Eine lateinamerikanische Busfahrt durch die Berge
Mit mühsamer Langsamkeit quält sich der alte, rostige Bus die Serpentinen hinauf. Aus dem Radio scheppert Latin Pop, doch immer wieder reißt der Empfang ab, und übrig


Veröffentlicht: 15.11.2025














Vor zwei Tagen habe ich die Grenze nach Nicaragua überquert. Zu Fuß. Der Bus hielt am Busterminal von Peñas Blancas direkt an der costa-ricanischen Grenze. Costa Rica ist nicht nur als Reiseland teuer; selbst für die Ausreise musste ich noch einmal 12 US-Dollar zahlen. Anschließend ging es rund 800 Meter zu Fuß durch Niemandsland, vorbei an wartenden LKW, bis zur nicaraguanischen Zoll- und Einreisebehörde. In regelmäßigen Abständen saßen Zollbeamte im Schatten, denen ich meinen Pass zeigen musste. Sie wirkten jedoch wenig interessiert und winkten mich rasch weiter. Die Einreise nach Nicaragua kostete weitere 13 US-Dollar und der Beamte am Schalter versuchte, mich mit der Ausrede, er könne einen 5-Dollar-Schein nicht wechseln, noch um 2 Dollar zu prellen.
Kaum hatte ich das Gebäude auf der nicaraguanischen Seite verlassen, fand ich mich unvermittelt in einem bunten Trubel wieder: unzählige fliegende Händler, die alles anbieten, was das Herz der einfachen Leute begehrt, dazu Taxifahrer, Busunternehmer, Mittelsmänner – ein dichtes, lebhaftes Durcheinander. Entlang beider Straßenseiten drängten sich Menschen und Verkaufsstände, während sich in der Mitte weiterhin die LKW stauten und auf die Abfertigung an der Grenze warteten. Es war schwierig, überhaupt voranzukommen. Auf dieses Chaos war ich nicht vorbereitet; in Costa Rica war alles deutlich geordneter und ruhiger verlaufen. Schließlich ging ich einem jungen Mann „ins Netz“, der einigermaßen verständliches Englisch sprach und mir für 5 US-Dollar eine überteuerte Busfahrt in den nächstgrößeren Ort verkaufte. Der eigentliche Preis hätte höchstens 1,50 US-Dollar betragen sollen, wie ich inzwischen weiß, doch die wirtschaftliche Einbuße ist leicht verschmerzbar.
In Granada angekommen, bekam ich zunächst einen Schreck. Ich hatte die Stadt bewusst gewählt, weil sie schön und bei Touristen beliebt sein sollte. Doch der Weg von der Bushaltestelle zur Unterkunft führte mich erneut durch eine chaotische, lebhafte Handelsstraße, in der Autos, Motorräder, Busse und Fußgänger sich zwischen Marktständen und fliegenden Händlern hindurchschoben. Was man auf Fotos nicht sieht, sind die tropische Hitze, der Lärm und die von Abgasen verpestete Luft.
Inzwischen habe ich mich akklimatisiert und ich muss zugeben, dass Granada durchaus schöne Ecken hat. Dennoch hat mich das mangelnde Umweltbewusstsein vieler Bewohner schockiert. Abseits der touristischen Hotspots säumen Müll und Abfälle die Straßen und Grünstreifen. Vor allem Landstraßen und Bachläufe sind betroffen. Der Plastikmüll, der auch durch die vielen Straßenverkäufer anfällt, wird häufig einfach in die Landschaft geworfen. Ein trauriger, trostloser Anblick. Auf den Grundstücken ärmerer Familien wird der Abfall oft verbrannt; es scheint also auch keine funktionierende kommunale Abfallwirtschaft zu existieren. All diese Eindrücke haben mich am ersten Tag sehr bedrückt.
