Fleischessünde
Tag #30 Samstag, der 30.05. Von Cluj Napoca bis Zărieș Land: Rumänien Aufstehen und das übliche Tetrisspiel beginnt. Die Taschen sind so wunderbar leer ..

Veröffentlicht: 01.06.2026





















Tag #31
Sonntag, der 31.05.
Von Zārieš bis Mihalț
Land: Rumänien
Die Karpaten warten.
Und ich bin bereit.
Die Nacht war ruhig und ich hab gut geschlafen.
Es gab ein bisschen Regen am Morgen und dank des Tarps sind das Zelt und Fahrrad trocken geblieben.
Zudem hat es auch aufgehört zu regnen und es kommt beim Abbau die Sonne durch.
Dafür hab ich heute - zum ersten Mal, also jammern auf hohem Niveau - ordentlich Gegenwind.
Als ob ich mir selbst die Anfahrt zu den Karpaten erkämpfen muss.
Willst du das wirklich?
Oh ja.
Und so arbeite ich mich unermüdlich voran.
Ein Highlight auf der heutigen Strecke ist die Festung in Alba Iulia.
Die ich allerdings weniger würdige, als sie es wahrscheinlich verdient hätte.
Okay, Fahrräder sind auch verboten.
Also geht's weiter, da ich ein Ziel habe.
Laut meinem Reiseführer ist 75km nach Beginn der Transalpina, ab Sebeš, ein Hochplateau, das sich zum übernachten eignet.
Zum Glück haben die Supermärkte in Rumänien sonntags geöffnet und so besorge ich mir frische Backwaren und Bananen, die mich durch den Tag und den ersten Abschnitt der Karpaten hinauf bringen werden.
Die Fragen nach dem woher und wohin, was alles mit dem Fahrrad, häufen sich.
Bin auch irgendwo der Exot, da sonst nur einzelne Menschen mit dem Rennrad unterwegs sind.
Und das auch nur in der Nähe von Städten.
In den Dörfern sind auch vereinzelt Fahrräder zu sehen.
Meistens stehen oder hängen sie dann irgendwo.
Inzwischen biete ich in Gesprächen auch immer deutsch als Sprache an, da ich von Péter gelernt habe, dass viele es in der Schule lernen. Nach englisch eine der beiden Wahlsprachen.
Zur Mittagspause biege ich auf ein Gelände ab, das sich als fragwürdig herausstellt und mehr eine Müllhalde zu sein scheint.
Das ist etwas neues und verstörendes für mich.
Wie viel Müll in der Natur liegt und was auch aus den Autos rausgeschmissen wird.
Ihr habt den Kram angeschleppt, dann nehmt ihn auch wieder mit.
Der nächste Mülleimer kommt. Weiß ich aus Erfahrung.
Sehr schön ist, dass alle der heutigen Wasserstellen funktionieren.
Und da ich mich bereits in den Steigungen befinde, fülle ich auch meine Flaschen bei jeder Gelegenheit auf.
Bei der ersten Stelle habe ich Glück und passe einen günstigen Moment ab, bevor mehrere Wagen halten und die Leute alle möglichen Größen an Wasserflaschen auffüllen wollen.
Erinnert sehr an die Situation von Tag #3.
Ein vorbeikommender Hase sieht sehr nach Felix aus, und so grüße ich ihn herzlich, bevor er zu seinem nächsten Reiseziel aufbricht.
Er sagte mir noch, dass er einen Brief schreiben will.
Mein Tagesziel ist auch irgendwann erreicht, das Hochplateau ist da und rechter Hand erstreckt sich ein Stausee über dem die Sonne goldgelb auf mich herab scheint.
Es ergibt sich, dass ich einen passenden Platz finde, direkt unterhalb der Straße.
Und an zwei passenden Bäumen baue ich meine Hängematte auf, unmittelbar an der Mauer, auf der oberhalb die Straße liegt.
Gibt ein gutes Gefühl mit der Begrenzung auf der einen Seite und dem Abhang zum Wasser auf der anderen.
Doch ich bin nun mal in den Karpaten und hier wird vor Bären gewarnt.
Also geh ich für mein Abendessen ein gutes Stück weiter weg von meinem Lagerplatz.
Und ziehe anschließend meine gesamten Vorräte in die Bäume hoch, bevor ich zu meiner Hängematte zurückkehre.
Mit dem Wissen, dass über mir der Vollmond auf mich herabscheint, auch wenn er von Wolken verdeckt ist.
Glücklicherweise weiß ich ja aus dem Lied von Freitag über Dracula, er ist nicht mehr da.
Sonst hätte ich mir wohl noch Knoblauch besorgt.
Seit heute bin ich länger unterwegs, als jemals zuvor.
Das ist ein krasses Gefühl.
Ebenso, wie die 3.000 km, die ich mit der heutigen Tour voll gemacht hab.
Und mit dem Gedanken an das bisher erlebte verabschiede ich mich von dem Tag, der trotz drohender Wolkenfronten, überraschend viel Sonnenschein zu bieten hatte.
Song des Tages:
System of a down - Attack!
(hab noch überlegt, ob ich das Lied bei der Masse an Konflikten nehmen kann, ja mir geht's um's bezwingen der Karpaten...)
