Tag 2: Hoch hinaus am Vätternsee & eine Nacht am Schloss
Nach dem entspannten Ankommen gestern stand heute "Strecke machen" auf dem Programm. Unser Ziel lag nördlich von Stockholm – eine ordentliche Etappe, die uns quer durch das Herz...

Veröffentlicht: 23.11.2025
Heute stand die erste echte "Königsetappe" an. Von unserem Schloss bei Stockholm bis nach Umeå sind es rund 600 Kilometer. Das klingt machbar, zieht sich aber in die Länge, wenn man sich die Straße mit dem Schwerlastverkehr teilen muss.
Stockholm haben wir weiträumig umfahren – zum Glück, denn Stadtverkehr brauchte ich heute nicht. Dafür lernten wir die E4 von ihrer geschäftigen Seite kennen. Sie ist die Hauptschlagader in den Norden und heute war sie voll. Vor allem LKW an LKW schoben sich die Küste hinauf. Das Überholen ist oft mühsam, und man muss hochkonzentriert bleiben. Die Landschaft zog dabei stundenlang fast unverändert an uns vorbei: flach, viel Wald, immer wieder Küstenblitze. Spektakulär ist anders, aber man spürt, wie man sich Kilometer für Kilometer in die Wildnis vorarbeitet.
Um den "Tunnelblick" zu vermeiden, haben wir zwei strategische Stopps eingelegt:
Naturschutzgebiet Billudden: Ein herrlicher Kontrast zur vollen E4. Hier gibt es weitläufige Kiesstrände und eine karge, windgepeitschte Vegetation. Genau der richtige Ort, um tief durchzuatmen und den Lärm der Autobahn aus den Ohren zu bekommen.
Die Höga Kusten Bron (High Coast Bridge): Ein absolutes Highlight der Strecke. Plötzlich verändert sich die Topografie. Es wird hügeliger, fast ein wenig dramatisch, und dann taucht diese gigantische Hängebrücke auf, die den Fluss Ångermanälven überspannt. Sie erinnert fast ein wenig an die Golden Gate Bridge – nur eben mitten in Schweden. Ein perfekter Fotostopp!
In Umeå angekommen, bezogen wir unser Quartier: Eine schlichte, aber gemütliche Unterkunft mit privatem Schlafzimmer, aber geteiltem Bad und Gemeinschaftsküche. Genau diese Gemeinschaftsküche erwies sich als Glücksgriff. Wir trafen einen deutschen Motorradfahrer, der gerade vom Nordkap zurückkam. Wir saßen ewig zusammen. Er mit dem Ziel "Heimat" vor Augen, wir voller Vorfreude auf das Ziel, das er schon hinter sich hatte. Seine Berichte von der Kälte da oben, dem Wind und der endlosen Weite haben die Vorfreude (und den Respekt vor den nächsten Tagen) nochmal ordentlich gesteigert. Es tut gut, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, wenn man so lange "on the road" ist.
Nach dem Gespräch, es war mittlerweile 01:00 Uhr nachts, wollte ich eigentlich schlafen gehen. Doch ein Blick aus dem Fenster hielt mich wach. Es war nicht dunkel. Draußen herrschte eine seltsame, magische Dämmerung. Wir sind jetzt so weit im Norden, dass die Sonne nur noch kurz hinter dem Horizont abtaucht. Diese Mitternachtsdämmerung mit eigenen Augen zu sehen, ist surreal. Dein Kopf sagt "Schlafenszeit", aber deine Augen sagen "Dämmerung". Ein unvergesslicher Moment, der mir klar machte: Jetzt sind wir wirklich im Norden angekommen.
Tagesfazit:
Strecke: 600 km Konzentrationsübung auf der vollen E4.
Landschaft: Meist flach und waldig, bis auf die imposante Höga Kusten Brücke.
Social: Spannender Austausch mit einem Nordkap-Rückkehrer.
Magic Moment: Um 1 Uhr nachts in die helle Dämmerung blinzeln.
