Miraflor - eine vergessene Gegend
Die vergangenen zwei Tage habe ich in Miraflor verbracht, einem Naturreservat in den Bergen nordöstlich von Estelí. Die Region liegt auf etwa 1.500 Metern Höhe und ist st


Veröffentlicht: 04.12.2025















Matagalpa ist der letzte Ort meiner Reise, bevor ich am Wochenende in die Hauptstadt fahre, um zurück nach Hause zu fliegen.
Entgegen meiner Erwartungen gefällt es mir hier nicht. Leider mache ich auch in Matagalpa die Erfahrung, dass Touren zu nahegelegenen Naturreservaten oder Kaffeefarmen erst ab zwei Personen angeboten werden und ich bin wieder einmaldie einzige Interessentin.
Ich fühle mich nicht wohl, wenn ich durch die kaputten, dreckigen und hügeligen Straßen laufe. Auch in anderen Städten sind die Straßen kaputt, dreckig und chaotisch, aber hier wirkt es irgendwie anders. Nirgendwo sonst habe ich so viele bettelnde Kinder gesehen, die mit einem Korb voller Krimskrams von ihren Eltern durch Cafés und Restaurants geschickt werden, um ihn zu verkaufen.
Während meiner gesamten Reise habe ich mich noch nirgends unsicher gefühlt. Ich bin grundsätzlich kein ängstlicher Mensch, aber hier in Matagalpa und seiner Umgebung hatte ich bereits zweimal ein mulmiges Gefühl, wenn ich allein unter den Blicken der Einheimischen die Straßen entlanggegangen bin. In meinem Reiseführer steht, Matagalpa sei sicher. Interessanterweise findet sich zu keiner anderen Stadt eine solche Bemerkung zur Sicherheit.
Gestern bin ich den Hügel zum nächstgelegenen Aussichtspunkt hinaufgelaufen. Im Reiseführer hieß es, man solle dafür ein Taxi nehmen. Ich bin zu Fuß gegangen, weil Google Maps nur 40 Minuten anzeigte. Der Weg führte mich durch ein (oder das) Armenviertel der Stadt. Es war erschreckend zu sehen, unter welchen Bedingungen manche Menschen hier leben. Ich fühlte mich an Europa zur Zeit der Industriellen Revolution erinnert. Ich sah Behausungen, behelfsmäßig aus Wellblech, Plastikplanen und ein paar Ziegelsteinen errichtet, auf lehmgestampftem Boden. Im Inneren dienten weitere Wellblechplatten als Abtrennungen, ergänzt durch Stoffvorhänge, sodass kleine dunkle „Zimmer“ ohne Fenster entstanden.
Heute bin ich mit dem Bus in den kleinen Ort San Ramón gefahren, weil der Reiseführer eine etwa zehn Kilometer lange Wanderung zu einer nahegelegenen stillgelegten Goldmine empfahl. Der Eintritt sollte 1 US-Dollar betragen. Ich stellte mir also einen alten Minenschacht mit ein paar Infotafeln vor. Weit gefehlt!
Zunächst führte mich der „Wanderweg“ entlang der Schotterpiste, die San Ramón mit dem Dorf La Reina verbindet. Beide Orte liegen abgelegen im hügeligen Umland von Matagalpa. Ich begegnete kaum Menschen, abgesehen von den gelegentlich vor ihren Häusern sitzenden Einheimischen, die mich mit einer Mischung aus Neugier und Ablehnung musterten. Mir ist bewusst, dass ich in solchen abgelegenen Regionen auffalle wie ein bunter Hund; vermutlich verirren sich nur sehr selten Touristen hierher. In La Reina angekommen fragte ich mich zur Goldmine durch. Auch dort fühlte ich mich zunehmend unwohl. Mehrmals sah ich Männer, die im Schatten im Straßengraben lagen; ob sie sich nur ausruhten oder ihren Rausch ausschliefen, konnte ich nicht erkennen.
Die Mine war keineswegs ein touristisch aufbereiteter Ort, sondern offensichtlich in Betrieb. Ausschließlich junge Männer, augenscheinlich arm und schlecht ausgestattet, schleppten Säcke aus einem wassergefluteten Schacht. Ich bezweifle, dass die Säcke Gold enthielten; vermutlich eher Schutt, Geröll oder etwas Ähnliches.
In männlicher Begleitung und mit besseren Spanischkenntnissen hätte ich mich deutlich wohler gefühlt. Wahrscheinlich hätte mich dann jemand gegen ein kleines Entgelt in den Schacht geführt und mir erklärt, was dort genau geschieht.
Unter den gegebenen Umständen – ich allein, als weiße Frau, irgendwo im Nirgendwo, umgeben von jungen Männern in sehr schwierigen sozialen Verhältnissen – habe ich nur freundlich gegrüßt, einen kurzen Blick in den Schacht geworfen und mich dann zügig wieder verabschiedet.
Zuletzt noch der Besuch einer weiteren Kaffeeplantage. Ich war neugierig, ob alle Kaffeetouren ähnlich ablaufen, und ich musste erkennen, dass die Tour und die Einblicke, die wir in Selva Negra bekommen hatten, einzigartig und sehr professionell waren. Auf der Finca Idealista ist vor allem der Name idealistisch. Ich war die einzige Besucherin und mein Guide sprach ausschließlich Spanisch. Trotz Übersetzungs-App beschränkten sich die Informationen, die ich verstehen konnte, auf ein Minimum. Der Name Finca ist darüber hinaus irreführend, denn es gab kein Landgut oder Gästehaus sondern lediglich die landwirtschaftlich notwendigen Gebäude. Alles war sehr rudimentär gehalten, doch genau deswegen vielleicht auch authentisch. Es gab 40 Arbeiterinnen und Arbeiter, wobei ich auch ein paar wenige Kinder gesehen habe, die beim Sortieren der Beeren geholfen haben. Laut meinem Guide verdient jeder Pflücker und jede Pflückerin ca 7€ für jeden mit Beeren gefüllten 20 Liter-Eimer. Die meisten Arbeitenden hatten in der heute zur Verfügung stehenden Zeit 2,5 - 3 Eimer voll gepflückt, also ca 20€ verdient.
