Weihnachten unter Sonnenschirm
Mitte Juni 2019, ein schöner Sommertag. Alles deutet auf eine Grillparty hin - das gedeckte Kuchenbüffet im Garten, Festbänke und Sonnenschirme. Würde da nicht eine Menge...

Veröffentlicht: 13.05.2019
Wir sitzen hier in unserer schönen Altbauwohnung in Visp und packen Kartons. Es tut gut, Ballast loszuwerden. Dinge wegzugeben, die wir wirklich nicht mehr brauchen und noch nie gebraucht haben. Die Frage, ob wir einen Gegenstand im nächsten Jahr in die Finger nehmen werden, stellt sich uns nicht. Denn in den nächsten Monaten werden wir nur das mitnehmen, was wir tragen können.
Es gibt Gründe für das alles. Es gibt diese Abenteuerlust, die sich mit einer Nachmittagswanderung nicht stillen lässt. Die einfach weiterschreit. Es gibt die Gespräche und Gedanken, die wir haben, es gibt Unzufriedenheit in aller Behaglichkeit und
es gibt uns.
Manchmal gibt es Kartoffeln mit Speck und Bohnen, und manchmal Kartoffelstock mit Spinat. Es gibt Nudeln, Nudeln, Nudeln und Fleisch. Wir wissen nicht, wie andere Menschen das mit dem Alltag schaffen, aber wir haben beschlossen,
den Alltag dieses Jahr
abzuschaffen.
Für sechs Monate - oder mehr - werden wir mit zwei Rucksäcken und zwei Kindern unser kleines schönes Leben in der Schweiz hinter uns lassen.
Wir werden komische Sachen essen und uns nach Kartoffeln sehnen.
Wir werden unseren Rhythmus auf den Kopf stellen und uns einen Alltag erkämpfen.
Wir werden stundenlang auf stotternde Busse warten und uns unendlich frei fühlen.
Wir werden ausserdem viele vertraute und innige Beziehungen zurücklassen - in der Hoffnung, dass wir wieder kommen dürfen - und uns für Menschen öffnen, die so anders und doch gleich sind.
Und so - während wir denken, dass wir wahnsinnig sind und uns wahnsinnig freuen - packen wir Karton um Karton, essen Kartoffeln mit Ketchup und bedanken uns bei Gott für diese Chance.
