Zwischen Improvisation und Abenteuer
Ich muss leider feststellen, dass individuelles Reisen in Nicaragua, wie zuvor schon in Costa Rica, ohne eigenes Fahrzeug gar nicht so einfach ist. Dummerweise habe ich m


Published: 24.11.2025























Von der Insel Ometepe bin ich nach León weitergereist, einer tropisch heißen Stadt nordwestlich der Hauptstadt Managua.
Es ist erstaunlich, wie oft meine Erwartungen oder Hoffnungen, wie ein Ort sein würde, sich nicht erfüllen. Obwohl ich nun seit drei Wochen in Nicaragua bin, ertappe ich mich immer noch dabei, in westlichen Maßstäben zu denken.
So ging ich zum Beispiel ganz selbstverständlich davon aus, an der Pazifikküste bei León eine belebte Strandpromenade mit vielen Cafés, Bars und Badegästen zu finden. Entsprechend ausgerüstet mit Buch, Strandtuch und Bikini fuhr ich am Vormittag mit dem Bus nach Peñitas, dem kleinen Ort direkt am Meer. Dort angekommen, lief ich etwa drei Kilometer den Strand entlang, es bot sich mir jedoch überall dasselbe Bild: ein menschenleerer Sandstrand, verrammelte Strandbuden und keinerlei Schatten, den man bei dieser Hitze so dringend bräuchte. Das von meinem Reiseführer empfohlene Hotel samt Restaurant hatte zwar geöffnet, aber selbst dort waren kaum Gäste.
Ich bin einmal kurz ins Wasser gegangen, um mich abzukühlen. Doch der starke Wellengang – für Surfer sicher ideal – machte Schwimmen oder entspanntes Planschen nahezu unmöglich.
Solchen eher ernüchternden Erlebnissen stehen Begegnungen gegenüber, die mich wirklich berühren: die Italienerin aus Mailand zum Beispiel, die während einer dreiwöchigen Nicaragua-Reise mit Rückflugticket in der Tasche spontan beschloss zu bleiben und nun seit zwei Jahren mit ihrem Mann ein kleines italienisches Restaurant auf Ometepe betreibt. Sie erzählte, sie habe hier alles, was sie brauche, sei aber seither nicht mehr nach Italien zurückgereist, aus Angst, dann vielleicht nicht erneut den Mut zu finden, hierher zurückzukehren. Oder die angehende Lehrerin aus Bayern, die nach dem Studium ein zehnmonatiges Praktikum an der Deutschen Schule in Managua begonnen hat und nun in einer nicaraguanischen Gastfamilie lebt und hier unterrichtet.
Nicaraguas Städte bieten im Vergleich zu Europa wenig Reizvolles. Man reist nach Nicaragua, um Landschaft und Natur zu erleben. Und das, das habe ich inzwischen eingesehen, ist auf eigene Faust und ohne Auto gar nicht so einfach. Öffentliche Busse halten mit Glück am Eingang der Nationalparks, oft aber sind die schönsten Naturorte mit lokalen Bussen gar nicht erreichbar. Deshalb werde ich nun häufiger Touren buchen, um die besonderen Plätze dieses Landes wirklich sehen und genießen zu können.
