Luft nicht zu mögen. Zum Glück.
Die Landschaft hat sich heute dramatisch verändert. Die dichten Wälder wichen einer kargen Tundra. Bäume gibt es hier oben kaum noch, dafür hat man einen unendlich weiten Blick. Die Luft ist unbeschreiblich klar und frisch – und das Verrückte: Das Thermometer zeigte immer noch über 20 Grad an. Arktis mit T-Shirt-Wetter!
Achtung, Rentier!
Auf den Straßen war heute Slalom angesagt. Nicht wegen Schlaglöchern, sondern wegen der Einheimischen. Rentiere sind hier überall – und sie haben die Ruhe weg. Sie stehen am Straßenrand, auf der Straße oder trotten gemütlich vor dem Auto her. Ein echtes Skandinavien-Klischee, das hier Realität ist.
Kulinarischer Mut in Alta
In Alta legten wir einen Zwischenstopp ein, um uns für das Finale zu stärken. Ich wagte mich an eine lokale Spezialität: Rentierfleisch. Das Urteil? Interessant! Es schmeckt weniger "wild" als Hirsch, aber kräftiger als Schwein. Auffällig war, dass das Fleisch sehr fettig ist – wahrscheinlich brauchen die Tiere das hier oben als Kälteschutz. Ein Erlebnis war es allemal.
Basecamp Repvåg & der historische Abstieg
Wir fuhren weiter bis zur Halbinsel Repvåg, wo wir unser Hotel bezogen. Hier machten wir erst einmal Pause, denn der Plan war, das Nordkap zur symbolträchtigsten Zeit zu besuchen: um Mitternacht.
Am späten Abend ging es los. Allein die Fahrt durch den Nordkaptunnel (fast 7 km lang und tief unter dem Meer) ist ein Erlebnis für sich. Bevor wir jedoch zur berühmten Weltkugel fuhren, machten wir einen Abstecher zur Bucht Hornvika. Das ist ein Ort für Historiker und Sportliche. Bevor die Straße gebaut wurde, legten hier früher die Kreuzfahrtschiffe an und die Touristen mussten den steilen Fels hochklettern. Wir machten den Abstieg in die Bucht. Es war kräftezehrend, steil und zeitintensiv, aber absolut lohnenswert. Während oben am Plateau die Busse standen, war die Bucht menschenleer.
71° 10′ 21″ N – Magie um 1 Uhr nachts
Dann ging es das letzte Stück hoch zum Nordkap-Plateau. Wetter-Lotto: Als wir in Repvåg starteten, schien noch die Sonne. Doch das Nordkap ist eine Diva. Das Plateau selbst war in Wolken gehüllt. Aber durch die Mitternachtssonne, die von oben auf die Wolkendecke drückte, erschien der Nebel nicht grau, sondern zart rosa. Eine mystische, fast unwirkliche Stimmung.
Pünktlich zur "Mitternacht" (wegen der Sommerzeit war es eigentlich 01:00 Uhr) standen wir am Globus.
Die Fotos: Pflichtprogramm am Globus und den Statuen der "Kinder der Welt".
Die Kosten: Parken kostet hier oben mittlerweile Geld. In die berühmte Nordkaphalle bin ich nicht gegangen – der Eintritt ist extrem teuer und den Blick hat man auch von draußen.
Gegen 03:00 Uhr nachts fielen wir schließlich im Hotel in Repvåg ins Bett. Todmüde, aber mit dem Gefühl: Wir haben es geschafft. Wir standen am Ende der Welt.
Tagesfazit:
Kulinarik: Rentier in Alta (fettig, aber lecker).
Natur: Karg, frisch und voller Rentiere.
Hidden Gem: Die menschenleere Bucht Hornvika.
Nordkap: Rosa Wolken statt klarer Sicht – aber absolut magisch.
Status: Mission erfüllt!