Wow! Das ist wohl der Ausdruck, welcher in Norwegen am häufigsten fällt...

Wir passieren die Grenze Schweden - Norwegen auf der Höhe von Åre und zum ersten Mal kommt uns unsere Impfung so Richtung zu Gute. Es wird streng kontrolliert. Wir wissen bis heute gar nicht so genau nach welchen Kriterien, aber offensichtlich war, dass wir einen Vorteil hatten. Es gab eine Warteschlange. Das Wohnmobil vor uns musste komplett umkehren, durfte nicht rein?! Andere, selbst Norweger, wiederum mussten abfahren und, so sah es zumindest aus, sich testen lassen. Wie auch immer - Wir haben unsere Reisepässe und digitalen Impfpässe vorgezeigt und wurden so ziemlich als Einzige einfach aus der Schlange gezogen und durften weiterfahren. Nett!

Wir machen uns auf den Weg Richtung Trondheim und ziemlich schnell fallen die ersten Wows! Die Natur ändert sich rasch, riesige Berge die sich neben uns aufbauen, reißende Flüsse, an denen immer mal wieder eifrige Angler zu sehen sind.

In Trondheim angekommen heißt es erst mal Wäsche waschen. Wir parken etwas außerhalb kostenlos, beobachten ein paar Kitesurfer und spazieren mit Ikeatüte voller Wäsche auf dem Rücken in die Innenstadt. Schön ist’s! Wir passieren zunächst das industrielle Hafenviertel, dann eine alternative Ecke mit vielen Werkstätten und kleinen Künstlergalerien. Als wir das Zentrum erreichen gleicht unser Eindruck eher einem modernen Hafenviertel. Einige Neubauten, viel Gastro und Bars - charmant! 

Nach dem Abstecher in Trondheim merken wir, dass wir etwas planlos sind - ein Nachteil, wenn man sich einfach so treiben lässt. Für uns ist klar, die Lofoten werden ein Ziel, aber bis dahin?!

Also erst mal ein bisschen orientieren und schauen wie unsere Route verlaufen könnte.

Und so schlängeln wir uns langsam weiter Richtung Norden.

Soviel Glück wie wir in Schweden mit dem Wetter hatten, soviel Pech haben wir dann aber leider erst mal in Norwegen - Dauerregen bei weniger als 10°C. Wir sind zwar nicht aus Zucker und allein durch Fiete zieht es uns natürlich immer wieder raus, aber nervig wird es dann doch irgendwann. Und vor allem schade! Denn trotz des trüben Regenwetters sind wir immer wieder baff und überwältigt von der Natur! Wie wäre das erst bei besserem Wetter?

Naja - so sind wir zumindest mal in den Genuss unserer Standheizung gekommen und durften feststellen, dass sie bestens funktioniert und da ich keinen Fön dabei habe, hält sie an den kalten Tagen auch zum Haaretrocknen her.

Durchnässt und reif für eine Dusche, nutzen wir nun auch zum ersten Mal unsere Außendusche - Check!

Wir versuchen alle einigermaßen trockenen Stunden zu nutzen, machen ein paar Wanderungen, erkunden ein wenig die Gegend rund um unsere Stellplätze. Wow!

Türkieses Wasser, die Fjorde, Felsen, die aus dem Meer ragen, Wasserfälle, wo man nur hinschaut.

Die Wanderungen, die wir machen, sind zum Teil nicht ganz ohne. Zum einen vermutlich weil wir durchs Wetter viel matschigen, rutschigen Boden haben, zum anderen ist’s aber auch einfach verdammt steil, steinig, naturbelassen. Mit Fiete an der Leine manchmal auch eine kleine Herausforderung.

An einem Abend sind wir spät dran, hungrig und ko - ja ja… Reisen macht müde! Noch kurz einkaufen in Mo i Rana, keine Lust mehr auf Fahren und Standplatzsuche, also entschieden wir uns etwas außerhalb auf einem Parkplatz zu bleiben. Vertieft in einer Netflixserie hören wir von draußen immer mal Geräusche. Der Parkplatz entpuppt sich als Treffpunkt für Jugendliche. Erst mal nicht weiter schlimm. Irgendwann, schon relativ spät, machen wir endlich aus und beim Zähneputzen stell ich fest - Huch, die Polizei steht auf dem riesigen Parkplatz direkt neben uns. Aus dem Fenster konnten wir aber nicht so recht sehen, was sie tun. Auuuufregend! Eigentlich sind wir uns relativ sicher, dass wir dort legal stehen, aber man weiß ja nie. Zu sehr Schissbuchsen, um rauszugehen und die Lage zu checken, sitzen wir die Sache aus. An Schlafen ist aber natürlich auch nicht zu denken. Nachdem die Polizei dann gefahren war, entscheiden wir uns auch aufzubrechen. Eine erholsame Nacht hätten wir dort vermutlich nicht mehr. Und als wir losfahren, sehen wir nun endlich auch, weshalb die Polizei da war und bekommen fast ein schlechtes Gewissen, nicht unsere Hilfe angeboten zu haben. Die Jugendlichen scheinen beim rumcruisen auf dem Parkplatz ihr Auto im Graben versenkt zu haben. Naja. Das Ende vom Lied ist, dass wir noch eine halbe Stunde gefahren sind und eine ruhige Restnacht an einem wunderschönen See verbracht haben, der nächsten morgen bitterkalt auch noch als Bad gedient hat.

Und dann war da noch ein spektakulärer Abend!

Standplatz am Fjord, mit vermutlich tollem Ausblick, von dem wir wetterbedingt leider nicht viel hatten. Nach dem Abendessen sieht Jannis aus dem Fenster ein paar Fische springen und entschließt sich noch mal die Angel auszuwerfen - und dann - ein Lachs!!! Leicht überfordert und definitiv nicht vorbereitet auf den Fang, holt er den Fisch raus, macht stolz ein Foto und …. schmeißt den unversehrten Fisch wieder rein! Stinkwütend bin ich! Hatte mich doch schon so auf ein norwegisches Lachsfilet gefreut! Im Nachhinein aber wohl eine vernünftige Entscheidung von Jannis. Unabhängig davon, dass der niemals in unseren Kühlschrank gepasst hätte, war das, wie sich später rausstellte, auch eher eine Grauzone, wo er ihn rausgeholt hat - ziemlich nah an der Grenze zum Schutzgebiet. Trotzdem, die Erfahrung bleibt - ein Lachs in Norwegen geangelt!

Was gibt das Tierreich sonst so her? Wie schon in Schweden sieht man oft Warnschilder für Elche und Rentiere. Eine Elchkuh sehen wir auch noch mal. Was wir aber so gar nicht auf dem Schirm hatten, waren die Schafe! Ständig überqueren sie in aller Seelenruhe die Straße oder grasen direkt daneben. Lustig.

Bei der Weiterreise kommen wir an einem so wunderbaren Ort vorbei, leider auch wieder im strömenden Regen. Sofort fällt auf, dass sich hier jemand viel Mühe gegeben hat. Die Nachbarschaft hat sich zur Aufgabe gemacht, ihre Umgebung für Jedermann nett zu gestalten. Immer wieder kleine süße Orte zum Rast machen, mit Grill - und Sitzgelegenheiten, Blümchen, Deko, etc. Ein Ort am See ist besonders gekennzeichnet, wir fahren hin und sind schnell traurig, dass wir an einem solchen Regentag dort sind. Eine Hütte mit Rentierfellen und Feuerstelle in der Mitte, die Möglichkeit sich Boote, SUBs etc. zu leihen, unzählige nette Sitzgelegenheiten, Outdoorspiele. Der perfekte Ort um einen Sommertag zu verbringen und alles mit so viel Liebe zum Detail!

Wir fahren weiter und überqueren den nördlichen Polarkreis. Verrückt irgendwie. Dunkel wird’s nachts ja schon lange nicht mehr, mittlerweile sind wir aber eher bei taghell!

Unser Ziel - Bodø. Dort verbringen wir eine Nacht im Hafen und nehmen am nächsten Tag die Fähre auf die Lofoten.

Da der Bericht hier schon recht lang ist und die Lofoten es definitiv wert sind, mach ich hier mal einen Punkt und die Lofoten bekommen einen eigenen Abschnitt!

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