Vollmond in Transsylvanien
Tag #31 Sonntag, der 31.05. Von Zārieš bis Mihalț Land: Rumänien Die Karpaten warten. Und ich bin bereit. Die Nacht war ruhig und ich hab gut geschl

Veröffentlicht: 02.06.2026























Tag #32
Montag, der 01.06.
Von Mihalț nach Novaci
Land: Rumänien
Es war eine ruhige Nacht und abgesehen vom Gesang einiger Vögel habe ich keine Tiere gehört.
Der Morgen beginnt, neben den üblichen Handgriffen, darin die Mission Speicherkarten zum Abschluss zu bringen.
Für die heute erwarteten Abfahrten will ich unbedingt ausreichend Speicherplatz auf der Go-Pro haben, um Videos machen zu können.
Der angesteuerte Elektroladen in Cluj Napoca war leider ein Lampenfachgeschäft.
Mir ist eingefallen, dass ich in meinem Handy eine weitere SD-Karte habe.
Nur, um daran zu kommen brauch ich meine Nadel.
Das einzige, was ich dabei hab, um das kleine Einschubfach zu öffnen, und die ist natürlich mit in der Werkzeugtasche, tief unten vergraben.
Also alles raus, Karten tauschen, alles wieder einräumen und dann kann's weiter gehen.
Alles etwas anders, da sind Kühe auf der Straße. Die eine guckt etwas grimmig und senkt den Kopf.
Da fahr ich gerne schnell weiter.
Sofern bei den Steigungen schnell eine passende Bezeichnung ist.
Ich geb mir Mühe und arbeite mich in die Höhe.
Beim Blick in die Wälder ist es leicht sich vorzustellen, wie hier Bären durchstreifen.
Ich halte viel Ausschau und würde sagen, dass der Wunsch einen zu sehen bei 50:50 liegt.
Schlussendlich bin ich froh zu 100% keine gesehen zu haben.
Dann kommt die erste Warnung vor Tieren.
Achtung Vipern.
Die bleiben mir glücklicherweise ebenfalls erspart.
Während ich mich weiter nach oben arbeite, teilweise nur knapp über Schrittgeschwindigkeit, treffe ich ein unfassbar nettes Ehepaar.
Die beiden machen grad neben ihrem Auto Pause und genießen die Aussicht.
Und als ich mich langsam nähere erwarten sie mich schon und bieten mir zu Essen an.
Und auch ohne eine gemeinsame Sprache zu haben, gab es einen sehr herzlichen Austausch.
Sie sind auch erst gefahren, nachdem ich die Schüssel leer hatte und dazu wollten sie die ganze Zeit noch nachlegen, bis ich signalisiert hab, dass ich komplett voll bin.
Mit Gurke und Tomate, die musste ich noch mitnehmen, geht's weiter.
Eine Schafherde, die unmittelbar vor mir über die Hänge und Passstraße getrieben wird, später bietet sich mir nochmal ein ähnliches Bild, ist ein toller Moment.
Auf so einen Anblick hab ich gehofft.
Je höher ich komme, um so mehr Anfeuerungen, in Form von Hupen oder Rufen, manch Motorradfahrer nickt mir zu oder grüßt mich sogar, erlebe ich.
Und ganz wie Beppo Straßenkehrer komme ich irgendwann am Urdele-Pass (2145m) an.
Was für ein Gefühl oben zu sein.
Die Aussicht und meine Empfindung, unbeschreiblich.
Beziehungsweise bin ich fast oben, denn nach einer kleinen Abfahrt geht's auf einen namenlosen Pass, der noch ein Stück höher (2275m) ist.
Ab durch die aufziehenden Wolken und die letzten Kehrtwenden bezwingen.
Leider schränken die Wolken die Sicht sehr ein und so mache ich erst einmal Pause an einem meiner Highlights auf der Reise.
Und hoffe darauf, dass die Wolke weiter zieht, da ich gern die Aussicht genießen würde, sobald es eine gibt.
Oder wenigstens die Straße sehen für die Abfahrt.
Doch erstmal muss ich mir mehr Klamotten anziehen, was ist das kalt.
Naja, bin auch an letzten Schneefeldern vorbei gefahren.
Dazu kommt noch der Wind.
Leider wird die Sicht wieder schlechter.
Egal, dann muss ich jetzt eben durch die Suppe durch.
Ich hab alle Lampen am brennen und dann geht's ab.
Und wie.
Was für eine Abfahrt.
Kurve um Kurve genieße ich es, ganz im Moment gefangen und fokussiert auf den Augenblick.
In Novaci angekommen finde ich eine Bank und muss mich erstmal sammeln.
Und Schichten an Klamotten ausziehen, es ist deutlich wärmer.
Eine Frau, die vorbei kommt, zeigt mir ungefragt und wir haben keine gemeinsame Sprache, eine Wasserstelle, die direkt um die Ecke liegt.
Wie muss ich wohl aussehen, dass sie so reagiert?
Aufgrund der Uhrzeit und der Wettervorhersage, es soll die Nacht über extremen Regen geben, entscheide ich mich ganz bequem für eine Unterkunft.
Zudem bin ich richtig platt nach der Anstrengung hoch, der Konzentration bergab, den Temperaturwechseln.
Einkaufen muss ich auch noch zwingend, in der Stadt ist der erste Supermarkt des Tages.
Und wer weiß, wann der nächste kommt.
Der Check-In zieht sich leider, es gibt Probleme mit dem bezahlen.
Handy und Karte sind inkompatibel. Überweisung durch Jenni schlägt auch fehl.
Eigentlich will ich doch nur Abendessen, duschen und schlafen.
Stattdessen fahren wir in die Stadt zur Bank.
Endlich kann ich das Zimmer bezahlen und lasse mich auf dem Rückweg an einer Pizzeria absetzen.
Das erste, was mir nach dem Eintreten auffällt, sind die Nebelschwaden in der Luft.
Soviel also zum Nichtraucherschutz.
Nach der Pizza ist es praktisch den Aschenbecher direkt am Tisch zu haben.
Zumal es inzwischen schüttet.
Metaphern heb ich mir für irgendwann auf.
Da es erstmal so bleiben wird ergebe ich mich meinem Schicksal und renne zurück.
Vielleicht wäre ich mit meinem regulären Lager im Wald besser bedient gewesen. Inzwischen ist es gegen Mitternacht, als ich mich endlich hinlegen und schlafen kann.
Wir werden es nie erfahren.
Song des Tages:
Archspire - Carrion Ladder
(vom neuen Album "Too Fast to Die")
