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Reiseblog von Michel und Anni - Vanuatu 

TC Harold, Isolation und eine schnelle Abreise

Als wäre die Angst vor einem Ausbruch von Covid-19 in Vanuatu nicht schon genug, kündigte sich vor zwei Wochen noch ein Cyclon an. Ein über den Meeren gebildeter Wirbelsturm, der während er auf Vanuatu zusteuerte immer mehr an Kraft zunahm.

Zu Beginn wurde er als Kategorie 3 eingestuft und sah noch harmlos aus. Doch 2 Tage bevor er Vanuatu treffen sollte war klar, dass er mittlerweile die stärkste Stufe erreicht hatte (Kategorie 5). Diese Stärke erlebte Vanuatu erst vor 5 Jahren in Form des Cyclones Pam, der besonders die Hauptinsel Efate traf und 98% der Insel zerstörte. Alle Vorsichtsmaßnahmen wurde schnell getroffen und die Einwohner machten ihre Shutter vor die Fenster, packten alle Outdoor Möbel zusammen und parkten ihre Autos in Sicherheit.

Für Efate und somit auch uns ging es dieses Jahr aber gut aus. Wir lauschten einem starken Sturm, Merli krabbelte bei uns ins Bett und am nächsten Morgen lagen überall Kokosnüsse, Palmenblätter und umgekippte Bananenbäume. Ansonsten war alles okay.

Fünf Inseln im Norden des Landes bekamen den Cyclone jedoch mit voller Kraft zu spüren. Die Gebäude wurden fast komplett zerstört und wichtige Infrastruktur, wie die kleinen Krankenstationen wurden weggefegt. Der Wiederaufbau und die Versorgung der Menschen stehen nun für Vanuatu erstmal im Fokus. Zur Unterstützung werden Hilfsgüter aus dem Ausland eingeflogen, die nur mit einer Sondergenehmigung ins Land dürfen. Die Grenzen sind weiterhin dicht, was den gesamten Prozess verlangsamt, denn die Regierung hat große Angst den Virus ins Land zu bringen (bislang gibt es keinen bestätigten Fall). NGOs und Volunteers, die nach Cyclon Pam wertvolle Aufbauarbeit geleistet haben, mussten das Land auf Grund der Corona-Krise verlassen und werden jetzt auch nicht wieder ins Land gelassen. Die Mentalität der Insulaner überraschte uns wieder einmal: unaufgeregt und positiv wurde mit dem Wiederaufbau begonnen und alle schicken verfügbare Ressourcen in den Norden.

Der Notstand in Vanuatu bleibt nach dem Cyclone weiterhin ausgerufen. Somit gab es für unser tägliches Leben keine große Veränderung. Nur das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite und wir nutzten das Osterwochende für einen Ausflug mit unseren spanischen Freunden. Mit Alberto, Alexa und deren Tochter Luna verbrachten wir in diesen Wochem viele Stunden unserer Freizeit. Die kleine Familie kam letztes Jahr im Oktober nach Vanuatu und nachdem wir mit Pepe zurück sind freundeten wir uns an. Unter anderem verbrachten wir eine Nacht in einer privaten Bucht in kleinen Villas, machten abends Sushi und genossen den Infinity Pool.

Diesen Luxus gönnten wir uns auch mit dem Hintergedanken, dass die Abreise von der Insel ganz plötzlich anstehen könnte. Es wurde gemunkelt, dass ein Charterflugzeug aus Deutschland gestrandete Touristen aus Tonga und Vanuatu abholt. Es war zuerst schwer zu glauben, doch ein paar Tage später bestätigte sich dieses Gerücht. Wir waren schon ein wenig auf eine Abreise eingestellt, doch dass es dann plötzlich so schnell gehen würde, hätten wir nicht gedacht. Innerhalb einer Woche verkauften wir das Auto, brachten viele geliehene Babysachen zu Freunden zurück, erledigten Papierkram und meldeten es unseren Arbeitsstellen. Merli unterstützte uns bei all dem Trubel, was uns eine große Hilfe war. Letztendlich schenkten wir viel unserer Haushälterin Lewia, unserer Nanny Lowra und dem Gärtner Alex, die uns alle sehr ans Herz gewachsen waren.

Am Freitag um 7 Uhr trafen wir dann alle anderen Ausreisewilligen aus Europa am Flughafen. Der deutsche Konsul in Vanuatu entließ uns sehr stolz und so konnten sich 31 gestrandete Europäer auf den Weg nach Hause machen. Im Flieger saßen bereits Touristen aus Tonga, die zum Teil zusätzlich vom Cyclone überrascht wurden und somit umso glücklicher waren nach Hause zu kommen. Nach kurzem Auftanken in Brisbane landeten wir 6 Stunden später in Sydney. Dort wurden wir vom nächsten deutschen Konsul abgeholt und durch einen leeren Flughafen an unser Gate gebracht. Der nächste Flug war ein kommerzieller Flug aus Sydney über Doha nach Frankfurt. Qatar Airways ist die einzige Fluglinie, die momentan noch Flüge anbietet.

Nach 24 Stunden landeten wir in Frankfurt, flitzten zum Zug, den wir leider gerade verpassten, chillten noch 2 Stunden am Bahnhof, erreichten gegen 23 Uhr Hamburg und waren dann final gegen 1 Uhr nachts im Kathweg angekommen. Puh... 45 h ohne richtigen Schlaf.

Merli trennte sich in Hamburg von uns und fuhr in ihre WG nach Oldenburg, um ihre Quarantänezeit voll für die Bachelorarbeit zu nutzen.

Wir verbringen unsere Quarantäne im 2. Stockwerk in Kronshagen. Der große Garten tut uns besonders gut, auch wenn wir uns maximal 1,5 Meter der Grundstücksgrenze nähern dürfen.

Wir sind unfassbar froh, dass wir wieder heil in der Heimat angekommen sind und die 2 Wochen nutzen können, um den Jetlag auszukurieren und die Veränderungen zu begreifen. Danach freuen wir uns schon sehr Stück für Stück alle Freunde zu sehen und uns in unserer neuen Wohnung einzurichten.

Alles andere wird man dann auch sehen. Planen kann man ja weiterhin nicht so richtig. 

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