Möwenangriff
3.500 Kubikmeter Wasser, das innerhalb von 1ner Sekunde durch eine Meerenge gepresst wird. Fertig ist der größte Gezeitenstrom der Welt: Saltstraumen. Saltstraumen Wir...

Veröffentlicht: 02.07.2019
Leute, Leute, Leute. Wir drehen ab Richtung Süden. 7 Grad ist ja schön und gut, aber wir haben genug von dem andauernden Regen.
Tschüss Norwegen. Ich komm so mit 64 wieder, wenn ich in Rente bin und mir bei so nem Shi(e)twetter dicke Socken anziehen, 12 Gläser Rotwein trinken und ein Buch lesen kann.
Nicht falsch verstehen, uns geht’s gut. Wir sind überwiegend fröhlich und genießen das Beisammensein, die viele Frischluft und die atemberaubende Landschaft. Mit Kind und Camper ist das alles aber noch viel schöner, wenn die Sonne scheint. Und wozu sind wir denn so wunderbar beweglich, wenn wir nicht das Beste für uns drei rausholen?!
Und wir so: Jaa, aber nicht so doll und so lange am Stück.
Die Entscheidung jetzt abzudrehen haben wir zusammen am wirklich schönen Strand vom Arctic Surfcamp getroffen.
Da sind wir vom letzten Platz aus hingefahren und wollten eigentlich ne Nacht bleiben. Sind dann aber weitergefahren. Gelandet sind wir in Svolvær auf einem netten kleinen Platz direkt am Wasser.
Der Camping Wart dort hat treffender Weise gesagt: „on the Lofoten you can have 4 seasons in just one day“. Er sollte recht behalten. In dieser Nacht gab es Neuschnee auf dem benachbarten Gipfel.
Schnell ne Pasta mit Fertigsoße reingepfiffen, 10 Stunden geschlafen und weiter.
Wir bekommen im Moment wirklich viel Schlaf. Meine Eltern und Lotte lachen sich jetzt wahrscheinlich kaputt, aber wir sind oft vor 22 Uhr im Bett. Meistens lesen wir dann noch ein paar Seiten (Dank an Ronja für die fantastische Lektüre Ausstattung!) und dann wird geschlafen.
Aber hier ist auch nix mit einer nimmt leise das Kind und geht raus spazieren, damit der Andere ausschlafen kann.
Bis man Henry aus dem Bett gepult und angezogen hat ist meistens der ganze Campingplatz wach. Ja, den leisen Eltern wurde ein lautes Kind geschenkt. Vielen Dank - an wen auch immer - für diese schöne, immer wieder herausfordernde Aufgabe. Wir werden an ihr wachsen. Alle drei.
Aber ich drifte ab.
Von Svolvaer aus fahren wir dann am nächsten Tag also weiter und damit zurück auf‘s norwegische Festland nach Evenskjer. Fühlt sich irgendwie komisch an die Lofoten jetzt schon wieder zu verlassen und wir zweifeln zusammen ein letztes Mal an unserer Entscheidung. Nix da. Kein Hin und Her, Hüh und Hott. Weiter geht’s.
Auf der Fahrt nach Evenskjer haben wir fantastisches Wetter und noch besseres Bergpanorama. Also alles richtig gemacht. Das Kind schläft, die Eltern hören gemischtes Hack und lachen sich kaputt. „Wenn du eine Steißgeburt bist, also mit dem Po zuerst auf die Welt kommst, trägst du deine Mutter kurz als Hut.“
Endlich ein Tag Sonne. Der Platz ist auch super ausgestattet. Wir stehen direkt an einem Strand mit super vielen Muscheln, schauen auf‘s Wasser und im Hintergrund die Berge.
Selbstverständlich waschen wir ne Ladung Wäsche und lüften die Betten.
Henry turnt über die Wiese, den Strand, das Wasser und versucht das erste mal Dreirad zu fahren. Zu kurze Beine, zu kurze Beine.
Wir gehen glücklich in‘s Bett und ignorieren den heftigen Regen, der umgehend einsetzt. Der bleibt auch den ganzen nächsten Tag, an dem wir uns nach Lappland aufmachen.
Annika
