Slow and Steady and Fast
Tag #32 Montag, der 01.06. Von Mihalț nach Novaci Land: Rumänien Es war eine ruhige Nacht und abgesehen vom Gesang einiger Vögel habe ich keine Tiere gehört.

Veröffentlicht: 03.06.2026


















Tag #33
Dienstag, der 02.06.
Von Novaci bis Morârești
Land: Rumänien
Nachdem ich gestern später im Bett war als erhofft, stelle ich beim einpacken fest, dass mir meine Schuhüberzieher abhanden gekommen sind.
Extrem ärgerlich, zumal für heute starker Regen angesagt ist.
Also erstmal die gestrige Strecke in die Stadt abfahren, wo ich die Dinger ausgezogen hab, was leider vergebens ist.
Muss ich den Tag eben nehmen, wie er kommt und werd im Zweifelsfall klitschnasse Füße bekommen.
Für die Strecke nach Bukarest geht's durch die Südkarpaten erstmal mit verzögerter Abfahrt gen Osten.
Was einiges an Auf und Ab bedeutet und oft Klettern, also starke Steigungen über eine längere Strecke, beinhaltet.
Ich entscheide mich für die kalte Variante, also nur im Shirt zu fahren.
Bergauf wird mir extrem warm und ich komme ins schwitzen.
Bergab ist es sehr frisch, nur wäre es viel zu aufwendig jedesmal die Jacke an- und wieder auszuziehen.
Sirrende Stromleitungen kreuzen meinen Weg, was ein mulmiges Gefühl verursacht, da sie gefühlt nur drei Meter über meinem Kopf hängen.
Wird schon alles passen.
Am Wegesrand gibt es sehr viele Brunnen in den unterschiedlichsten Ausführungen und viele Einheimische nutzen diese, um Wasserbehälter zu füllen.
Inzwischen ein vertrauter Anblick.
Und dann passiert es tatsächlich nochmal, ein anderer Bikepacker kommt mir entgegen.
Das ist für uns beide ein so ungewohnter Anblick, dass wir uns für einen Austausch in ein Café setzen und was zu trinken holen.
Christopher ist Amerikaner, der nun in Finnland wohnt und zuvor 14 Jahre in Rumänien gelebt hat.
Macht nach Möglichkeit einmal im Jahr Radurlaub im Balkan und hat einiges zu berichten, da er von unterwegs arbeiten und entsprechend viel reisen kann.
Von ihm bekomme ich auch nochmal hilfreiche Tipps für Griechenland.
Das es dort viele Kirchen gibt ist bekannt.
Doch alle verfügen wohl über fließendes Wasser und eignen sich hervorragend, um daneben zu zelten.
Die Einheimischen sind da wohl auch sehr entspannt.
Gut zu wissen. Zudem findet er die anvisierte Route, weiter nördlich und abseits der Küste, gut gewählt.
Nach dem Austausch geht's in unsere jeweiligen Richtungen weiter.
Es ist sehr schwül und ich fahr den ersten Teil des Tages immer hart an der Wettergrenze.
Bedrohlich dunkle Wolken auf der einen und blauer Himmel mit einzelnen Wolken auf der anderen Seite.
Bis ich Richtung Norden abbiege.
Donner gab es zuvor schon, dann setzt der Regen ein.
Glücklicherweise gibt es grad eine Art kleine Kapelle, oder Gebetsstätte mit Dach und Bänken.
Da lass ich mich erstmal nieder und suche Schutz.
Eigentlich wollte ich noch die aktuelle Steigung hinter mich bringen und dann Pause machen. Dann lieber im Trockenen, da Möglichkeiten zum Unterstellen rar gesät sind.
Richtige Entscheidung, es gibt einen ordentlichen Platzregen und ich schaue mampfend zu, wie mein Rad gewaschen wird. Leider muss ich es an der Straße stehen lassen.
Während ich noch meine Optionen durchgehe und mich darauf einstelle nass zu werden, hört der Regen wieder auf.
Gestärkt schwing ich mich also wieder aufs Rad und weiter geht's, irgendwann kommt sogar die Sonne raus.
Glück gehabt, ich bleibe den Tag über trocken.
Oder zumindest ist's kein Regen, der mein Shirt tränkt.
Am Nachmittag komme ich durch Ramnicu Valcea, eine Stadt im Aufschwung und es sind nette Eindrücke, auch wenn ich mir etwas mehr erhofft hätte.
In erster Linie nimmt der Verkehr zu. Leider muss ich auch ab hier Bundesstraße fahren und es fehlt ein vernünftiger Seitenstreifen, sodass es mit den vorbeiziehenden Fahrzeugen unangenehm wird.
Das Straßenschild zeigt an, dass Bukarest noch 170km entfernt ist. Mein Navi gibt die Strecke mit 177km an.
Das kann ja heiter werden.
Was haben die Hunde nur immer?
Es fing gestern an, dass die scheinbar irgendwas gegen mich haben.
Völlig entspannt lassen die alles vorbei, bis ich komme und die dezent ausrasten. Oder sehen die Essen auf Rädern?
Mit so Klassikern, dass es irgendwann ein Loch im Zaun gibt. Hallo, das ist jetzt sehr nah.
Solange sie nur bellen ist's okay.
Immerhin wird für die Tiere gebremst, bei mir scheint es teilweise unter Strafe verboten zu sein die Mittellinie zu überqueren.
Nach einem Stück abseits gelegener Wege komme ich wieder auf die Bundesstraße, auf der sich die LKWs in die eine Richtung stauen und von hinten kommen die nächsten Brummis angerauscht. Extrem unangenehm.
Glücklicherweise gibt es kurz darauf eine Seitenstraße, in die ich abbiege und schnell werde ich bei der suche nach einem Nachtlager fündig.
Der herumliegende Müll zeigt, dass hier Menschen sind, doch grad ist alles verwaist und ich bau mein Lager auf, entferne mich wieder ein Stück für mein Abendessen und genieße meine Stullen.
Der Tag war uberraschend anstrengend, hatte er doch mehr Höhenmeter als der gestrige auf der Transalpina und so lasse ich mich sanft in den Schlaf wiegen.
Song des Tages:
Antrisch - Ultima Ratio
