Salam ya Amman
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Besser spät als nie: Wadi Rum

Veröffentlicht: 30.01.2020

Mittwoch, 22. Januar

5:45 am. Wir erwachen in unserer Eiskammer. Ohne Wärmflasche wäre es hier auf keinen Fall auszuhalten gewesen. Wir packen unsere restlichen Sachen zusammen und machen uns dann auf den Weg zur öffentlichen Bushaltestelle, die Muath uns gestern beschrieben hat. Als wir dort ankommen und Taxi-Fahrer nach dem Bus Richtung Wadi Rum fragen, sehen wir, dass der gerade schon losfährt. Aber kein Problem. Ein Taxi-Fahrer kontaktiert direkt den Busfahrer (hier in Petra sind wohl wirklich alle gut vernetzt), und sagt uns, dass er in 5 Minuten wieder da ist. 

Und so ist es auch. Wir steigen also eine Weile später in den kleinen Bus ein und werden von Wahid begrüßt, dem netten Begleitfahrer hier im Bus, der sich darum kümmert, dass alle Fahrgäste in ihren gewünschten Camps in Wadi Rum ankommen. Wir halten noch an einigen anderen Stellen, bis der kleine Bus voll gestopft mit Fahrgästen und Gepäck ist, und der Bus dann ganz langsam über teilweise immer noch zugeschneite Straßen Richtung Wadi Rum rollt.  Der Fahrer spielt Fairouz und auch generell ist der kleine public bus sehr viel gemütlicher als der große Jett-Bus, mit dem wir eigentlich gefahren wären. Wir machen unterwegs außerdem noch kurz Stopp bei einem Imbiss, wo Wahid Falafel für die ganze Reisetruppe besorgt. Was für ein Service.

Auch wenn der Himmel zwischendurch immer mal wieder aufbricht und die Sonne kraftvoll auf die Schneelandschaft um uns herum scheint, kommen wir bei grauem Himmel an Wadi Rums Visitor Centre an, wo uns Mohammad und Farez abholen – die beiden Jungs, die ich noch vom letzten Wadi Rum Besuch kenne. Auf dem bekannten uralten Pick-Up fahren sie uns dann durch die Wüste zum Green Desert Camp. Dort gehen wir eine Runde spazieren und freuen uns an dem besser werdenden Wetter, bis von weitem dann 3 Kamele angetrottet kommen. Wir haben für heute Morgen einen Kamel-Ritt gebucht.

Jeder von uns drei bekommt also ein Kamel, dann werden wir von dem Kamelführer  durch die Wüste geführt. Und ich stelle fest, dass der Kamelrücken sehr viel angenehmer ist, als der Esel vor drei Wochen. Ganz weich oben thronend traben wir durch den Wüstensand, während sich die Kamele zwischendurch immer mal wieder an trockenen Sträuchern um uns herum bedienen. Sehr viel anderes gibt es hier auch wirklich nicht zum Futtern. Nach etwa einer Stunde angenehmen Ritt kommen wir wieder zum Camp zurück, wo wir eine kleine Teepause machen und dann zu unserer Jeep Tour starten. Zusammen mit Dom und Jo, einem Leipziger und einer Australierin, die frisch verheiratet sind und sich gerade eine Woche Urlaub in Jordanien gönnen. Wie auch bei der letzten Jeep Tour fahren wir zunächst beim „Mushroom Rock“ vorbei und dann weiter zum kleinen Canyon, durch den wir dann laufen, während Farez auf der anderen Seite des Canyons unser Lunch zubereitet.

Als wir Farez kurz darauf wieder Gesellschaft leisten, ist er noch mit seinem Feuerchen beschäftigt, weshalb Papa und ich beschließen, noch die Sanddüne zu erklimmen, die auch Ramo beim letzten Mal hochgeklettert ist. Farez ruft uns hinterher und fischt etwas aus seinem Pick Up. Eine Art Sandboard, das er Papa mitgibt. Mit ein paar Pausen zwischendurch (Sandberge hochzusteigen ist wirklich unglaublich anstrengend), kommen wir dann oben an, wo wir kurz die Aussicht genießen und Farez uns dann von unten zuwinkt. Lunch time! Papa setzt sich also auf das Board und pest die Düne herunter, während ich ihm hinterherrenne. Seine Fahrt erinnert mich ein bisschen an das Sandboarden vor drei Jahren in Namibia. Aber heute hätte ich keine Energie, den Berg wieder hochzusteigen, um auch einmal in den Fahrgenuss zu kommen.

Jetzt gibt es ja sowieso erst einmal Mittagessen. Wie beim letzten Mal: frische Tomatensoße, Salat, Labneh, im Feuer geröstetes Brot. Gut gestärkt fahren wir dann weiter durch die Wüste und halten an allen größeren Attraktionen an. Verschiedene Felsen, auf denen man herumklettern kann, die große Felsbrücke, bei der wir auch beim letzten Mal angehalten haben, Felsen, an denen man Höhlenzeichnungen der Nabatäer sehen kann. Zum Sonnenuntergang gibt es auch einen speziellen Spot, aber mittlerweile hat sich der Himmel leider wieder zugezogen. Während wir auf der einen Seite ein paar pinker werdende Wolken beobachten können, ist die Sonne selbst hinter einer dicken Wolkenwand versteckt. Farez macht noch ein kleines Feuerchen, wo er Tee für uns kocht, bis es anfängt zu tröpseln, und wir uns in der Dämmerung wieder auf den Weg zurück ins Camp machen. Dort angekommen sind wir froh, dass das Feuer im großen Gemeinschaftszelt brennt, wo wir uns mit Tee aufwärmen können, während ein Cousin von Nadjah mit einer Oud (eine Art Laute) ein wenig Musik macht.

Später, dann Abendessen. Wie beim letzten Mal, aus einer Grube unter der Erde vor dem Zelt, in der alles Essen über Glut mehrere Stunden gegart wurde. Es schmeckt wieder super lecker und wir sitzen satt und zufrieden danach um das Feuer herum. Dann wird die Musik wieder lauter gedreht und angefangen zu tanzen. Es gibt jetzt also Dabkeh, danach wieder Oud und Gesang, bis wir irgendwann die letzten sind, die noch mit den Beduinen um das Feuer herumsitzen und dann auch zufrieden schlafen gehen. Wir haben unsere Wärmflaschen dabei und außerdem 6 Decken pro Person bekommen. Das sollte reichen für die Nacht.

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